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Ärger mit Mogelpackungen: Viel Luft und wenig Inhalt

© Wanja Jacob - Fotolia.com

Ob Getränkepulver, Frühstückscerealien oder Desserts – in groß wirkenden Lebensmittelverpackungen verbirgt sich manchmal enttäuschend wenig Inhalt. Solche „Luftpackungen“ gehören zu den häufigsten Ärgernissen, die über Lebensmittelklarheit.de gemeldet werden. Die Abbildungen zeigen einige Beispiele dafür.Ob auch nach rechtlichen Maßstäben eine „täuschende Verpackung“ vorliegt, kann bei Lebensmittelklarheit.de aber nicht geprüft werden. Diese Fälle untersucht das Eichamt.

Schachtel halbgefüllt mit Teebeuteln

Doppelte Böden und riesige Umkartons

Um mehr Inhalt vorzugaukeln, umgeben einige Hersteller ihre Produkte mit unverhältnismäßig viel Luft, operieren mit doppelten Böden, großen Deckeln, dicken Wandungen oder schlicht überdimensionierten Umkartons. Aber nicht jede übergroße Verpackung ist verboten. Eine echte Mogelpackung liegt erst vor, wenn das Missverhältnis zwischen Inhalt und Umfang Verbrauchern ein besseres Preis-Leistungsverhältnis vortäuscht.

Keine konkreten Regelungen

Zwar untersagen sowohl das Mess- und Eichgesetz als auch das Lebensmittelrecht den Herstellern, Fertigpackungen mit irreführender Aufmachung über die enthaltene Menge anzubieten. Das Gesetz enthält aber keine konkreten Regelungen, in welchem Verhältnis Inhalt und Verpackungsgröße zueinander stehen dürfen. In der Praxis gehen die Behörden meist von einer Täuschung des Verbrauchers aus, wenn der Freiraum in einer Verpackung mehr als 30 Prozent beträgt. Ist allerdings die Umverpackung durchsichtig oder ist die befüllte Menge zu ertasten, so handelt es in der Regel nicht um eine Mogelpackung. Dies gilt aber nur dann, wenn Käufer nicht mit einer übergroßen Verpackung rechnen müssen. Pralinenpackungen werden beispielsweise als Luxusartikel angesehen, bei denen größere Hohlräume toleriert werden, da Pralinen häufig durch Einsätze in der Verpackung vor Druck geschützt und optisch attraktiv präsentiert werden. Sie dürfen entsprechend einer Richtlinie so verpackt sein, dass das Volumen der Verpackung sechsmal so groß ist wie das Gewicht der Praline. Wiegt die einzelne Praline zehn Gramm, darf sie also von einer bis zu 60 Milliliter großen Verpackung umgeben sein.

© euthymia - fotolia.com

Einzelprüfung notwendig

Besteht der Verdacht, dass es sich um eine Mogelpackung handelt, muss im Einzelfall geprüft werden, ob die Verpackung täuschend im rechtlichen Sinn ist.
Für diese Prüfungen sind die Eichämter zuständig. Das für den jeweiligen Wohnort zuständige Eichamt lässt sich unter www.eichamt.de recherchieren.

Achtung: Weniger Inhalt, gleicher Preis

Einige Produzenten verringern die Füllmengen, reduzieren aber im gleichen Zuge keineswegs den Preis. Um die faktische Preiserhöhung zu verschleiern, benutzen sie dann gerne Hinweise wie "neue Rezeptur" oder "bessere Qualität".

Da finden sich in der Chipsverpackung bei genauem Hinsehen plötzlich nicht mehr 200 Gramm, sondern nur noch 175 Gramm Chips. Der Packungspreis ist jedoch gleich geblieben; lediglich das Design der Verpackung wurde leicht verändert. Oder in der Packung Knäckebrot fehlen bei gleichem Preis plötzlich 15 Gramm. Verbraucher bemerken das oftmals gar nicht.

Ein Gesetzesverstoß liegt aber oft erst vor, wenn bei identischer Verpackungsgröße und unverändertem Verpackungsdesign die Füllmenge ohne einen Hinweis unmerklich reduziert wurde. Schlussendlich gilt aber auch hier: Wann eine indirekte Preiserhöhung rechtswidrig ist, muss im Einzelfall geprüft werden.

Lebensmittelklarheit.de fordert den Gesetzgeber auf, konkrete Regelungen zu erlassen, wonach jede Verpackung vollständig gefüllt sein muss. Ausnahmen davon sollte es nur in nachweislich technisch bedingten Fällen geben. Dabei sollten 30 Prozent Freiraum in der Packung als Obergrenze gelten.

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Letzte Änderung 
20. Dezember 2018