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Neues Umwelt-Label Eco-Score: Ein Schritt in die richtige Richtung

Wie nachhaltig ist ein Produkt, das ich kaufe? Längst wollen Verbraucherinnen und Verbraucher dies auch beim Kauf von Lebensmitteln wissen. Bio-Lebensmittel werden zwar nach bestimmten Vorgaben ökologisch produziert, sind aber dennoch teilweise weit gereist oder in Plastik verpackt. Ein neues, in Frankreich entwickeltes Eco-Label soll nun eine ganze Reihe von Umweltfaktoren berücksichtigen und das Ergebnis – ähnlich wie beim Nutri-Score – in einer einfachen Farbskala aufzeigen. Der Discounter Lidl hat den Eco-Score im Juni testweise in seinen Berliner Filialen eingeführt und kennzeichnet die Produkte dort entsprechend.

Komplexes Berechnungsverfahren

Entwickelt wurde der Eco-Score auf Initiative zehn französischer Unternehmen. Die Grundlage für den Score bilden Ökobilanzen (Life Circle Analysis =LCA), die aus der französischen Datenbank Agribalyse stammen. Sie sollen für verschiedene Lebensmittelkategorien die Auswirkungen auf die Umwelt ermittelt, unter anderem deren Energie- und Ressourcenverbrauch, CO2-Ausstoß und Luft- und Wasserverschmutzung. Auf diese Weise wird ein Basiswert (ACV-Score) für eine bestimmte Lebensmittelkategorie ermittelt, beispielsweise für Schokoladenkekse, Tomatensauce etc. Alle Lebensmittel einer Produktkategorie erhalten zunächst den gleichen ACV-Score.

Ausgehend von diesem Basiswert fließen für die Bewertung eines konkreten Lebensmittels per Bonus- oder Maluspunkte weitere Faktoren in die Berechnung mit ein, beispielsweise Anbaumethode, Transportwege der Zutaten und Art der Verpackung. So gibt ein Demeter-Bio-Siegel beispielsweise 20 Pluspunkte, das EU-Öko-Siegel 15 Pluspunkte und das Fairtrade oder das MSC-Siegel 10 Pluspunkte.

Farbskala ähnelt dem Nutri-Score

Das Ergebnis der komplexen Berechnung ergibt einen Eco-Score von A (grün = geringe Auswirkungen auf die Umwelt) bis E (rot = starke Auswirkungen auf die Umwelt). Optisch erinnert der Eco-Score an den Nutri-Score, der die Nährwerte eines Lebensmittels einfach und verbraucherfreundlich zusammenfassen soll.

In Frankreich ist der Eco-Score schon seit Anfang des Jahres auf verschiedenen Produkten zu finden. In Deutschland testet Lidl nun als erster Händler das neue Label in Berlin an den Preisschildern von rund 140 Tee-, Kaffee- und Molkereiprodukten. Im nächsten Schritt will das Unternehmen untersuchen, wie das Label von Verbraucherinnen und Verbrauchern angenommen wird.

Aus Sicht von Lebensmittelklarheit ist der Eco-Score ein Schritt in die richtige Richtung, denn bisher lassen sich die Auswirkungen einzelner Lebensmittel auf die Umwelt allenfalls grob abschätzen. Ob das Bewertungssystem aus Ökobilanz in Kombination mit Bonus- und Maluspunkten in der Lage ist, eine die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln angemessen zu bewerten, müssen unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. Eine solche wissenschaftliche Grundlage ist für ein verlässliches Umwelt-Siegel unverzichtbar. Zudem sollte ein Nachhaltigkeitslabel EU-weit einheitlich rechtlich geregelt sein.

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