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Frankenland Frische Bio Landmilch

 

Hinweis auf länger haltbare ESL-Milch steht erst im Kleingedruckten anstatt auf der Schauseite.

Verbraucherbeschwerde 

In dem BMEL-Artikel steht, dass sich die Konsummilchhersteller im Februar 2009 verpflichtet haben, ( ... ) ESL-Milch mit dem Zusatz "länger haltbar" an gut sichtbarer Stelle auf der Milchverpackung zu deklarieren. Die bei Rewe in Glasflaschen erhältliche „Frische BIO Landmilch“ mit Bioland-Siegel der Bayerischen Milchindustrie eG, Louis-Pasteurisier-Str.1, Würzburg hält sich – für meinen Geschmack – nicht an diese Regelung bzw. nutzt das ähnliche Aussehen anderer traditionell hergestellter Bioland-Milchflaschen. Winzig klein ist dort seitlich die Kennzeichnung „länger haltbar“ angebracht. Kann man dagegen etwas tun?

Verbraucherin aus Essen vom 03.09.2020

Einschätzung der Verbraucherzentrale
Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Unter dem Namen „Frankenland“ bietet die Molkerei ihre länger haltbare hocherhitzte Milch als „Frische Bio Landmilch“ in einer Glasflasche an, ohne in direktem Zusammenhang auf die längere Haltbarkeit hinzuweisen. Da „frische Milch“ mit unterschiedlichen Verfahren pasteurisiert werden kann, kennzeichnen die Anbieter die länger haltbare Variante auf der Schauseite meist mit dem Hinweis „länger haltbar“. Dieser Hinweis steht bei dieser Milch erst im Kleingedruckten. Dazu kommt, dass Verbraucher bei Milch in Glasflaschen vermutlich eher von einer konventionellen frischen Milch ausgehen.
Die Molkerei sollte den Hinweis „länger haltbar“ bereits auf der Schauseite bei der Kennzeichnung „Frische Bio Landmilch“ ergänzen.

Darum geht’s:

Außer dem Produktnamen „Frische Bio Landmilch“ und dem Firmenlogo gibt es keine weiteren Informationen auf der Schauseite der Flasche. Seitlich auf dem Etikett steht die Bezeichnung „Frische Bio Vollmilch, mindestens 3,8 % Fett, pasteurisiert, homogenisiert, länger haltbar“. Darunter befindet sich auch der Hinweis auf die „Hocherhitzung“.

Das ist geregelt:

Die Konsummilch-Kennzeichnungs-Verordnung schreibt für die Kennzeichnung der Wärmebehandlung die Angabe „pasteurisiert“ oder „ultrahocherhitzt“ vor. Die Angabe des Erhitzungsverfahrens muss in engem räumlichem Zusammenhang zur Bezeichnung des Produktes, beispielsweise „Vollmilch pasteurisiert mind. 3,5% Fett“ stehen.

Zur Pasteurisierung sind nach der Hygiene-Verordnung für Lebensmittel tierischen Ursprungs verschiedene Verfahren unterschiedlicher Temperatur- und Zeit-Kombinationen erlaubt. Je nach Verfahren ist die pasteurisierte Frischmilch drei bis fünf Tage oder bis zu vier Wochen haltbar. Die Kennzeichnung des verwendeten Pasteurisierungsverfahrens ist rechtlich nicht vorgeschrieben.

Damit Verbraucher die Arten von pasteurisierter Frischmilch besser voneinander unterscheiden können, haben sich Politik, Anbieter und der Handel 2009 auf eine einheitliche, freiwillige Kennzeichnung geeinigt. Klassische frische Milch, die gekühlt wenige Tage haltbar ist, trägt den ergänzenden Hinweis „traditionell hergestellt“, die länger haltbare Frischmilch den Hinweis „länger haltbar“. Der Hinweis soll deutlich sichtbar in Verbindung mit der Bezeichnung der Milch erfolgen.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Einige Verbraucher sehen durchaus einen Qualitätsunterschied zwischen einer traditionell pasteurisierten und einer hocherhitzten, länger haltbaren frischen Milch. Beispielweise kann die länger haltbare frische Milch einen leichten Kochgeschmack aufweisen. Andererseits kann auch eine längere Haltbarkeit ein wichtiges Kaufkriterium sein. Die Käufer sollten unserer Ansicht nach auf den ersten Blick erkennen können, ob sie eine herkömmlich pasteurisierte oder eine länger haltbare Milch kaufen. Inmitten von weiteren Informationen können die Käufer den Hinweis unseres Erachtens leicht übersehen. Hier kommt hinzu, dass die Milch in einer Glasflasche abgefüllt ist, was für ESL-Milch untypisch ist. Verbraucher werden daher vermutlich eher von einer konventionellen frischen Milch ausgehen.

Fazit:

Die Molkerei sollte den Hinweis „länger haltbar“ bereits auf der Schauseite bei der Kennzeichnung „Frische Bio Landmilch“ ergänzen.

Stellungnahme der Bayerischen Milchindustrie eG, Würzburg

Kurzfassung, erstellt von der Verbraucherzentrale:

Bei der Frankenland Frische Bio Landmilch 3,8 % liegt keine fehlerhafte Deklaration vor. Die beanstandete Angabe des Erhitzungsverfahrens durch „länger haltbar“ wird entsprechend der Selbstverpflichtungserklärung von 2009 gekennzeichnet. Diese Selbstverpflichtungserklärung wurde zwischen dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, dem Hauptverband des deutschen Einzelhandels und der Milchwirtschaft abgestimmt.

Stellungnahme Downloads 
Stand 
4. November 2020