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Herkunftsangaben auf Lebensmitteln

© PeJo - Fotolia.com

Viele Verbraucher möchten wissen, woher die Lebensmittel kommen, die sie kaufen. Das zeigen unter anderem die Anfragen bei Lebensmittelklarheit. Doch eine Herkunftsangabe ist nur für wenige Lebensmittel vorgeschrieben, unter anderem für unverarbeitetes Obst und Gemüse, Eier, Fisch und Rindfleisch. Auch für verpacktes, unverarbeitetes Fleisch von Schwein, Schaf, Ziege und Geflügel müssen Anbieter Angaben zur Herkunft machen. Bei verarbeitetem Fleisch sowie den meisten anderen Lebensmitteln erfahren Verbraucher nicht, woher die Zutaten stammen und wo sie verarbeitet wurden. So muss beispielsweise ein Hersteller von Erdbeer-Konfitüre nicht darüber informieren, wo das Obst geerntet wurde. Die Herkunft der Milch in einem Joghurt erfährt der Kunde ebenfalls in der Regel nicht.

Macht ein Hersteller freiwillig Angaben zur Herkunft, darf diese Information nicht täuschen oder irreführen. Insbesondere bei regionalen Angaben fehlen allerdings in vielen Fällen genaue gesetzliche Regelungen.

Firmenadresse auf der Verpackung

Jedes verpackte Lebensmittel muss auf dem Etikett den Namen oder die Firma sowie die Anschrift des verantwortlichen Lebensmittelunternehmers tragen. Dies muss aber nicht der Hersteller sein. Es kann beispielsweise der Produzent, Verarbeiter oder Verkäufer sein, wenn unter dessen Name das Lebensmittel vermarktet wird.

Nummern und Codes auf der Verpackung, wie die Los- oder Chargennummer, der GTIN-Code (EAN-Code) oder das Identitätskennzeichen, dienen dem Handel sowie der Lebensmittelüberwachung zur Rückverfolgbarkeit der Waren. Für Verbraucher haben diese Nummern keinen Nutzen, denn sie können daraus keine Rückschlüsse auf die Herkunft ziehen. Eine Ausnahme ist der Stempelcode auf Eiern, der Auskunft über die Haltungsform sowie die Herkunft der Eier gibt.  

Fleisch von Rind, Schwein, Geflügel, Schaf und Ziege

Bei unverarbeitetem Rindfleisch sind ausführliche Herkunftsangaben vorgeschrieben, sowohl für verpacktes Fleisch als auch für lose Ware. Angegeben werden müssen der Ort der Aufzucht sowie der Schlachtung des Tieres. Doch schon eine Zugabe von Salz befreit das Fleisch von der Kennzeichnungspflicht, denn es gilt dann als "küchenfertig zubereitet". Wird Rindfleisch mit Schweinefleisch zu Hackfleisch verarbeitet, muss lediglich ab einem mehr als 50-prozentigem Anteil das Herkunftsland von Rindfleisch gekennzeichnet werden.

Seit dem 1. April 2015 gilt eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung auch für verpacktes Schweine-, Schaf-, Ziegen- und Geflügelfleisch. Diese Pflichtkennzeichnung betrifft frisches, gekühltes oder gefrorenes Fleisch – dabei sind Angaben zum Land der Aufzucht und der Schlachtung erforderlich. Die Vorgaben gelten aber nicht für unverpackte oder verarbeitete Fleischerzeugnisse.

Eier

Stempelcode auf Eiern

In allen Ländern der Europäischen Union ist eine einheitliche Eierkennzeichnung mit Hinweisen zur Herkunft, Haltung und Frische der Eier vorgeschrieben. Bei verpackten, nach Güte- und Gewichtsklassen sortierten Eiern verrät ein gestempelter Zifferncode (zum Beispiel 0-DE-024572) auf der Schale, woher die Ware kommt. Eine "Null" an erster Stelle gibt die Herkunft aus ökologischer Erzeugung an, eine "Eins" steht für Freilandhaltung, die Ziffer "Zwei" für Boden- und eine "Drei" für ausgestaltete Käfig- bzw. Kleingruppenhaltung. An nächster Stelle offenbaren Länderkürzel das Herkunftsland - so steht DE für Deutschland oder NL für die Niederlande. Um die Herkunft vom Verkauf bis zum Stall zurückverfolgen zu können, zeigt der abschließende siebenstellige Zahlencode auf deutschen Eiern das jeweilige Bundesland sowie die entsprechende Betriebs- und Stallnummer an.

Herkunft Gemüse
© Bauer Alex - fotolia.com

Obst und Gemüse

Bei den meisten frischen Obst- und Gemüsearten muss das Ursprungsland angegeben werden, außer bei Früh- und Speisekartoffeln, frischen Bananen, Oliven, Zuckermais sowie einigen weiteren Nuss- und Obstarten. Hier kann der Händler eine freiwillige Kennzeichnung vornehmen.

Regionale Kennzeichen

Viele Verbraucher bevorzugen Lebensmittel aus der Region. Doch die Vielfalt freiwilliger regionaler Label ist groß. Einheitlich geregelt ist das Regionalfenster. Es informiert über die regionale Herkunft der eingesetzten landwirtschaftlichen Zutaten sowie über den Ort der Verarbeitung.

Weitere Regional-Label und Initiativen sind häufig von Handelsketten oder Erzeugerverbänden initiiert und dienen diesen als Marketinginstrument. Nach welchen Kriterien die Siegel vergeben werden, ist auf den ersten Blick nicht immer erkennbar.    

Geschützte Kennzeichen auf EU-Ebene

Um besondere, traditionelle regionale Produkte zu schützen, wurden die EU-Herkunftssiegel eingeführt. Die EU-weite Kennzeichnung "g.g.A." bedeutet "geschützte geographische Angabe". Das heißt lediglich, dass eine Stufe der Produktion im genannten Gebiet stattfinden muss. Nicht zwangsläufig stammen die Rohstoffe aus der benannten Region. Beispiele hierfür sind der Schwarzwälder Schinken oder der Dresdner Christstollen.

Das EU-Kennzeichen "geschützte Ursprungsbezeichnung" (g.U.) gibt dagegen eindeutig Auskunft über die Herkunft. Die auf EU-Ebene eingetragenen Produkte müssen im festgelegten Gebiet nach bestimmten Kriterien erzeugt werden. Sämtliche Produktionsschritte müssen in der entsprechenden Region erfolgen. Ein „Allgäuer Bergkäse“ beispielsweise muss auch im Allgäu hergestellt werden. Verbraucher erkennen dies an dem EU-Kennzeichen „geschützte Ursprungsbezeichnung“.

Zukunft der Herkunftskennzeichnung

Zurzeit prüft die EU-Kommission in einer Folgenabschätzung für verschiedene weitere, teilweise verarbeitete Lebensmittelgruppen, inwiefern eine Angabe des Herkunftsortes und des Ursprungslandes notwendig und praktikabel ist. Ab dem 1. April 2020 gelten voraussichtlich klarere Regeln für die Kennzeichnung des Ursprungslandes oder des Herkunftsortes der primären Zutat eines Lebensmittels. Dies ist eine Zutat, die mehr als 50 Prozent des Lebensmittels ausmacht.

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Anfragen bei Lebensmittelklarheit zeigen, dass viele Verbraucher wissen wollen, woher die Lebensmittel stammen, die sie kaufen. Dass sie dies bei den meisten Lebensmitteln nicht erfahren, ist wenig verbraucherfreundlich. Aus unserer Sicht sollte diese Angabe des Herstellers auf jedem verpackten Lebensmittel Pflicht sein. Auch die gesetzlichen Vorgaben zu regionalen Angaben sollten verbessert werden.

 

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Letzte Änderung 
12. November 2018