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Echter Waldmeister in Getränken

Ist die Verwendung von echtem Waldmeister für Getränke wie Sirup und Bowle nach wie vor kritisch?

Waldmeister und Waldmeistergetränk
© fotoknips - fotolia.com

Frage

Ich habe im Internet herausgefunden, dass echter Waldmeister seit 1974 nicht mehr in Getränken und Süßwaren für Kinder oder wo der Verdacht besteht, dass diese überwiegend von Kindern konsumiert werden, verboten ist. Besteht diese Regelung immer noch?

Antwort

Echter Waldmeister enthält von Natur aus den kritischen Inhaltsstoff Cumarin, den auch andere Pflanzen wie die Tonkabohne oder Zimt enthalten. Gegenüber Cassia-Zimt mit durchschnittlich etwa 3000 mg/kg enthält Waldmeister mit etwa 203 mg/kg deutlich weniger Cumarin.

Der Aromastoff Cumarin aus dem Waldmeisterkraut bildet sich erst während der Trocknung oder bei der weiteren Verarbeitung mit Hilfe von Ethanol. So wurde Waldmeister lange Jahre in Industrie und Haushalt zur Aromatisierung von Getränken wie Waldmeisterbowle eingesetzt.

Wegen ihres Cumaringehaltes wurde die Aromatisierung von Waldmeister-Limonade und Waldmeister-Süßwaren und -Süßspeisen für Kinder 1974 in Deutschland verboten. Man ging davon aus, dass Cumarin Krebs erregend ist. Neuere Studien haben diesen Verdacht nicht bestätigt. Cumarin kann aber in höherer Konzentration bei einem kleinen Teil der Bevölkerung zu Leberfunktionsstörungen führen.

Cumarin zählt zu den Stoffen, die gemäß der Aromen-Verordnung Lebensmitteln nicht als solche zugesetzt werden dürfen.

Außerdem sind für einige Lebensmittel Höchstmengen vorgeschrieben:

  • Traditionelle und/oder saisonale Backwaren, bei denen Zimt in der Kennzeichnung angegeben ist
  • Frühstücksgetreideerzeugnisse einschließlich Müsli
  • Feine Backwaren außer traditionelle und/oder saisonale Backwaren, bei denen Zimt in der Kennzeichnung angegeben ist
  • Dessertspeisen

Eine Regelung für Waldmeistersirup und andere mit Waldmeister aromatisierte Lebensmittel gibt es nicht.

Die Aromatisierung eines Getränkesirups mit Waldmeisterkraut oder Auszügen aus möglichst frisch getrocknetem Waldmeisterkraut ist daher aus lebensmittelrechtlicher Sicht möglich.

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Letzte Änderung 
24. Mai 2016

Kommentare

Ist der Einsatz von Waldmeister als Lebensmittelzutat mit Aromastoffen wirklich erlaubt?
Nach art.6 Abs. 2 i.V.m. Anh.III Teil B der VO (EG) 1334/2008 ist Cumarin aus nur Backwaren, Frühstücksgetreideerzeugnisse, Feine Backwaren und Dessertspeisen erlaubt.
Oder habe ich da etwas falsch verstanden?


Ja, der Einsatz von Waldmeister als Lebensmittelzutat ist inzwischen wieder zulässig. Waldmeister enthält nur rund ein Zehntel der Cumarinmenge, die Zimt enthalten kann, und spielt nur bei wenigen Lebensmitteln wie Maibowle eine Rolle.

Die von Ihnen zitierte Passage der EU-Aromenverordnung nennt Cumarin-Höchstmengen für bestimmte Lebensmittelgruppen. Das bedeutet, die Verwendung cumarinhaltiger Zutaten ist nur für diese Lebensmittel eingeschränkt. Hier sind überwiegend Nahrungsmittel genannt, denen üblicherweise nennenswerte Mengen an Zimt zugesetzt werden:

  • Backwaren mit Zimt
  • Frühstücksgetreideerzeugnisse
  • Dessertspeisen

Bezieht sich die Angabe von etwa 203 mg/kg Cumaringehalt auf frisches Waldmeisterkraut oder auf die Trockenmasse?


Der Wert bezieht sich auf das frische Kraut.