Fragen & Antworten

„Coating“-Überzug bei Avocado

Frage

Das Thema Coating ist aktuell sehr präsent und viele Supermärkte machen bereits Werbung dafür und bieten behandeltes Obst an. Grundsätzlich finde ich den Ansatz, die Lebensmittelverschwendung zu verbessern natürlich sehr löblich und auch ich kaufe bereits mit Coatings behandelte Früchte. Jedoch kannte ich bisher das "Liquid Seal" noch nicht und habe versucht mich darüber etwas mehr zu informieren. Bei meiner Recherche bin ich auf den Inhaltsstoff Ammoniumbicarbonat gestoßen. Weitere Recherche brachte hervor, dass es sich hierbei um einen Zusatzstoff handelt. Demnach müsste dieser in der Kennzeichnung der Avocados aufgeführt werden, was hier nicht der Fall war. Ich denke, dass viele Verbraucher über diese Verwendung nicht im Bilde sind. Zwar wird im Falle der Avocado die Schale nicht mitgegessen, aber das Ziel von Liquid Seal wird wahrscheinlich sein, seine Verwendung weiter auszuweiten. Dies macht mir Sorgen, wenn schon jetzt keine entsprechende Kennzeichnung vorgenommen wird. Man ist dazu verpflichtet Zusatzstoffe als solche zu kennzeichnen und nicht den Verbraucher durch andere Themen wie Nachhaltigkeit abzulenken. Es sollte hier definitiv weiter Aufklärung für die Endverbraucher gemacht werden, damit alle wissen was sie kaufen.

Antwort

„Coatings“ sind essbare Beschichtungen auf Obst und Gemüse, die deren Haltbarkeit verlängern sollen. Die dafür verwendeten Substanzen müssen auf ihre Unbedenklichkeit geprüft und zugelassen sein.

Bereits seit Längerem sind verschiedene Substanzen zur Oberflächenbehandlungen von Obst und Gemüse zugelassen, beispielsweise verschiedene Wachse.

Explizit als Coating werden neuere Substanzen bezeichnet, die das Obst und Gemüse wie eine sehr dünne Schutzschicht umhüllen.

In Deutschland ist entsprechend beschichtetes Obst und Gemüse etwa seit Herbst 2019 im Handel erhältlich. Die dafür verwendeten Coatings bestehen überwiegend aus den Zusatzstoffen E 471 und E 473:

  1. Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren (E471): Sie waren bislang als Emulgator zugelassen und sind seit 2019 auch zur Oberflächenbehandlung von Obstsorten aus tropischem und subtropischem Klima, deren Schale üblicherweise nicht mitgegessen wird, zugelassen.
  2. Zuckerester von Speisefettsäuren (E473, E 474): Sie sind generell zur Oberflächenbehandlung von frischen Früchten zugelassen.

  

Überzüge mit Coatings bei Obst müssen gekennzeichnet werden. Bis vor kurzem musste die Behandlung mit einigen wachsartigen Oberflächenbehandlungsmitteln nur bei einigen Obstsorten als "gewachst" gekennzeichnet werden. Seit dem 2. Juni 2021 wurde diese Verpflichtung auf alle wachsartigen Oberflächenbehandlungsmittel und alles Obst und Gemüse erweitert. Alternativ können die Händler auch die Bezeichnung der Zusatzstoffklasse, gefolgt von der Bezeichnung oder der E-Nummer angeben.     

Etwas undurchsichtiger ist die Lage bei dem von Ihnen genannten „Liquid Seal“. Das Coating wird von einer niederländischen Firma hergestellt, die zur Verlängerung der Haltbarkeit zunächst hauchdünne Überzüge für Blumen und inzwischen auch für Früchte entwickelt hat. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich hierbei um dünne Überzüge, die im Wesentlichen aus Polyvinylalkoholen bestehen und als Kontaktmaterialien zugelassen wurden. Die weiteren Inhaltsstoffe hat das Unternehmen nicht preisgegeben. Polyvinylalkohole sind als Zusatzstoffe bislang nur für Nahrungsergänzungsmittel in Kapsel- oder Tablettenform zugelassen.

Aus Sicht von Lebensmittelklarheit ist nicht ersichtlich, warum die Substanz rechtlich anders eingeordnet werden sollte als andere Coating-Substanzen. Die Substanz müsste daher als Zusatzstoff zugelassen und eine entsprechende Kennzeichnungspflicht erlassen werden.

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