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Milkana, Beispiel Sorte Alpenpur mit Alpenkräuter

 

Laut Werbung verzichtet der Hersteller auf den Zusatz von Phosphaten für die Zubereitung aus Schmelzkäse. Über die enthaltene Zutat „Milchmineralien“ kommt trotzdem Phosphat in das Produkt.

Verbraucherbeschwerde 

Beschwerde zu Sorte „Alpenpur Vielfalt“

Das Produkt "Alpenpur" von Milkana wird ausgelobt mit "ohne Zusatz von Phosphaten". In der Zutatenliste sind als Zutat jedoch "Milchmineralien" angegeben. Der Hauptbestandteil von Milchmineralien ist in der Regel Calciumphosphat. Sollten die Milchmineralien tatsächlich Calciumphosphat enthalten, liegt hier aus meiner Sicht eine Verbrauchertäuschung vor.
Da es auch Verbrauchergruppen gibt, die sich aus gesundheitlichen Gründen phosphatarm ernähren müssen, z. B. Dialysepatienten, liegt hier möglicherweise sogar eine Gesundheitsgefährdung vor, nämlich dann, wenn Verbraucher, die bewusst auf Phosphate verzichten wollen, in gutem Glauben zu diesem Produkt greifen. […]
Verbraucher aus Pfungstadt vom 02.02.2020

Beschwerde zu Sorte „Alpenpur mit Alpenkräuter“

Auf der Oberseite des Deckels der Schale steht in Großbuchstaben "Ohne Zusatz von Phosphaten". Wenn man aber auf die Zutatenliste auf der Rückseite schaut, findet man dort "Milchmineralien".
Der Hauptbestandteil von Milchmineralien ist Calcium-Phosphat (Quelle: milch-dialog.de). Hier sollen Verbraucher mal wieder hinters Licht geführt werden. Man entferne Phosphate und ersetze sie durch Milchmineralien. Dies mag ja rechtlich in Ordnung sein. Eine Verbrauchertäuschung bleibt es in meinen Augen dennoch, da man denkt, dass in diesem Produkt keine Phosphate sind, was nicht stimmt. Phosphate in Schmelzkäse sollen sehr gefährlich sein. Siehe Beispielsweise in einem Beitrag des NDR.
Verbraucher aus Bremen vom 20.10.2020

Einschätzung der Verbraucherzentrale
Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Der Hersteller bewirbt die Schmelzkäsezubereitung „Milkana Alpenpur“ auf der Schauseite mit dem Hinweis „Ohne Zusatz von Phosphaten“. Verbraucherinnen und Verbraucher können allerdings in der Zutatenliste über den Begriff „Milchmineralien“ stolpern: Denn außer Kalzium und Kalium gehört Phosphat zu den wichtigsten Mineralstoffen der Milch auch erhebliche Mengen Phosphat. Insofern kann die Schmelzkäsezubereitung durchaus Phosphat enthalten.
Der Hersteller sollte nicht mit dem Verzicht auf Phosphate werben, wenn er für das Produkt phosphathaltige Mineralien einsetzt.

Darum geht’s:

Auf der Schauseite wirbt der Anbieter für eine Schmelzkäsezubereitung mit dem Hinweis „Ohne Zusatz von Phosphaten“. Laut Zutatenliste enthält das Produkt die Zutat Milchmineralien:
Zusatzstoffe aus der Funktionsklasse der Schmelzsalze wie Calciumphosphat oder Diphosphat stehen nicht in der Zutatenliste.

Vollmilchpulver enthält laut Fachliteratur pro 100 Gramm beispielsweise:

Kalium           1160 mg

Kalzium         1060 mg

Phosphor      714 mg

In Milchmineralien liegen diese in konzentrierter Form vor.

Das ist geregelt:

Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über die Zusammensetzung. Das ist ein wesentlicher Grundsatz in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Informationen über Lebensmittel müssen zutreffend, klar und für die Verbraucher leicht verständlich sein.
Schmelzkäsezubereitungen sind nach der Käseverordnung Erzeugnisse aus Schmelzkäse oder aus Käse und Schmelzkäse mit anderen Milcherzeugnissen oder Lebensmitteln. Sie können Schmelzsalze enthalten.
Nach der EU-Zusatzstoff-Verordnung zählen Schmelzsalze zu den Zusatzstoffen. Ihre Aufgabe besteht darin die in Käse enthaltenen Proteine so zu verändern, dass insgesamt eine homogene Masse entsteht. Nach der Verordnung gilt für phosphathaltige Zusatzstoffe in Schmelzkäse eine Höchstmenge von zwei Prozent. Für Frischkäse liegt dieser Wert bei 0,2 Prozent.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Bei dem Hinweis „ohne Zusatz von Phosphate“ können Verbraucherinnen und Verbraucher aus unserer Sicht davon ausgehen, dass die in dieser Produktkategorie üblichen phosphathaltigen Schmelzsalze nicht enthalten sind. Dies trifft laut den Angaben in der Zutatenliste auch zu. Dennoch kann die Zutat „Milchmineralien“ bei genauerem Hinsehen irritieren: Milch enthält verschiedene Mineralien wie Kalium und Kalzium, aber auch Phosphat. Diese Mineralien aus dem Milchpulver finden hier somit in isolierter Form ihren Einsatz im Schmelzkäse – ohne namentlich aufzutauchen. Aus unserer Sicht passt die Werbung mit dem Verzicht von Phosphat auf der Schauseite nicht, wenn für den Schmelzkäse eine phosphathaltige Zutat wie Milchmineralien verwendet wird.

Fazit:

Der Hersteller sollte nicht mit dem Verzicht auf Phosphate werben, wenn er für das Produkt phosphathaltige Mineralien einsetzt.

Stellungnahme der Edelweiss GmbH & Co. KG, Kempten

Kurzfassung:

Phosphate sind ein natürlicher Bestandteil der Milch. In den von uns verwendeten Milchminieralien ist Phosphat nicht spezifisch angereichert. Der Phosphatgehalt unserer Produkte liegt durch Verzicht auf die üblichen Schmelzsalze weit unter dem eines herkömmlichen Schmelzkäses. Die Kennzeichnung ist damit aus unserer Sicht verständlich und lebensmittelrechtlich einwandfrei.

Stellungnahme Downloads 
Stand 
17. Februar 2021