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Rindswurst im Schweinedarm

 

Eine Rindswurst kann in einem Schweinedarm stecken: Dies ist nach den Leitsätzen verkehrsüblich und es genügt die Angabe in der Zutatenliste.

Verbraucherbeschwerde 

Vorne auf der Verpackung steht ganz klar, dass es eine Wurst aus RINDFLEISCH ist. Ich bin gläubiger Moslem und habe diese Wurst gegessen mit dem Glauben es sei eine Rindswurst. Auf der Rückseite steht dann aber an letzter Stelle, dass diese Wurst Schweinedarm enthält. Durch diese falsche Kennzeichnung auf der Vorderseite habe ich aus Versehen Rindswurst mit Schwein gegessen.
Verbraucher aus Calw am 27.09.2020

Einschätzung der Verbraucherzentrale
Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Während das Fleisch für eine „Rindswurst“ vom Rind stammt, kann die Hülle für diese Wurst – der Darm – vom Schwein sein. Dabei handelt es sich nach den Leitsätzen um eine „verkehrsübliche“ Verwendung, sofern es keine anderen Regelungen gibt. Verbraucherinnen und Verbraucher können jedoch die Bezeichnung als „Rindswurst“ auf das ganze Produkt beziehen und daher ausschließlich die Tierart Rind erwarten. Ein Hinweis in der Bezeichnung der Wurst – bereits auf der Schauseite – würde eine solche Verbrauchererwartung einfach ausräumen.

Darum geht’s:

Auf der Schauseite der „Rindswurst“ steht kein Hinweis auf eine weitere Tierart. Laut Zutatenliste stammt dementsprechend das verwendete Fleisch vom Rind. Abgefüllt ist die Wurst jedoch in einem Darm vom Schwein.
Mit Bestandteilen vom Schwein hat der Verbraucher bei der Rindswurst nicht gerechnet.

Das ist geregelt:

Nach den Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse dürfen Därme anderer Tierarten als in der Bezeichnung genannt als Wursthülle verwendet werden. Dieses Vorgehen ist nach den Leitsätzen verkehrsüblich, sofern es keine Regelung für einzelne Erzeugnisse gibt.

So sieht´s die Verbraucherzentrale:

Es ist nach Auffassung der Verbraucherzentrale nachvollziehbar, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher bei einer „Rindswurst“ nicht mit Bestandteilen einer anderen Tierart wie Schwein rechnen. Sie können „Rindswurst“ durchaus auf das komplette Endprodukt beziehen und somit erwarten, dass sämtliche Bestandteile der Wurst also auch die Hülle vom Rind stammt. Dass eine Rindswurst nach den Leitsätzen Schweinedarm ohne besonderen Hinweis enthalten kann, ist aus unserer Sicht nicht mehr zeitgemäß.

Fazit:

Ein Hinweis in der Bezeichnung der Wurst – bereits auf der Schauseite – würde eine solche Verbrauchererwartung einfach ausräumen.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
11. Februar 2021