Fragen & Antworten

Ist Rübenzucker dasselbe wie Haushaltszucker?

Frage 

Auf einem Bio-Joghurt wird geworben: „Nur - 1. Joghurt 2. Früchte 3. Rübenzucker“. Ich bin über den "Rübenzucker" gestolpert. Er erweckt aus meiner Sicht den Eindruck, als sei er besonders "natürlich" oder "gesund". Es klingt irgendwie positiver, als wenn lediglich "Zucker" genannt wäre. Dabei ist doch Rübenzucker nichts anderes als normaler Haushaltszucker, oder?

Antwort 

Die Bezeichnung „Rübenzucker“ sagt zunächst nichts über den Verarbeitungs- oder Reinheitsgrad des Zuckers aus, sondern nur über die Herkunft aus Zuckerrüben. Es dürfte sich aber um raffinierten Zucker handeln, denn Rüben-Rohzucker hat einen unangenehmen Beigeschmack und wird daher nicht verwendet. Die Herkunft des Zuckers aus Rüben anzugeben ist zulässig und kann speziell bei Bioprodukten eine sinnvolle Information darstellen. 
In der Zuckerartenverordnung sind verschiedene Zuckerarten nach ihrem Reinheitsgrad definiert. Für Saccharose sind dort drei verschiedene Reinheitsgrade beschrieben: 

  • Halbweißzucker
  • Zucker/ Weißzucker
  • Raffinierter Zucker/ Raffinade 

Laut der Verordnung kann der Anbieter aber auch zusätzlich andere übliche Bezeichnungen angeben oder die Bezeichnung „Zucker“ um weitere Angaben wie die pflanzliche Herkunft ergänzen, sofern Verbraucher:innen dadurch nicht getäuscht werden. 

Da raffinierter Zucker aus Zuckerrüben ein negatives Image hat, verwenden Anbieter von Bio-Lebensmitteln in ihren Produkten häufig weniger verarbeitete Alternativen zu Rübenzucker, beispielsweise Rohrohrzucker, Agavendicksaft oder Dattelzucker. Diese Alternativen sollen dem Produkt gleichzeitig ein gesünderes Image verleihen. In der Regel sind diese Zutaten aber vergleichbar zuckerreich wie Rübenzucker und manchmal sogar weniger ökologisch. 

Die Verwendung von Bio-Rübenzucker regionaler Herkunft kann eine ökologische Alternative zu exotischen Zuckerarten sein, die in Monokulturen angebaut werden und lange Transportwege zurücklegen müssen. Eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2018 hat beispielsweise gezeigt, dass Bio-Rübenzucker in Bezug auf Umweltverträglichkeit besser abschneidet als Bio-Rohrzucker. 

Nach Ansicht von Lebensmittelklarheit birgt die Bezeichnung „Rübenzucker“ allein kein Täuschungspotenzial, sondern kann eine sinnvolle Information darstellen. Anbieter sollten allerdings nicht den Eindruck erwecken, es handele sich bei dem verwendeten Rübenzucker um besonders natürlichen oder unverarbeiteten Zucker, beispielsweise durch eine Werbung mit „Natur“ oder „natürlich“. 

Hinweis: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden in der Regel nicht aktualisiert.

Der leichtsprachliche Text wurde übersetzt von:
Isabella von Luxburg,
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Menschen mit Lernschwierigkeiten Zentrum Leichte Sprache Allgäu,
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