Verbraucherbeschwerde:

Werbung mit bio auf kitakoch.de

Kitakoch.de wirbt mit dem Bio-Siegel, obwohl die Speisen vorwiegend konventionelle Zutaten enthalten.
getaeuscht

Der Anbieter wirbt auf der Startseite seiner Homepage und auf den Wochen-Speiseplänen mit dem Bio-Siegel. Dies kann den Eindruck erwecken, dass er für die angebotenen Speisen vorwiegend oder ausschließlich Bio-Lebensmitteln einsetzt. Tatsächlich verwendet der Caterer nur vereinzelt Bio-Zutaten oder Menükomponenten in den Tagesgerichten. Dies widerspricht dem Kleingedruckten, das einen „Großteil unserer Produkte in Bio-Qualität“ verspricht. Die Wochenspeisepläne enthalten zudem Tagesgerichte, die ausschließlich aus konventionellen Zutaten bestehen.

Um einen falschen Eindruck über den Bio-Anteil in den angebotenen Speisen zu vermeiden, sollte der Anbieter auf der Startseite und bei den Speiseplänen deutlich über den tatsächlichen Bio-Anteil informieren.

Die Unternehmen Cooking Brothers GmbH und Thann Catering GmbH bewerben sich als Bio Caterer und benützen auf Ihrer Web-Seite (kitakoch.de und Schulkoch.de) das deutsche sowie das europäische Bio-Logo [Anm. der Redaktion: Auf der Startseite von kitakoch.de steht unterhalb des Bio-Siegels, dass der Anbieter seit 2017 Bio-zertifiziert ist.].
Die Anzahl der aus biologischem Anbau gekennzeichneten Produkte, laut Speisekarte, ist sehr überschaubar. […]. Die Thann GmbH besitzt ein Bio-Zertifikat für Baguettes und Zutaten (Joghurt), die Cooking Brothers GmbH gar keins [Anm. der Redaktion: Für Cooking Bros GmbH liegt ein Zertifikat vom 05.04.2021 vor].
[…] Ich freue mich auf Ihre Antwort!
Verbraucher aus München vom 08.04.2021

Einschätzung der Verbraucherzentrale

Der Anbieter wirbt auf der Startseite seiner Homepage und auf den Wochen-Speiseplänen mit dem Bio-Siegel. Dies kann den Eindruck erwecken, dass er für die angebotenen Speisen vorwiegend oder ausschließlich Bio-Lebensmitteln einsetzt. Tatsächlich verwendet der Caterer nur vereinzelt Bio-Zutaten oder Menükomponenten in den Tagesgerichten. Dies widerspricht dem Kleingedruckten, das einen „Großteil unserer Produkte in Bio-Qualität“ verspricht. Die Wochenspeisepläne enthalten zudem Tagesgerichte, die ausschließlich aus konventionellen Zutaten bestehen.

Um einen falschen Eindruck über den Bio-Anteil in den angebotenen Speisen zu vermeiden, sollte der Anbieter auf der Startseite und bei den Speiseplänen deutlich über den tatsächlichen Bio-Anteil informieren.

Darum geht’s:

Auf der Startseite wirbt der Caterer unter der Überschrift „Starke Argumente für Kitakoch.de“ mit „Bio und Regional“. Dort wirbt er mit „[…].Wir bieten Kindern daher stets viel Bio- und Vollwertprodukte […]“ Zusätzlich ist das Bio-Siegel abgebildet. Unterhalb des Bio-Siegels findet sich in kleiner Schrift der Hinweis „Wir sind seit 2017 Bio zertifiziert. Einen Großteil unserer Produkte haben wir bereits auf Bio Qualität umgestellt und erweitern stetig unser Sortiment“.
Auch die Wochenspeisepläne in der Rubrik „Speiseplan“ bilden das Bio-Siegel ab. Hier findet sich der Hinweis „Kitakoch ist seit 2017 Bio zertifiziert. Einen Großteil unserer Produkte haben wir bereits auf Bio-Qualität umgestellt. Wir achten sehr darauf, dass die Bio Ware auch aus der Region kommt, um lange Lieferwege zu vermeiden. Da wir ständig auf der Suche nach neuen Lieferanten sind, wird das Biosortiment ständig erweitert.“
Auf den Speiseplänen sind die Bio-Zutaten beziehungsweise die Menükomponenten, die bei den Tagesgerichten in Bio Qualität verwendet werden, mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet. Das Sternchen wird am Ende der Speiseplanseite aufgelöst durch „die mit *gekennzeichneten Artikel sind aus Biologischem Anbau.“
Der Kita-Speiseplan der Kalenderwoche 15 kennzeichnet beispielsweise am Montag Vollkornbaguette, Dienstag Kartoffelknödel, Mittwoch Vollkornnudeln und am Freitag das Kartoffelpüree als „Bio“. Alle weiteren Zutaten und Menükomponenten des Wochenspeiseplans stammen aus konventionellem Anbau.

Das ist geregelt:

Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über die Art der landwirtschaftlichen Erzeugung. Das ist ein wesentlicher Grundsatz in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV).
Nach den Vorgaben der EU-Öko-Verordnung und dem Öko-Landbaugesetzes unterliegen Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung, die mit Bio-Speisen oder Bio-Zutaten werben, einem Kontroll- und Zertifizierungssystem nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau. Unerheblich dabei ist, ob die Einrichtung das gesamte Angebot oder nur einzelne Speisen oder Zutaten in Bio-Qualität anbietet. Die Kontrolle und Zertifizierung erfolgt durch eine zugelassene Öko-Kontrollstelle. Die nach erfolgreicher Prüfung ausgestellten Bio-Zertifikate werden im Internet veröffentlicht.
Die EU-Öko-Kennzeichenverordnung und das Öko-Kennzeichengesetz regeln die Verwendung des Bio-Siegels. Danach kann das Bio-Siegel in der Außer-Haus-Gastronomie verwendet werden, wenn der Gastronomiebetrieb nach den EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau zertifiziert ist. Das Bio-Siegel muss so eingesetzt werden, dass es nicht irreführt. Bei der gesamten Auslobung und somit auch auf Speisekarten muss daher ein eindeutiger Bezug zwischen Bio-Siegel und den als „Bio“ ausgewiesenen Speisen oder Speisekomponenten hergestellt werden.

Darüber hinaus ist die Codenummer der Öko-Kontrollstelle anzugeben.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Der Caterer wirbt mit dem Bio-Siegel und weist darauf hin, dass ein Großteil der Produkte Bio Qualität aufweist. Von einem „Großteil“ kann aus unserer Sicht nicht die Rede sein. Nur wer sehr genau hinschaut, erkennt hinter wenigen Speisenzutaten ein Sternchen, das am Ende des Speiseplans kleingedruckt auf den Biologischen Anbau hinweist.

Die Kalenderwoche 15 enthält beispielsweise lediglich vier von insgesamt 22 Menükomponenten in Bioqualität. Damit stammt ein Großteil der Menükomponenten nicht aus biologischem, sondern aus konventionellem Anbau.

Fazit:

Um einen falschen Eindruck über den Bio-Anteil in den angebotenen Speisen zu vermeiden, sollte der Anbieter auf der Startseite und bei den Speiseplänen deutlich über den tatsächlichen Bio-Anteil informieren.

Stellungnahme der Cooking bros. GmbH/Thann Catering GmbH, München

Der Anbieter verzichtet auf eine Stellungnahme.

Ergebnis

Der Anbieter hat auf seiner Website unterhalb des sechseckigen Bio-Siegels den Wortlaut geändert. Statt „Einen Großteil unserer Produkte […]“ steht nun „Einen „Teil unserer Produkte […]“. Diese Änderung ist lediglich auf der Startseite zu sehen. An anderer Stelle steht nach wie vor ein „Großteil“. Auch wirbt der Anbieter weiterhin mit dem Hinweis „[…] Wir bieten Kindern daher stets viel Bio- und Vollwertprodukte […]“. Insgesamt wird nach wie vor nicht deutlich, dass „Bio“-Produkte nur einen geringen Umfang in den Speiseplänen ausmachen.