Das ärgert beim Einkauf:

Als „deutlich nachhaltiger“ beworben, aber Erläuterungen dazu fehlen

Das Getränk „Precision Made Better“ soll eine „Milchalternative“ sein, „viel weniger Milch“ benötigen und „deutlich nachhaltiger“ sein. Die Versprechen werfen Fragen auf, Antworten bleiben die Anbieter schuldig.
Getäuscht?

Über diese Aussagen/Bilder ärgern sich Verbraucher:innen.

Mit dem Anspruch „Made Better“ bewirbt die Firma Precision Labs ein Ersatzprodukt für Milch „Precision Made Better“, das sie als „Milchalternative“ bezeichnet. Mit 3 Prozent Milchprotein ist das Produkt keine echte Alternative ohne Milch. 
In der Flüssigkeit soll „viel weniger Kuh“ stecken und sie soll „deutlich nachhaltiger“ sein. Es mögen zwar 97 % weniger Bestandteile aus der Kuhmilch stammen, aber für die drei Prozent Milchprotein muss die Kuh ebenfalls etwa einen Liter Milch produzieren. Einen Vergleich, der den ökologischen Fußabdruck aller Zutaten des Produktes Milch gegenüber stellt, liefert die Firma nicht. Die Umweltbelastungen für die Herstellung der Inhaltsstoffe außer Milchprotein dürfen in dem Vergleich nicht unter den Tisch fallen.
Die Anbieterfirma sollte die Produkte nicht als nachhaltiger als Kuhmilch bewerben, ohne eine fundierte Berechnung des ökologischen Fußabdruckes zugrunde zu legen. Außerdem sollte sie die Produkte nicht als Milchalternative bezeichnen.

Ich möchte ein Produkt melden, welches in einer Fernsehshow beworben wurde. Es handelt sich um "Precision" eine neue Milchalternative, die aus 3 % Milchpro-teinpulver, Zusatzstoffen, Vitaminen und Wasser besteht. Es wird Nachhaltigkeit beworben, indem 97 % des Produkts frei von tierischen Bestandteilen sind.
Die Verbraucher werden jedoch nicht darüber informiert, dass bereits für die Ge-winnung des Milchproteins ca. 1 Liter Milch pro 1 Liter Milchalternative benötigt wird, sodass das Milchproteinpulver wieder in einem Wasser-Vitamin-Gemisch gelöst werden kann.
Da das Produkt für ca. 2,70 € pro Liter Milchalternative verkauft wird, finde ich es mehr als notwendig, dass die Hersteller transparent aufklären, dass dies keine Milchalternative ist, die weniger tierische Milch benötigt, sondern nur in der Zusam-mensetzung funktional verändert ist. Auf der Website der Firma findet man außer-dem keine Bezugsgrößen bei den Vergleichstabellen der Nährwerte der Milchalter-native gegenüber Kuhmilch. 
Darüber hinaus schätze ich die Bezeichnung als "Milchalternative" als fragwürdig ein und würde eine Überprüfung begrüßen.
Verbraucherin aus Hessen vom 22.10.2025

Einschätzung der Verbraucherzentrale

Mit Milchprotein als Zutat ist „Precision Made Better“ weder eine echte „Milchalternative“ noch liefert die Firma weiterführende Informationen zu der beworbenen Nachhaltigkeit. 

Darum geht’s:

Auf ihrer Internetseite Precision-food.com bietet die Firma Precision Labs „Milchalternativen“ an. Die Produkte sind Mischungen aus Wasser, Milchprotein, Pflanzenöl, mehreren Zusatzstoffen, natürlichem Aroma sowie zugesetzten Mineralstoffen und Vitaminen. Die Firma bewirbt die Produkte als „deutlich nachhaltiger“ und mit „97 % weniger Kuh“ im Vergleich zu Kuhmilch. Als Erklärung für die Aussage, dass die Produkte „besser für dich, die Kühe und unseren Planeten*“ seien, heißt es „*Verglichen mit Kuhmilch: 79,5 % weniger Milchinhaltsstoffe (in Gesamtfeststoffgehalt), wodurch CO2-Emissionen, Wasser- und Landnutzung reduziert werden“. 
Die Verbraucherin ärgert sich über die Bezeichnung als „Milchalternative“ und zweifelt an, dass die Produkte nachhaltiger als Kuhmilch sind.

Das ist geregelt: 

Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über den ökologischen Wert des Lebensmittels. Dieser Grundsatz gilt auch für die Bewerbung eines Produktes.
Freiwillige Informationen dürfen nicht missverständlich oder irreführend sein.
Ab dem 27. September 2026 soll außerdem die neue EmpCO-Richtlinie (EU) 2024/825 gelten (EmpCo steht für Empowering Consumers for the Green Transsition). Sie regelt unter anderem Umweltaussagen, Greenwashing und reguliert Nachhaltigkeitssiegel. 

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Wer den Trend nach nachhaltig erzeugten Lebensmitteln bedienen und seinen Absatz dadurch fördern will, muss seine Aussagen zur Nachhaltigkeit belegen können. Das ist hier nicht der Fall. Weder der Ressourcenverbrauch für die Erzeugung noch der Kohlendioxidausstoß der Produkte wird offengelegt und seriös mit Kuhmilch verglichen. Um die Verbraucher:innen vor solchem Greenwashing zu schützen, müssen Lebensmittelunternehmen ab September des Jahres 2026 Nachweise für ihre Versprechen zur Nachhaltigkeit liefern. Das sollten sie aber jetzt schon erfüllen.

Darüber hinaus ist Lebensmittelklarheit die Werbung mit „Besseren Nährstoffen“ statt besserer Nährstoffzusammensetzung negativ aufgefallen. Auch bewirbt die Firma  durch die Abbildung bekannter Hochleistungssportler:innen und die Aussage „Viele Sportler, die ihre Leistung ständig verbessern wollen, wünschen sich Milchprodukte ohne Kompromisse“ eine positive Wirkung der Produkte auf die sportliche Leistungsfähigkeit. Auch diese müsste belegt sein, was offensichtlich nicht der Fall ist.

Fazit:

Die Anbieterfirma sollte die Produkte nicht als nachhaltiger als Kuhmich bewerben, ohne eine fundierte Berechnung des ökologischen Fußabdruckes zugrunde zu legen. Außerdem sollte sie die Produkte nicht als Milchalternative bezeichnen.
 

 

Stellungnahme der Precision Labs GmbH, München

Stellungnahme der Precision Labs GmbH, München
Das eingesetzte Milcheiweiß stammt aus bestehenden Rohstoffströmen und erzeugt keine zusätzliche Nachfrage nach Rohmilch. Nährwertvergleiche werden um „je 100 ml“ ergänzt. „Bessere Nährstoffe“ wird künftig präzisiert. Sportler:innen sind Gesellschafter und äußern persönliche Präferenzen ohne Leistungsversprechen.

Ergebnis

Die Firma hat Veränderungen beim Internetangebot angekündigt. Am 27. Februar 2026 wirbt das Unternehmen unverändert mit „besseren Nährstoffen“ und zeigt einen Nährstoffvergleich des Produktes mit Kuh- und Hafermilch ohne anzugeben, auf welche Mengen der Produkte sich die Werte beziehen.