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Traditions Molkerei Marburg Tierwohl Vollmilch

 

Die Bedingungen der Einstiegsstufe „Für mehr Tierschutz“ rechtfertigen nicht den Produktnamen und die Aufmachung der Milch.

Verbraucherbeschwerde 

Es geht um die „Tierwohl Milch“ von der „Traditionsmolkerei Marburg“, die mit 1,25 € teurer ist als die Rewe Bio Milch und bei genauerem Hinschauen lediglich die Basisstufe der Tierschutzanforderungen erfüllt. Verbraucher, die dies nicht hinterfragen, werden im guten Glauben, Tierwohl zu unterstützen zu dieser Milch greifen. Ich wäre sehr dankbar, wenn Sie diese Täuschung aufdecken würden.
Verbraucher aus Frankfurt vom 20.02.2020

Die Milch nennt sich Tierwohl-Milch. Ihre Erzeugung erfüllt die Einstiegsstufe des Tierwohllabels des Deutschen Tierschutzbundes. Diese Regeln sind meiner Meinung nach sehr schwach, 6 qm Stallplatz, keine Anbindehaltung. Weide, Auslauf etc. sind nicht vorgeschrieben. Die Milch kostet 1,25 Euro und damit 10 Cent mehr als die Bio-Vollmilch bei Rewe mit wesentlich höheren Anforderungen an die Tierhaltung. Das finde ich Verbrauchertäuschung und Preisabzocke.
Verbraucherin aus Frankfurt vom 06.01.2020

Einschätzung der Verbraucherzentrale:
Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Der Anbieter nennt die Milch „Tierwohl Milch“, erläutert auf der Verpackung aber nicht, wofür der Begriff „Tierwohl“ steht. Er ergänzt den Namen lediglich durch das Logo „Für mehr Tierschutz, Einstiegsstufe“ des Deutschen Tierschutzbundes. Wer die Bedingungen kennt, ist irritiert. Denn die Premiumstufe des gleichen Logos und die ökologische Tierhaltung schreiben mit beispielsweise Auslauf bessere Bedingungen als die Einstiegstufe für die Tiere vor. Der Anbieter sollte daher den Produktnamen ändern.

Darum geht’s:

Auf der Schauseite der Verpackung sind neben dem Produktnamen „Tierwohl-Milch“ die Hinweise „Gönn‘ Dir das Besondere“, die stilisierte Zeichnung einer „freundlich lächelnden“ Kuh und das Logo des Deutschen Tierschutzbundes „Für mehr Tierschutz, Einstiegsstufe“ zu sehen. Auf einer Seite der Verpackung ist erläutert, dass Produkte mit dem Logo gekennzeichnet werden, die die dafür festgelegten Richtlinien erfüllen. Die Richtlinien nennt der Hersteller nicht.

Das ist geregelt:

Die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) regelt grundsätzlich, dass Informationen über Lebensmittel nicht täuschen dürfen, insbesondere in Bezug auf die Eigenschaften eines Lebensmittels.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Der Begriff „Tierwohl“ ist rechtlich nicht definiert. Für Fachleute ist mit den Begriffen "Tierwohl" und "artgerechte Haltung" eine Tierhaltung gemeint, die sich an den biologischen Merkmalen und Bedürfnissen der jeweiligen Tierart orientiert. Die Kriterien umfassen Gesundheit, natürliche Verhaltensweisen sowie Wohlbefinden des einzelnen Tieres. Um natürliche Verhaltensweisen ausleben zu können, ist beispielsweise ausreichend Platz und Auslauf erforderlich. Die hier gewährleistete Einstiegsstufe „für mehr Tierschutz“ schreibt beispielsweise keinen Auslauf für die Tiere vor. Durch die Bezeichnung „Tierwohl“-Milch und die gesamte Aufmachung der Verpackung ist „Tierwohl“ aber das zentrale Werbeargument für die Milch. Dies ist nach Ansicht der Verbraucherzentrale nicht gerechtfertigt. Mit der Premiumstufe des gleichen Siegels und der Ökologischen Tierhaltung, gibt es Vorgaben für die Haltung, die bereits weiter gehen und für die Tiere beispielsweise Auslauf vorschreiben.

Fazit:

Der Anbieter sollte daher auf die Bezeichnung „Tierwohl …“ verzichten.

Stellungnahme der RL Regionale-Lebensmittel Vertriebs GmbH, Marburg

Kurzfassung:

Wir können der Einschätzung des Verbrauchers nicht folgen und sehen keine Verbrauchertäuschung durch den Produktnamen. Die Einschätzung des Verbrauchers zu Anforderungen an die Tierhaltung können wir nicht teilen, dies zeigt ein Vergleich der Kriterien. Zur Preisgestaltung können wir keine Stellung beziehen. Auf die Preisgestaltung und die Preisstrategie im Handel haben wir keinerlei Einfluss.

Stellungnahme Downloads 
Stand 
13. Mai 2020