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Augen auf beim Online-Kauf!

© Martin Fally - Fotolia.com

Lebensmittel und Getränke online zu bestellen und liefern zu lassen, ist bequem. Auch beim Internetkauf sind zahlreiche Informationen über die angebotenen Lebensmittel verpflichtend.

Online-Händler muss umfassend informieren

Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung sieht für den Versandhandel, zum Beispiel im Online-Shop, umfassende Informationspflichten vor.

Dabei müssen zu jedem im Internet angebotenen Lebensmittel nahezu alle Informationen bereit stehen, die der Kunde auch im Laden vor Ort bekommen würde:

  • Bezeichnung des Lebensmittels
  • Zutatenverzeichnis
  • Zutaten und Hilfsstoffe bei der Lebensmittelverarbeitung, die sie zu den häufigsten Allergenen gehören oder daraus hergestellt wurden
  • eine Mengenangabe bei Zutaten oder Klassen von Zutaten, die durch Bild oder Text hervorgehoben werden oder charakteristisch für das jeweilige Lebensmittel sind
  • Füllmenge des Lebensmittels
  • gegebenenfalls besondere Anweisungen für Aufbewahrung und/oder Anweisungen für die Verwendung
  • Name oder die Firma und die Anschrift des Lebensmittelunternehmers
  • Ursprungsland oder Herkunftsort, sofern die Angabe bei dem betreffenden Lebensmittel auch außerhalb des Online-Handels verpflichtend ist, zum Beispiel bei unverarbeitetem Fisch
  • Gebrauchsanleitung, falls es schwierig wäre, das Lebensmittel ohne eine solche korrekt zu verwenden;
  • Alkoholgehalt bei Getränken mit mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol

Gegebenenfalls kommen für bestimmte Lebensmittel weitere Informationen verpflichtend hinzu, zum Beispiel:

  • „unter Schutzatmosphäre verpackt“
  • „mit Süßungsmittel(n) oder „mit Zucker(n) und Süßungsmittel(n)“
  • „enthält Süßholz“
  • „erhöhter Koffeingehalt. Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“
  • „mit Farbstoff“, „mit Konservierungsstoff“, „mit Antioxidationsmittel“, „mit Geschmacksverstärker“ oder „geschwefelt“
  • das Einfrierdatum

Was zusätzlich beim Angebot im Online-Shop nicht fehlen darf ist die Grundpreisangabe.

Konsumenten soll die Informationen vor dem Kauf erhalten – wie auch beim Einkauf im Supermarkt. Die Pflichtangaben müssen daher vor Abschluss des Vertrages zur Verfügung stehen. Eine Ausnahme gilt für das Mindesthaltbarkeitsdatum, das erst zum Zeitpunkt der Lieferung verpflichtend ist.

Gekauft ist gekauft

Ein Informationsmangel beim Online-Kauf kann ärgerliche Folgen haben: Erst bei der Lieferung stellt der Verbraucher beispielsweise fest, dass die Geflügelwurst Sellerie enthält, den er nicht verträgt, oder Schweinefleisch, das er als Zutat nicht erwartet hat.

Die vollständigen Informationen müssen daher einerseits zur Verfügung stehen, andererseits sollten Käufer sie auch genau durchlesen – zumindest wenn bestimmte Eigenschaften kaufentscheidend sind. Denn das Widerrufsrecht, das bei Online-Käufen grundsätzlich eingeräumt werden muss, gilt nicht für frische Lebensmittel mit kurzer Haltbarkeit. In diesen Fällen ist Käufer ist  an den Kaufvertrag gebunden.

Hier lohnt ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen: In einigen Online-Shops stellt die Zusammenstellung der Waren sowie die Inanspruchnahme des Lieferservices noch keine verbindliche Bestellung der Waren dar. In diesem Fall ist eine Verweigerung der Annahme bei Lieferung möglich.

Vollmundige Gesundheitsversprechen – auch online nicht erlaubt

Viele Lebensmittel, vor allem Nahrungsergänzungsmittel, versprechen eine Extraportion Gesundheit. Doch gesundheitsbezogene Angaben auf Lebensmitteln sind den Regeln der Health-Claims-Verordnung unterworfen. Nur bestimmte, von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zugelassene Aussagen sind erlaubt. Auch wer Lebensmittel im Online-Shop verkauft, muss sich an die Vorgaben der Health-Claims-Verordnung halten und darf nicht willkürlich Behauptungen über gesundheitliche Wirkungen der Produkte machen. Eine europaweite Untersuchung von 1100 Online-Shops aus dem Jahr 2017 zeigte aber, dass eine Reihe von Anbietern gerade bei Nahrungsergänzungsmitteln mit nicht zugelassenen Wirkungsversprechen werben. Zudem machte die Untersuchung deutlich, dass im Online-Handel viele neuartige Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel mit nicht zugelassenen Substanzen zu finden sind.   

 

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Die Kennzeichnung im Online-Handel hat sich verbessert. Die aktuelle Untersuchung zeigt allerdings, dass Verbraucher vor allem bei neuartigen Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln aus dem Internet vorsichtig sein sollten.

Die Verbraucherzentralen fordern darüber hinaus, dass die Behörden alle Nahrungsergänzungsmittel vor dem ersten Inverkehrbringen auf ihre Sicherheit und Kennzeichnung überprüfen sowie eine Positivliste für Pflanzenzubereitungen in Nahrungsergänzungsmitteln erstellen.

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Letzte Änderung 
29. Oktober 2018