So haben Hersteller reagiert:

Fragwürdige Gesundheitsaussagen zur „OeLemonade“ entfernt

Änderung: Mit Aussagen wie „Ballaststoffe senken den Cholesterinspiegel“ warb die Brauerei Oettinger für ihre „Limo mit Ballaststoffen“. Die beworbenen Wirkungen waren aus der Luft gegriffen.
Geändert

Die Firma hat die kritisierten Aussagen/Bilder verändert.

Die Brauerei Oettinger bewarb ihre ballaststoffhaltigen Getränke „OeLemonade“ vollmundig mit Aussagen wie „Ballaststoffe senken den Cholesterinspiegel“ und „unterstützen die Gewichtsabnahme“. Solche Behauptungen sind jedoch nicht erlaubt, denn Werbung mit Gesundheitsversprechen ist streng geregelt. Ohne starke wissenschaftliche Daten geht gar nichts. 
Auf das Schreiben von Lebensmittelklarheit hat Oettinger im März 2026 einige der kritisierten Aussagen, darunter Begriffe wie „Darm-Schlau“ auf der Website entfernt. Gesundheitsaussagen wie „Ballaststoffe können die kognitive Funktion verbessern“ standen jedoch unverändert auf der Website.
Daraufhin hat der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) das Unternehmen erfolgreich abgemahnt. Im Anschluss daran hat Oettinger die kritisierte Gesundheits-Werbung entfernt. Für die Dosen mit der Aussage „Die Limo fürs gute Bauchgefühl“ endet der Abverkauf zum Jahresende.
Aus Sicht von Lebensmittelklarheit sollte der Anbieter die noch vorhandenen Aussagen zu Ballaststoffen und Stevia unter den FAQs überarbeiten.

Wir haben nur einen Schluck probiert und den Rest weggekippt! Bitte prüfen Sie doch die Werbung/Werbebotschaften der OE-Lemonade + OE-Water. Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen finde ich diese sehr fragwürdig. Und wer braucht eigentlich Proteine und Ballaststoffe in Getränken? Verbraucherinnen und Verbraucher haben doch ein Recht auf Infos, die stimmen – oder?
Beispiel: „Natürlich“? Steviolglycoside sind chemisch hergestellt kein wenig bitter - alle Süßungsmittel haben einen bitteren (Nach-)Geschmack – ebenso Stevia/Steviolglycoside. „Für ein gutes Bauchgefühl“ - nö, bestimmt eher ein schlechtes Bauchgefühl. Uns war schlecht. 
Verbraucherin aus Fremdingen vom 03.10.2025

Falsche Produktbeschreibung auf Webseite: OeLemonade enthält 6 g präbiotische Ballaststoffe (präbiotisch ist nicht als solche Auslobung in der EU zugelassen, zudem ist resistentes Dextrin kein wissenschaftlich bewiesenes Präbiotikum).
Nicht erlaubte Auslobungen auf der Webseite, z. B. Darm-Schlau, Darm-Genie etc. und die dazugehörigen Beschreibungen.
Verpackung ist auch nicht korrekt: „für das gute Bauchgefühl“ geht nur mit zugelassenem Health Claim, der hier fehlt.
Verbraucherin aus Mannheim vom 21.07.2025

Kann man Angaben wie „fürs gute Bauchgefühl“, „Darm-Schlau“, „Darm-Genie“, „Darm-Glücklich, „Darm-Fit“ einfach so machen? Aussagen zur kognitiven Funktion, Cholesterinsenkung, Darmgesundheit und Gewichtsabnahme müssen doch zugelassen werden. Auf der Homepage von Oettinger wird das aber einfach behauptet.
Verbraucherin aus Worms vom 17.07.2025

Einschätzung der Verbraucherzentrale zur ursprünglichen Website

Die Werbung für die ballaststoffreiche Limonade strotzt nur so vor falschen Gesundheits-Versprechungen: Mit seinen übertrieben positiven Effekten auf die „Darm“-Gesundheit geht Oettinger zu weit. Außerdem passt die Natürlich-Werbung für Stevia nicht, wenn im Getränk das Süßungsmittel Steviolglycoside steckt.

Darum geht’s:

Die Brauerei Oettinger bewirbt ihre Getränke als „OeLemonade – die Limo mit Ballaststoffen“ mit Aussagen wie:

  • „reich an Ballaststoffen“
  • „für ein gutes Bauchgefühl“

Auf die Frage „Warum eine Limo für ein gutes Bauchgefühl?“ folgen Aussagen wie:

  • „Darm-Schlau – Ballaststoffe können die kognitive Funktion verbessern.“
  • „Darm-Genie – Ballaststoffe senken den Cholesterinspiegel.“
  • „Darm-Fit – Ballaststoffe unterstützen die Gewichtsabnahme!“

Zur Frage „Was genau sind Ballaststoffe und warum sind sie gut für mich?“ schreibt das Unternehmen:
„OeLemonade enthält 6 g präbiotische Ballaststoffe pro Dose oder Flasche aus der Tapiokapflanze (resistentes Dextrin). Sie fördern eine gesunde Verdauung, füttern deine gute Darmbakterien und können dabei helfen, dein Immunsystem zu stärken. Macht das nicht Bauchweh oder Blähungen? Keine Sorge. Die Ballaststoffe aus Tapiokafasern sind besonders verträglich. Natürlich gilt wie immer: Alles in Maßen.“
Unter den FAQs findet sich der Hinweis auf die Natürlichkeit von Stevia. Für das Getränk verwendet der Anbieter aber nicht die Blätter der Stevia, sondern das Süßungsmittel Steviolglycoside. Dieses wird in einem aufwändigen Prozess aus den Blättern gewonnen und hat mit „natürlich“ nichts mehr zu tun.
Rechnerisch erfüllt das Getränk die Voraussetzung für die nährwertbezogenen Angabe als „ballaststoffreich“.

Das ist geregelt: 

Die Health-Claims-Verordnung (HCVO) regelt die Verwendung nährwert- und gesundheitsbezogener Angaben auf Lebensmitteln. 
Lebensmittel mit der Angabe „hoher Ballaststoffgehalt“ oder „reich an Ballaststoffen“ müssen entweder 6 Gramm Ballaststoffe pro 100 Gramm oder 3 Gramm Ballaststoffe pro 100 Kilokalorien enthalten.
Außerdem dürfen Unternehmen mit gesundheitsbezogenen Angaben nur werben, wenn diese wissenschaftlich nachgewiesen, von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit geprüft und von der EU-Kommission zugelassen sind. 
Für die Präbiotika Inulin und Oligofructose eingereichte Angaben in Bezug auf die Darmtätigkeit wurden bereits im Jahr 2012 abgelehnt.
Zugelassene Claims für „Ballaststoffe“ lauten:

  • „Gerstenkorn-Ballaststoffe tragen zur Erhöhung des Stuhlvolumens bei.“
  • „Haferkorn-Ballaststoffe tragen zur Erhöhung des Stuhlvolumens bei.“
  • „Roggen-Ballaststoffe tragen zu einer normalen Darmfunktion bei.“

Diese sind nur erlaubt, wenn das Lebensmittel einen hohen Ballaststoffgehalt aus dem genannten Getreide enthält. 

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Mit der Werbung für die Limo nimmt es Oettinger offensichtlich nicht so genau. Zur Ballaststoff-Werbung: Nur weil das Getränk als „ballaststoffreich“ gilt, hat es nicht automatisch positive Wirkungen auf den Darm, das Gehirn oder den Cholesterinspiegel. Oettinger fabuliert irgendwelche Wirkungen, statt sich an verbraucherschützende Vorschriften zu halten. Es gibt keinerlei zugelassene Claims für Ballaststoffe insgesamt und erst recht nicht für „präbiotische Ballaststoffe“. 
Obwohl die Limo keine Stevia zum Süßen enthält, verweist die Firma auf Stevia als rein pflanzlichen Süßstoff. Auch das passt nicht, wenn stattdessen das stark verarbeitete Süßungsmittel Steviolglycoside zum Einsatz kommt. 

Zusätzlich sind der Fachredaktion von Lebensmittelklarheit weitere unzulässige Aussagen aufgefallen. Beispielsweise sollen Ballaststoffe „deinen Darm auf Trab bringen“, „können dabei helfen, dein Immunsystem zu stärken“ und „Ballaststoffe aus Tapiokafasern sind besonders verträglich“.

Fazit:

Die Firma sollte den Internetauftritt komplett überarbeiten und sämtliche gesundheitsbezogenen Aussagen sowie die Natürlich-Werbung für Steviolglyoside entfernen. 

Stellungnahme der Oettinger Brauerei GmbH, Oettingen

Text-Ausschnitt aus der Original-Stellungnahme:

Ihren Brief sowie die Hinweise des Bundesverbands haben wir sehr gerne zum Anlass genommen, um mit frischem Blick auf die Auslobungen zu sehen und einzelne Elemente zu verändern.
Aussagen wie „Darm-Genie“ oder ähnliches haben wir bereits Mitte März 2026 von unserer Website gelöscht. 
Bereits Anfang Mai 2026 haben wir zudem die folgenden Aussagen entfernt: 
▪ Für ein gutes Bauchgefühl. 
▪ Ballaststoffe können die kognitive Funktion verbessern. 
▪ Ballaststoffe senken den Cholesterinspiegel. 
▪ Ballaststoffe unterstützen die Gewichtsabnahme. 

Geändert

Ergebnis

Die Brauerei hat die kritisierte Gesundheits-Werbung auf der Website entfernt.
Die Dosen mit der Angabe „Die Limo fürs gute Bauchgefühl“ sind noch bis Jahresende erhältlich.

Aus Sicht von Lebensmittelklarheit enthalten die FAQs jedoch noch kritische Aussagen wie „Ballaststoffe sind unverdauliche Pflanzenfasern, die deinen Darm auf Trab bringen“. Außerdem weist Oettinger unverändert auf die Natürlichkeit von Stevia hin, obwohl das Getränk das stark verarbeitete Süßungsmittel Steviolglycosid enthält.