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Weiderind und Weidehaltung: Nachvollziehbare Informationen fehlen oft

Rinder im Feedlot (Futterstelle)
Rinder im Feedlot (Futterstelle) © spiritofamerica - Fotolia.com

„In der heimischen Grassteppe aufgewachsen“, „weites Weideland“ und „Mast unter freiem Himmel“: Mit solchen Aussagen bewerben viele Anbieter ihr Rindfleisch aus den USA, Südamerika oder Irland. Die Verbraucherzentralen haben in einer bundesweiten Stichprobe Rindfleisch mit ausgelobter Weidehaltung unter die Lupe genommen. Darunter waren Produkte der Handelsketten Aldi, Edeka, Rewe und Kaufland. Die Untersuchung ergab: Nähere Informationen zu den Kriterien und Haltungsbedingungen sind nur selten zu finden. Stattdessen zeigt die Realität, dass Rinder in Südamerika und den USA in den letzten drei bis vier Monaten der Mast häufig auf großen Futterplätzen mit Getreide gemästet werden. 

Kriterien der „Weidehaltung“ bleiben meist im Dunkeln 

Begriffe wie „Weiderind“ oder „Weidehaltung“ sind lebensmittelrechtlich nicht geschützt. Es gibt daher keine Vorgaben, ob und wie lange die Tiere auf einer Weide gehalten wurden und wie viel Platz ihnen zur Verfügung stehen muss. Die Anbieter machten auf den untersuchten Produkten auch keine Angaben dazu. Stattdessen loben sie landschaftliche Gegebenheiten wie "heimische Grassteppe" oder "saftig grüne Weiden" aus. Einzig zu dem „Irish Beef Hüftsteak“ von Kaufland war auf der Homepage von Kaufland zu lesen, dass die Rinder an „mindestens 230 Tage im Jahr auf den gras- und kräuterreichen grünen Weiden grasen.“ Ein Großteil der Angaben zur Weidehaltung lässt sich daher als reine Werbeaussagen auffassen.

Vergleichbar ist die Situation bei „Weidemilch“. Auch dieser Begriff ist nicht geschützt. Immerhin gibt es in Deutschland seit 2017 das Label „Pro Weideland“, das klare Kriterien für die Erzeugung von Weidemilchprodukten definiert. Für Fleisch aus „Weidehaltung“ gibt es ein solches Label bislang nicht.

Große Futterplätze statt grüner Wiese

Wer bei „Weidehaltung“ oder „Weiderind“ an grüne Wiesen und artgerechte Tierhaltung denkt, sollte sich nicht täuschen lassen. Nach Angaben der Verbraucherzentralen sieht die Rindermast insbesondere in Südamerika und in den USA häufig anders aus: Viele Rinder würden dort in den letzten drei bis vier Monaten der Mast zu Tausenden in großen „Feedlots“, also auf großen Futterplätzen gehalten. Dort wächst kein Gras, sondern die Rinder laufen vorwiegend auf Erde und Sand. In den Futterstationen erhalten die Rinder meist Kraftfuttermischungen aus Getreide und Soja anstelle von Gras oder Heu.  

Die Verbraucherzentralen fordern Anbieter von Fleisch aus "Weidehaltung" auf, nachvollziehbar über ihre Haltungsbedingungen zu informieren.

Verbraucher, die Wert auf Weidefleisch legen, finden solche Angebote bei regionalen Anbietern, beispielsweise auf Wochenmärkten oder direkt von Erzeugern, die über die Haltungsbedingungen Auskunft geben können. Auch Rinder aus Biohaltung müssen ständig Zugang zu Weideland haben, sofern es die Witterung erlaubt. Hohe Kraftfuttergaben sind bei Bio-Rindfleisch ausgeschlossen. 

Quellen:
„Rindfleisch aus Weidehaltung: weniger gut als gedacht“ – Online-Bericht der Verbraucherzentralen vom 03.06.2019

„Werbung für Fleisch – Verwirrspiel im Supermarkt“ – Marktcheck der Verbraucherzentralen über Werbeaussagen zur Tierhaltung im konventionellen Fleischangebot

Letzte Änderung 
6. Juni 2019
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Bitte beachten Sie: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden nicht aktualisiert.