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Werbung „Ohne Zuckerzusatz“ – aber trotzdem gesüßt

 

Verwirrend: Produkte mit der Angabe „ohne Zuckerzusatz“ können trotzdem Süßungsmittel enthalten.

Verbraucherbeschwerde 

Beschwerden zu Joghurt mit Fruchtzubereitung:

Auf der Packung steht "Ohne Zucker Zusatz". Das stimmt strenggenommen, da das Joghurt nur drei (!) Süßungsmittel hat. Diese werden nur auf der "Rückseite" (über den Zutaten und dem Nährwert) in der offiziellen Bezeichnung genannt. Die "Front" hat aber nicht das üblichere "Ohne Zucker". Die Aufschrift ist irreführend, da sie suggeriert, dass das Produkt bloß mit Früchten oder Fruchtsaft gesüßt sei. Die Süße ist aber mit jedem handelsüblich gesüßtem Joghurt (mit oder ohne Zucker) vergleichbar. Das Produkt soll also gesünder oder "natürlicher" klingen als es ist.
Verbraucher aus Eckernförde vom 18.06.2020

Beschwerden zu Schokoladenriegeln:

Beide als Beispiel genannten Produkte enthalten in der Beschreibung den Satz "Ohne Zuckerzusatz! Enthält von Natur aus im Kakao enthaltenen Zucker." […] In den Zutaten des Riegels White Coconut steht als erste Zutat Süßungsmittel Maltit. Dies ist ein Zuckeraustauschstoff, Süßstoff oder wie sie alle heißen. In den Zutaten des zweiten Schokoriegels stehen Süßungsmittel: Maltit und Steviolglycosid. Auch das sind Zuckeraustauschstoffe, Süßstoffe. Es wird der Eindruck erweckt, es handelt sich um recht natürliche und somit gesunde Produkte ohne Zuckerzusatz. […]
Verbraucherin aus Linkenheim vom 21.09.2018

Auf der Papierverpackung außen steht "ohne Zuckerzusatz*", das Sternchen findet sich an der Seite und gibt die Info, dass das Produkt von Natur aus Zucker enthält. Allerdings sieht die Zutatenliste folgendermaßen aus: "Maltitsirup, 25% Getreide (Weizenflocken, Gerstenflocken), Schoko-Weizen-Reis-Mais-Crispies (Weizenmehl, Reismehl, 6% Kakao, Maismehl, Gerstenmalzmehl, Salz), 8% Maltit- Vollmilchschokolade (Süßungsmittel Maltit, Kakaobutter, Vollmilchpulver, Kakaomasse, Emulgator Sojalecithine), Kokosfett ganz gehärtet, Cornflakes (Mais, Salz, Gerstenmalz, Emulgator Mono- und Diglycceride von Speisefettsäuren), Maltodextrine, Feuchthaltemittel Glycerin, Erdnüsse geröstet, gehackt, Weizen-Mais- Crispies (Weizenmehl, Reismehl, Maismehl, Gerstenmalzmehl, Salz), ungezuckerte Kondensmilch, Vitamine (C, E, B6, B2, B1, Folsäure, B12), Rohrohrzuckerablaufsirup, Aromen, Emulgator Sojalecithine, Kakao".
Zucker an erster Stelle der Zutatenliste und am Ende noch Rohrohrzuckerablaufsirup ist – den Zucker in den Zutaten der Zutaten mal außen vor gelassen – für mich NICHT ohne Zuckerzusatz.
Verbraucherin aus Bochum vom 12.03.2018

Beschwerden zu Früchteriegel:

Vorne auf der Verpackung steht „ohne Zuckerzusatz“ und hinten bei den Zutaten steht Süßungsmittel Maltit. Ich fühle mich getäuscht.
Verbraucherin aus Berlin vom 25.09.2015

Einschätzung der Verbraucherzentrale
Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Verbraucher können bei einem Lebensmittel mit dem Hinweis „ohne Zuckerzusatz“ davon ausgehen, dass es sich um ein ungesüßtes Lebensmittel handelt. Süßstoffe und/oder Zuckeraustauschstoffe sind dennoch möglich, da diese nicht zu den Einfach- oder Zweifachzuckern zählen. Der Hinweis „gesüßt mit …“ kann derartige Missverständnisse verhindern.
Die Angabe „ohne Zuckerzusatz“ sollte in unmittelbarer Nähe mit dem Hinweis „gesüßt mit …“ ergänzt werden.

Darum geht’s:

Auf einem Obstriegel steht die Angabe „ohne Zuckerzusatz“. Laut Zutatenliste enthält der Riegel zwar keine Zucker, aber unter anderem das Süßungsmittel Maltit.

Maltit zählt lebensmittelrechtlich zu den Zuckeraustauschstoffen.
Die Werbung „ohne Zuckerzusatz“ kann Verbraucher irritieren: Während Begriffe wie „zuckerarm“ oder „zuckerfrei“ eindeutig in Bezug auf die Nährwertangabe zu Zucker gesetzlich geregelt sind, bedeutet „ohne Zuckerzusatz“, dass kein zusätzlicher Zucker wie Haushaltszucker, Milch- und Fruchtzucker oder eine süßende Zutat wie Fruchtsirup oder Honig zugesetzt wurde und somit in der Zutatenliste stehen darf.

Das ist geregelt:

Die Europäische Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben, die sogenannte Health Claims-Verordnung (HCVO), schreibt vor, dass Hersteller nur dann mit dem Nährwert eines Lebensmittels werben dürfen, wenn sie für ihre Produkte exakte Vorgaben einhalten. Nach der Verordnung ist die Angabe „ohne Zuckerzusatz“ nur zulässig, wenn das Produkt keine zugesetzten Mono- oder Disaccharide oder irgendein anderes wegen seiner süßenden Wirkung verwendetes Lebensmittel enthält. Süßende Zusatzstoffe wie Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe dürfen enthalten sein.

Wenn das Lebensmittel von Natur aus Zucker enthält, sollte das Etikett auch den folgenden Hinweis enthalten: „Enthält von Natur aus Zucker“.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Die Angabe „ohne Zuckerzusatz“ kann den falschen Eindruck vermitteln, dass ein Produkt nicht gesüßt wurde. Das wird insbesondere bei Lebensmitteln der Fall sein, von denen auch ungesüßte Varianten im Handel sind, zum Beispiel Fruchtschnitten oder Müslimischungen. Hier rechnen Verbraucher nicht damit, in erheblicher Menge Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe vorzufinden, zumal sie diese gegenüber Zucker nicht unbedingt als vorteilhaft ansehen.
Das Verbraucherverständnis bei Hinweisen wie „ohne Zuckerzusatz“ und „ungesüßt“ auf Lebensmitteln war Bestandteil einer Studie im Auftrag von Lebensmittelklarheit in 2014. 90 Prozent der Verbraucher gehen bei der Angabe „ohne Zuckerzusatz“ davon aus, dass dem Produkt kein Zucker zugegeben wurde. Gut die Hälfte erwartet außerdem keine süßenden Zusatzstoffe in diesen Lebensmitteln.

Fazit:

Die Angabe „ohne Zuckerzusatz“ sollte in unmittelbarer Nähe mit dem Hinweis „gesüßt mit …“ ergänzt werden.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
25. Juni 2020