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Mengenausgleich – Wo „Fair“ draufsteht, ist nicht immer „Fair“ drin

© Fotomek - Fotolia.com

Immer mehr Verbraucher greifen zu fair gehandelten Produkten. Dabei treffen sie auf verschiedene Zeichen und Siegel, die unterschiedliche Anforderungen an ihre Produkte stellen. Beim bekanntesten Siegel „FairTrade“ ist, beispielswiese bei einigen Produkten ein sogenannter „Mengenausgleich“ (oder auch „Massenbilanzierung“) erlaubt.

Was bedeutet „Mengenausgleich“?

Mengenausgleich bedeutet, dass fair gehandelte Rohstoffe bei der Verarbeitung, Lagerung oder während des Transports mit handelsüblichen Produkten vermischt werden dürfen. Die exakten Mengen- und Geldströme müssen entlang der Warenkette dokumentiert werden. Die Kontrolle erfolgt durch die Kontrollorganisation FLO-CERT. Am Ende darf nur so viel Ware als „Fairtrade“ ausgezeichnet werden, wie Fairtade-Rohstoffe eingekauft wurden. Das bedeutet, dass beispielsweise ein als „fair“ beworbener Orangensaft aus keiner einzigen fair gehandelten Orange gepresst wurden sein kann. Gleichzeitig landet der Saft der fair-gehandelten Orangen in einem konventionellen Produkt.

Wann und warum findet Mengenausgleich statt?

Beim Fairtrade-Siegel ist ein Mengenausgleich für Kakao, Zucker, Fruchtsaft und Tee erlaubt. Begründet werden die Ausnahmen damit, dass sonst viele Fairtrade-Bauern, besonders, wenn sie nur kleine Mengen produzieren, ihre Rohstoffe nicht verkaufen könnten. Beispielsweise sind Fairtrade-Erzeugergruppen für Orangen meist auf große Saftkonzentrathersteller angewiesen, da sie weder das Geld für die Maschinen noch das nötige Wissen für Technik und Qualität besitzen, um selbst Saft zu produzieren. Die großen Hersteller sind jedoch nicht bereit, die Orangen getrennt zu verarbeiten, da der Anteil der Früchte zu gering und die Kosten für eine getrennte Verarbeitung zu hoch wären

Alle anderen Rohstoffe außer Kakao, Zucker, Fruchtsaft und Tee müssen „physisch rückverfolgbar“, das heißt über die gesamte Handels- und Verarbeitungskette exakt vom Erzeuger bis zum Endprodukt nachverfolgbar sein. So stammt ein Fairtrade-Kaffee tatsächlich zu 100 Prozent von Kaffeeplantagen des fairen Handels.

Müssen die Produkte gekennzeichnet werden?

Zutatenliste Mangosaft mit Mengenausgleich

Ja, die Fairtrade-Standards verlangen, dass Produkte mit dem Hinweis „mit Mengenausgleich“ gekennzeichnet werden, wenn fair produzierte Rohstoffe mit konventionellen Rohstoffen vermischt werden. Wo die Kennzeichnung erfolgen muss, ist nicht vorgegeben. Dementsprechend versteckt sie sich oft in kleiner Schrift ohne jede weitere Erläuterung auf der Rückseite der Verpackung.

 

Einschätzung der Verbraucherzentrale

Der Mengenausgleich ist lediglich als kurzfristige Ausnahme vertretbar und darf nicht zur dauerhaften Regel werden. Eine zukünftige Trennung von fairen und konventionellen Rohstoffen muss das Ziel sein.

Wo „Fair“ draufsteht, muss auch „Fair“ drin sein. Für Verbraucher ist der Mengenausgleich wenig verständlich und nachvollziehbar, da der Hinweis ohne weitere Erläuterungen erfolgt.

Stattdessen sollte der Mengenausgleich eindeutig aus der Verpackungsvorderseite ersichtlich werden. Ergänzend sollte auf weitere Informationsmöglichkeiten beispielsweise im Internet hingewiesen werden.

Quelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen

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Letzte Änderung 
16. Juni 2016

Kommentare

das der Begriff Mengenausgleich nicht gut verständlich ist, sehe ich auch so. Hat man aber erstmal verstanden, worum es geht, ist es für mich völlig in Ordnung. Schließlich geht es mir darum,. dass der Bauer ein faiers Einkommen hat, und dass ich dazu beitrage. Ob jetzt jemand anderes den eigentlichen fairen Kaffee trinkt ist mir dabei egal, denn es macht für mich am Ende keinen Unterschied.
Etwas andere ist das bei Bio. Da will ich auch von der Qualität des Produkts profitieren.


ich stimme Trudel zu 100% zu!
dh. mir ist es egal, wer den fairtradeKakao bekommt, hauptsache, die Bauern bekommen ein ordentlichen Lohn!


Ich finde es sehr schade, dass der Mengenausgleich in diesem Artikel so negativ dargestellt wird.
Ob die Fair-bezahlte Ware in meinem gekennzeichnet Produkt verarbeitet ist oder in einem ungekennzeichnten Produkt, ist doch völlig egal. Hauptsache der Kleinbauern wird anständig bezahlt!


Glaubt hier tatsächlich jemand, dass ein Bauer in bolivien mehr Geld bekommt, weil auf irgendner Verpackung fair drauf steht? Ehrlich????
Dann empfehle ich euch mal ein Praktikum in einer verwaltung eines internationalen Handelsgiganten. Und immer schön weiterträumen.


Ich glaube nicht nur, dass Bauern durch den Fairen Handel bessere Einkommen haben, ich bin mir sicher. Organisationen wie FLO-CERT prüfen regelmäßig die Einhaltung der Kriterien, wissenschaftliche Studien renommierter Universitäten wie die CIR-Studie zu Kaffee, die CEVal-Studien oder SOAS liefern Beweise für die Wirkung des Fairen Handels. Unbestritten, dass mit dem (ungeschützten) Begriff des Fairtrade auch Schindluder betrieben wird, gerade von großen Konzernen. Auch FLO-CERT entzieht immer wieder mal einem Produzenten die Zertifizierung. Aber das beweist gerade die Wirksamkeit des Systems, das in vielen Reportagen gute Beispiele betroffener Bauern etc. zeigt. Jedes Kind, das ich mit dem Kauf fair gehandelter Produkte vor Kinderarbeit oder gar Sklaverei statt Schule und spielen bewahren kann, lohnt das Engagement und der Kauf.