Verbraucherbeschwerde:

Zentis Edelmarzipan Kartoffeln Premium

Das „FairTrade“-Logo auf einer Tüte Edelmarzipan-Kartoffeln weckt falsche Erwartungen.
getaeuscht

Das Fairtrade-Logo auf Produkten kann für Verbraucher:innen einen Unterschied beim Einkauf machen, wenn sie den fairen Handel unterstützen möchten. Enthält die so prominent gekennzeichnete, aus mehreren Zutaten zusammengesetzte Süßigkeit, nur einen „Hauch Kakaopulver aus fairem Handel“, ist die Verärgerung nachvollziehbar.

Auf der Tüte steht ein Fairtrade-Siegel mit dem Zusatz „Cocoa“. Das ist mir sofort ins Auge gesprungen – ich finde den Fairen Handel unterstützenswert.
Später fiel mir aber auf: Wieso Kakao? In Marzipan ist kein Kakao. Die Eier [Anm. der Redaktion: Die Marzipan-Eier waren im April nicht mehr erhältlich.] sind lediglich von außen damit bestäubt, für die Farbe. Ich wollte herausfinden, wie viel – oder besser: wie wenig – Kakao aus Fairem Handel enthalten ist. Das steht nirgendwo auf der Verpackung. Es kann nur minimal sein. Und dafür ein Fairtrade-Siegel? Sollen Kunden mit Fairtrade für dumm verkauft werden?
Verbraucher aus Karlsruhe vom 08.04.2021

Einschätzung der Verbraucherzentrale

Die Schauseite der Premium Edelmarzipan-Kartoffeln weist mit dem Fairtrade-Siegel und dem Zusatz „Cocoa“ auf den Fairen Handel hin. Mit Kakaopulver sind die Marzipankartoffeln bestäubt. Somit kann nur eine winzige Menge fair gehandelter Rohstoff enthalten sein. 

Darum geht’s:

Die Schauseite der Premium Edelmarzipan-Kartoffeln zeigt das „FairTrade“-Siegel vor weißen Hintergrund, ergänzt mit dem Hinweis „Cocoa“ und einem Pfeil. Die Abbildung zeigt eine angeschnittene, bestäubte Marzipankartoffel. Laut Zutatenliste bestehen die Edelmarzipan-Kartoffeln im Wesentlichen aus Zucker und Mandeln. Eine weitere Zutat ist das abgebildete Kakaopulver – ohne Mengenangabe. 
Ebenfalls auf der Rückseite befindet sich eine zusätzliche Information zum „Cocoa“-Hinweis: „Fairtrade-Kakao kann als Mengenausgleich mit nicht-zertifiziertem Kakao vermischt werden. Mehr auf info.trade.net/sourcing“. 

Das ist geregelt:

Es gibt kein gesetzliches Siegel für fairen Handel. Das bekannteste Siegel „FairTrade“ wird von der Fair Trade Labelling Organization (FLO) geführt – sie hat internationale Standards für den fairen Handel definiert. Unter anderem sind Arbeitsbedingungen für Kleinbauern und Arbeiter festgelegt und Diskriminierung sowie Kinderarbeit verboten.
Für Mischprodukte aus fair gehandelten und nicht fair gehandelten Zutaten wird das Siegel mit Pfeil vergeben. Dabei gilt die Regel: Alle Zutaten, die aus fairem Handel erhältlich sind, sollten auch aus fairem Handel stammen. Der Mindestanteil an fair gehandelten Zutaten bei einem Mischprodukt beträgt 20 Prozent.
Hat das Siegel statt einem schwarzen einen weißen Hintergrund, stammt nur die dort aufgeführte Zutat des zusammengesetzten Produkts aus fairem Handel.
Der Pfeil ist zudem auf Produkten mit „Mengenausgleich“ (oder auch „Massenbilanzierung“) zu finden. Mengenausgleich bedeutet: Es wird so viel Fairtrade-Rohstoff verkauft, wie unter Fairtrade-Bedingungen hergestellt wird. Somit stimmt die Menge, aber die Ware muss nicht exakt der im Fairen Handel hergestellte Rohstoff sein. Diese Ausnahme von der physischen Rückverfolgbarkeit  ist nur erlaubt für Kakao, Zucker, Fruchtsaft und Tee.
Zudem gilt das allgemeine Täuschungsverbot, das in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung festgelegt ist. Demnach dürfen Informationen über Lebensmittel nicht täuschen, beispielsweise über deren Eigenschaften, aber auch über die Methode der Herstellung oder Erzeugung.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Das Fairtrade Siegel mit dem Pfeil ist vielfach auf Mischprodukten wie Keksen oder Schokoladen beim Einkauf zu finden. Dazu kommt inzwischen eine weitere Unterscheidung: Neben dem bekannten schwarzen Hintergrund des Fairtrade-Siegels gibt es das Siegel weißem Hintergrund. In diesen Fällen stammt lediglich die genannte Zutat, in diesem Fall der Kakao, aus fairem Handel. 
Selbst wenn Verbraucher:innen die Variante des Fairtrade-Siegels für einzelne Zutaten bekannt ist, passt das gut sichtbare Siegel auf der Schauseite nicht zur Minimenge an fair gehandeltem Kakao im Endprodukt. 

Fazit:

Der Anbieter sollte auf Werbung mit dem Fairtrade-Siegel verzichten, wenn er winzige Mengen fair gehandelter Rohstoffe einsetzt.

Stellungnahme der Zentis GmbH & Co. KG, Aachen

Kurzfassung:

Das Produkt ist mit dem Fairtrade-Rohstoffsiegel gekennzeichnet: Unternehmen verpflichten sich, einen einzelnen Rohstoff – hier Kakao – nach Fairtrade-Standards zu handeln. Obwohl der Kakaoanteil im Produkt tatsächlich gering ist, ist die Wirkung für Kakaobauern trotzdem groß: Der Marktanteil von fair gehandeltem Kakao konnte durch das neue Siegel seit 2014 von 1% auf 16% in 2020 gesteigert werden.