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Fisch aus nachhaltigem Fang für Verbraucher schwer zu erkennen

© ExQuisine – Fotolia.com

Der Appetit der Verbraucher auf Fisch ist groß. In Deutschland werden neben dem Süßwasserfisch Lachs vor allem Seefische wie Seelachs, Hering und Thunfisch verzehrt. Doch Berichte über überfischte Meere oder problematische Fangmethoden verunsichern die Konsumenten. So ist der intensive Fang bestimmter Fischarten mit großen Mengen von Beifang verbunden: Meerestiere aller Art geraten in die Netze, werden aber nicht verwertet.

Käufer achten verstärkt auf die Angaben der Anbieter zur Herkunft der Fischarten oder Fangmethoden. Laut einer aktuellen Umfrage des Bundesumweltministeriums wünschen sich 92 Prozent der Befragten, dass der Handel keine Fischprodukte von bedrohten Arten anbietet. 90 Prozent befürworten die Kennzeichnung von Fischprodukten aus umweltschonender Fischerei. Auch Anfragen an Lebensmittelklarheit.de zeigen das Interesse der Verbraucher an der Kennzeichnung sowie an Siegeln für nachhaltigen Fischfang. Gleichzeitig ist nicht allen klar, was hinter den Siegeln steckt und wie sie Fisch aus nachhaltigem Fang oder nachhaltiger Aquakultur erkennen.

Gesetzliche Vorgaben zu Fischfang und Kennzeichnung

Sowohl weltweit als auch auf EU-Ebene gibt es verschiedene Bemühungen, um eine Überfischung der Meere zu vermeiden. Mehrere EU-Verordnungen regeln Fangquoten, Einsatzgebiete und Einsatzzeiten und machen für den Fang Vorgaben zu Netztypen und Maschenweiten. Umweltorganisationen wie der World Wildlife Fund (WWF) kritisieren die Fangquoten allerdings als zu hoch.

Verbraucher, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, können bei unverarbeitetem, frischem oder tiefgefrorenem Fisch auf das Fanggebiet und Fanggerät achten. Diese Angaben sind bei unverarbeitetem Fisch gesetzlich vorgeschrieben. Bei Fisch aus Aquakultur bietet das EU-Öko-Siegel Sicherheit: Produkte mit dem Siegel müssen die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung einhalten. Zusätzlich helfen verschiedene Siegel und Einkaufshilfen von Organisationen und Verbänden, sich beim Einkauf zu orientieren.   

Informationsmöglichkeiten rund um nachhaltigen Fischfang

Der nachhaltige Einkauf von Wildfisch ist alles andere als einfach. Die Angabe des Fanggebietes hilft Verbrauchern nur, wenn sie gleichzeitig Informationen über den Zustand der Fischbestände in dem betreffenden Gebiet haben. Hilfestellungen bieten neben den gesetzlich verpflichtenden Angaben einige Informationsangebote, freiwillige Kennzeichnungen und Siegel.

Tracking-Codes für umfangreiche Informationen

Verpflichtend ist die Angabe von Fanggebiet und Fangmethode nur bei unverarbeitetem frischem oder tiefgekühltem Fisch. Inzwischen finden Verbraucher diese Informationen sehr häufig auch bei verarbeitetem Fisch und Fischerzeugnissen  auf der Verpackung – teilweise allerdings in codierter Form. Diese Kennzeichnung ging zunächst auf eine Initiative der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels zurück, die im Jahr 2008 beschloss, die in Deutschland vermarkteten Erzeugnisse freiwillig genauer zu kennzeichnen, als es vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist.

Beispiel
Pflichtangabe:     gefangen im Nordostatlantik
Genauere Kennzeichnung:   gefangen im Nordostatlantik (Nordsee)

Teilweise werden die Fanggebiete allerdings nach folgendem Prinzip codiert:

  • Nennung des FAO-Fanggebiets
  • Zweistelliger Code für das genaue Fanggebiet
  • Zwei Stellen für die Angabe des Fangjahres

Zum Beispiel wird für Hering, gefangen im Jahr 2018 in der Nordsee, folgender Code vergeben: FAO 27-16-18. Die Bedeutung dieses Codes erfahren Käufer erst nach Recherche auf der angegebenen Website.

Darüber hinaus haben mehrere große Anbieter wie Followfood (Marke Followfish), Bofrost oder Hawesta Feinkost inzwischen eigene Tracking-Code-Systeme entwickelt, mit denen sich umfangreiche Informationen zum Fanggebiet und der Fangmethode ermitteln lassen. Auch hierbei müssen Verbraucher in der Regel den Tracking-Code auf der Homepage eingeben, um an die Informationen zu gelangen. Einige Anbieter wie Followfood oder Fish4ever orientieren sich darüber hinaus an eigenen Leitlinien zur Nachhaltigkeit.   

Siegel für nachhaltige Fischerei

Verschiedene Siegel sollen Standards zu nachhaltigem Fischfang garantieren und Fischbestände schützen. Entwickelt wurden sie von Umweltverbänden und Organisationen.

MSC-Siegel

MSC ist die Abkürzung für Marine Stewardship Council. Er wurde von der Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) und dem Lebensmittelkonzern Unilever gegründet.
Seit über 20 Jahren ist der MSC eine unabhängige Organisation, die sich vorrangig über die Zuwendungen von Stiftungen, Treuhandgesellschaften und staatlichen Organisationen sowie über Lizenzgebühren für die Logonutzung finanziert.

Nach dem MSC-Umweltstandard können sich alle Fischereien, die Wildfisch aus Süß- und Salzwasser sowie Meeresfrüchte fangen, zertifizieren lassen. Die Vergabe des MSC-Siegels erfolgt nach eigenen Angaben nach drei Prinzipien:

  1. Schutz der Fischbestände
  2. Minimale Auswirkungen auf das Ökosystem
  3. Verantwortungsvolles und effektives Management

Verbraucher erkennen Fisch von MSC-zertifizierten Fischereien am MSC-Logo.

Am MSC-Siegel gab und gibt es immer wieder Kritik. Im Januar 2018 forderten 66 Umweltschutzorganisationen, Wissenschaftler und Einzelpersonen vom MSC weitreichende und umgehende Nachbesserungen des Zertifizierungsstandards – nur so lasse sich der Nachhaltigkeitsanspruch des MSC-Siegels rehabilitieren.

Weitere Siegel für Fisch aus nachhaltigem Fischfang sind die Siegel von Naturland und Friend of the Sea. Die jeweiligen Organisationen haben dazu jeweils eigene Kriterien entwickelt, die auf den jeweiligen Internetseiten nachzulesen sind.

Fisch aus Aquakultur – eine Alternative?

Um den steigenden Bedarf an Fisch zu decken, wird zunehmend Fisch in Aquakultur erzeugt. Aquakultur ist die kontrollierte Aufzucht von Fischen und Meerestieren in angelegten Teichen, Kanälen oder natürlichen Gewässern. Doch auch diese Methode hat ihre Tücken.

Mögliche Probleme der Aquakultur sind:

  • zu hohe Besatzdichte und damit verbundene höhere Anfälligkeiten der Tiere für Krankheiten,
  • die Notwendigkeit, Raubfische wie Lachs mit Fischen zu füttern,
  • die Flucht von Fischen aus den Aquakulturanlagen, die langfristig die Wildpopulation vertreiben,
  • der Antibiotikaeinsatz und
  • die Zerstörung von Mangrovenwäldern in Asien, um die entstandene Fläche für die Garnelenzucht zu nutzen.

Verbraucher, die bei Fisch aus Aquakultur Wert auf nachhaltige Produktion legen, können sich beispielsweise am EU-Öko-Siegel orientieren.

Ökologisch erzeugter Fisch

Seit Anfang 2009 enthält die EU-Öko-Verordnung auch gesetzliche Vorschriften zur Erzeugung von Bio-Fisch oder Bio-Meeresfrüchten aus Aquakultur.

Die Verordnung macht unter anderem Vorgaben zu

  • Herkunft
  • Haltung, zum Beispiel Besatzdichten und Wasserqualität
  • Fütterung
  • Methoden zur Krankheitsvorsorge und zur tierärztlichen Behandlung von Fisch und Meeresfrüchten.

Der Einsatz von Hormonen ist bei der Erzeugung von Aquakulturtieren verboten.

Der Bioanbauverband Naturland verfügt über eigene Richtlinien für die ökologische Aquakultur. Diese sind in einigen Bereichen strenger als die Vorschriften der EU-Öko-Verordnung. 

Auch in den Richtlinien anderer Bioanbauverbände gibt es Regelungen für in Aquakultur erzeugten Fisch.

ASC-Siegel

Analog zum MSC-Siegel für nachhaltig gefangenen Fisch initiierte der WWF im Jahr 2009 den Aquaculture Stewardship Council (ASC) für nachhaltig erzeugten Fisch und Meeresfrüchte aus Aquakultur. Der ASC entwickelte Zuchtstandards für häufig verzehrte Fischarten wie Lachs, Forelle und Pangasius sowie für Garnelen und Muscheln.

Berücksichtigt wurden in den ASC-Standards die folgenden Aspekte:

  • Die Auswahl des Standortes der Aquakultur, er muss sich für Zuchtfische eignen.
  • Der Nachweis einer geringen Sterblichkeitsrate während der Zucht.
  • Die Einhaltung einer bestimmten Wasserqualität
  • Der Einsatz von Antibiotika: Sie dürfen nur unter medizinischer Überwachung und nur für erkrankte Tiere angewendet werden.
  • Vorschriften zur Behandlung von kranken Tieren.

Verbraucher erkennen Fisch aus ASC-zertifizierter Zucht am ASC-Logo.

Ein weiteres, weltweit verbreitetes Siegel für Fisch aus Aquakultur ist das GGN-Siegel der Organisation Global G.A.P., die ebenfalls eigene Tierschutz- und Umweltschutz-Standards für Fisch aus Aquakultur setzt. Informationen dazu gibt es im Online-Portal der Organisation.    

Einkaufsratgeber für nachhaltigen Fischkauf

Der WWF und Greenpeace geben Einkaufsratgeber für den nachhaltigen Fischeinkauf heraus. Diese sind in Heftform, als Download im Internet oder als App für Smartphonenutzer erhältlich. Für die Bewertung verschiedener Fischarten werden unterschiedliche Systeme benutzt. Während WWF die Fischarten in die Kategorien „Gute Wahl“, „zweite Wahl“ und „lieber nicht“ einteilt, findet bei Greenpeace die Zuordnung in die Kategorien „vertretbar (Wenn Fisch, dann dieser)“ und „nicht vertretbar (Finger weg, nicht nachhaltig)“ statt.

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Verbraucher, die beim Fischeinkauf auf Nachhaltigkeit achten möchten, benötigen eine einfache und verständliche Kennzeichnung von Fisch und Fischerzeugnissen. Eine Recherche der Fanggebiete und Bestände über Trackingcodes im Internet oder Einkaufsratgeber ist aus unserer Sicht aufwändig und umständlich. Zudem basieren die Empfehlungen und Siegel der einzelnen Anbieter und Organisationen auf unterschiedlichen Bewertungsgrundlagen.

Erforderlich wäre ein einheitliches, rechtlich geregeltes Kennzeichnungssystem für den nachhaltigen Fischkauf, das einfach verständliche und schnell verfügbare Informationen für die Kaufentscheidung liefert. Es sollte verpflichtend sein, so dass Verbraucher generell beim Einkauf von Fisch und Fischerzeugnissen eine Angabe zu Nachhaltigkeitskriterien bei Fang und Aquakultur erhalten.

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Letzte Änderung 
28. September 2018