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Milch-Alternativen – vegan, aber nicht rein pflanzlich

Vegane Milchersatzprodukte
Vegane Milchersatzprodukte © happy_lark - Fotolia.com

Pflanzendrinks werden immer populärer, weil diese insbesondere für Veganer eine gute Alternative zur Milch darstellen. Die Trendgetränke gibt es in vielen Variationen: Neben den klassischen Sojadrinks stehen unter anderem Reis-, Hafer-, Kokos- und Lupinendrinks in den Regalen.

Um die Vorteile der Drinks hervorzuheben, werben einige Hersteller mit „rein pflanzlich“ oder „100% pflanzlich“. Aber stimmt das überhaupt? Stammen wirklich alle Zutaten aus Pflanzen? Und ist vegan auch immer gleich „rein pflanzlich“?

Lebensmittelklarheit hat mehreren Pflanzendrinks auf den Zahn gefühlt. Wir wollten wissen, was in den Pflanzendrinks enthalten ist und wie „pflanzlich“ die Produkte wirklich sind.

Vielfältiges Angebot – unterschiedliche Pflanzenbasis

Pflanzendrinks bestehen in erster Linie aus Wasser und fein gemahlenen

  • Hülsenfrüchten wie der Sojabohne, und den Lupinen,
  • Getreiden, wie Hafer, Dinkel, Reis und Mais,
  • Körnerfrüchten (Pseudo-Getreide) wie Buchweizen,
  • Nüsse und Kerne wie Mandeln, Macadamia und Kokosnuss.

Die Pflanzendrinks werden homogenisiert und zur Haltbarmachung erhitzt. Sie dienen als Alternative zu Kuhmilch zum Beispiel für Veganer, Kuhmilchallergiker und Menschen mit Laktoseintoleranz. Die Drinks ähneln auch in ihrem Erscheinungsbild und ihren Verwendungsmöglichkeiten der Kuhmilch. Die ernährungsphysiologische Qualität der pflanzlichen Milchersatzprodukte ist aber sehr unterschiedlich. Beispielsweise erreichen manche Produkte bei weitem nicht den Gehalt an Kalzium und Eiweiß von Kuhmilch. Besonders für Menschen, die häufig Pflanzendrinks verwenden, lohnt es sich deshalb, die Nährwertkennzeichnung zu lesen und Produkte zu vergleichen.

Die pflanzlichen Milchersatzprodukte dürfen nicht als „Milch“ bezeichnet werden, da diese Bezeichnung geschützt ist und „echter“ Milch tierischen Ursprungs vorbehalten ist.

Mehr als nur Hafer, Soja und Co. – Wasser, Zucker, Stabilisatoren

Die Grundlage der Pflanzendrinks bildet Wasser. Die geschmacksgebende und qualitätsbestimmende Zutat wie Sojabohnen oder Getreidekörner macht meistens weniger als 10 Prozent aus. Der Anteil dieser Basiszutat kann stark variieren. Einige Beispiele unterschiedlicher Pflanzendrinks zeigt die Tabelle.

Zusätzlich enthalten einige Produkte Pflanzenöl, süßende Zutaten wie Zucker oder Fruktose und Salz. Teilweise kommen Zusatzstoffe wie Säureregulatoren (zum Beispiel Monokaliumphosphat) und Stabilisatoren (wie Gellan) und Aromen zum Einsatz. Manche der Milchalternativen werden zusätzlich mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert, um sich den physiologischen Eigenschaften der Kuhmilch anzunähern.

Am häufigsten wird der Mineralstoff Kalzium zugesetzt. Konventionelle Hersteller verwenden als Kalziumlieferant oft Tricalciumphosphat oder Calciumcarbonat, während Bio-Erzeuger meist auf die kalziumreiche Meeresrotalge (Lithothamnium calcareum) zurückgreifen.

„Rein pflanzlich“ stimmt nicht für alle Zutaten

Zutaten können nicht nur pflanzlicher oder tierischer Herkunft sein, sondern auch mineralisch oder künstlich. Einige werden im Labor mit Hilfe von Mikroorganismen oder Enzymen erzeugt

So sind die Zutaten der Pflanzendrinks einzuordnen:

Die Basiszutat der Pflanzendrinks, sei es Soja, Hafer oder Reis, ist pflanzlichen Ursprungs.

Auch die süßenden Zutaten wie Rohrohrzucker, Haushaltszucker oder Fruchtzucker sind pflanzlichen Ursprungs, denn sie stammen zum Beispiel aus Zuckerrohr, Zuckerrüben oder Mais. Die gegebenenfalls vorhandenen Öle sind ebenfalls rein pflanzlich.

Bereits Wasser, das den größten Anteil an den Drinks ausmacht, ist nicht pflanzlich, denn es stammt nicht aus der Pflanze.

Für Meersalz gilt: Es ist eine mineralische und keine pflanzliche Zutat in vielen Pflanzendrinks.

Ob verwendete Zusatzstoffe pflanzlichen Ursprungs sind, ist in der Regel nicht erkennbar. Monokaliumphosphat als Säureregulator und Gellan als Stabilisator stammen nicht aus Pflanzen.

Die Werbung mit „100% pflanzlich“ für Pflanzendrinks mit diesen Inhaltsstoffen ist daher nicht zutreffend. Die Pflanzendrinks enthalten Zutaten die unter anderem mineralischen, synthetischen und mikrobiellen Ursprungs sind. Die Aussage „vegetarisch“ und auch „vegan“ ist für alle betrachteten Pflanzendrinks korrekt, denn sie verspricht lediglich die Abwesenheit von vom Tier stammender Zutaten.

Einschätzung der Verbraucherzentrale

Die von Lebensmittelklarheit bewerteten Produkte waren nicht „rein pflanzlich“, auch wenn sie zum Teil damit warben. Schon die Zutaten Wasser und Salz bewirken, dass es sich nicht mehr um einen „rein pflanzlichen“ Drink handelt. Auch wenn die meisten Verbraucher vermutlich nicht so spitzfindig sind, sollten die Aussage stimmen und nur auf tatsächlich rein pflanzlichen Produkten verwendet werden. In allen anderen Fällen sollten Hersteller beispielsweise auf die Angabe „vegan“ zurückgreifen, um klarzustellen, dass keine tierischen Inhaltsstoffe im Produkt enthalten sind.

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Letzte Änderung 
20. Februar 2018