Fragen & Antworten

Bergkäse aus Rohmilch

Frage

Ich habe einen Bergkäse gekauft. Laut Verpackung beinhaltet er nur „Milch“, was im Allgemeinen pasteurisierte Milch meint, da sonst ja explizit Rohmilch vermerkt sein müsste. Nun bin ich – nach dem Essen des Käses wohlgemerkt – zufällig auf die Seite des Käseproduzenten gelangt und lese dort, dass dieser Bergkäse aus Rohmilch besteht. So eine fehlerhafte Kennzeichnung, die absolut täuschend ist, gehört meines Erachtens abgemahnt, immerhin geht es um die Gesundheit von meinem Kind und mir und betrifft jede Schwangere.

Antwort

Wir können Ihre Verärgerung gut nachvollziehen. Entsprechend der Tierischen Lebensmittel-Hygieneverordnung müssen vorverpackte Lebensmittel die aus Rohmilch oder unter Verwendung von Rohmilch hergestellt worden sind mit der Angabe „mit Rohmilch hergestellt“ gekennzeichnet werden. Für lose angebotene Ware gibt es solch eine Vorschrift nicht. Im Sinne des gesundheitlichen Verbraucherschutzes sollte jedoch auch bei diesen Produkten, beispielsweise auf einem Schildchen in Produktnähe auf die Verwendung von Rohmilch hingewiesen werden.

Sollte Ihnen ein Käse auffallen, der üblicherweise aus Rohmilch hergestellt wird, auf dem der Hinweis fehlt, können Sie sich damit an Ihre Lebensmittelüberwachung vor Ort wenden, die Sie beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit recherchieren können (Link siehe Randspalte). Beispielsweise müssen verschiedene Käse mit geschützter Ursprungsbezeichnung oder geschützter geografischer Angabe aufgrund Ihrer Spezifikation aus Rohmilch hergestellt werden. Dazu gehören unter anderem „Tiroler Bergkäse“, „Gruyère“, „Allgäuer Emmentaler“ und „Camembert de Normandie“.

Abgesehen von den nicht eingehaltenen lebensmittelrechtlichen Vorschriften ist das Risiko für Schwangere beim Verzehr von Rohmilchkäse nicht immer gleich groß. Das sogenannte „Brennen“ des Käsebruchs bei maximal 55 Grad Celsius und die lange Reifedauer verschiedener Hartkäse führen zu einem Absterben der Mikroorganismen, sodass Hartkäse für Schwangere als unbedenklich eingestuft werden. Die Kennzeichnung der Verwendung von Rohmilch darf dennoch nicht fehlen.

Wie informativ fanden Sie diesen Beitrag?
Durchschnitt: 4.5 (12 Stimmen)
Thomas
19.05.2019 - 20:57

Es ist wohl so, dass einige Käse immer aus Rohmilch gemacht werden müssen, dazu gehören Emmentaler Bergkäse Appenzeller. Eine Kennzeichnung darf hier entfallen.

Redaktion Lebensmittelklarheit
29.05.2019 - 14:46

Der Hinweis „mit Rohmilch hergestellt“ ist verpflichtend auf Lebensmitteln, „die ohne Wärmebehandlung mit Temperaturen von mehr als 40 °C oder eine Behandlung mit ähnlicher Wirkung aus Rohmilch oder unter Verwendung von Rohmilch hergestellt worden sind“. Es ist keine Ausnahme vorgesehen.

Für bestimmte Käsesorten, vor allem für Hartkäse, wird zwar Rohmilch als Zutat verwendet, beim anschließenden „Brennen des Bruchs“ liegen die Temperaturen aber deutlich über 40°C. Das kann der der Grund dafür sein, dass einige Hersteller auf ihrem Käse nicht auf die Verwendung von Rohmilch hinweisen.

Nach Rücksprache mit der amtlichen Lebensmittelüberwachung reicht das Brennen des Bruchs jedoch als Erhitzungsverfahren nicht aus. Zudem müsse das Erhitzungsverfahren bei der Milch erfolgen, nicht erst bei der anschließenden Käseherstellung.

Somit ist der Rohmilch-Hinweis auch für Hartkäsesorten wie „Allgäuer Emmentaler“ und „Allgäuer Bergkäse“ verpflichtend.

Neuen Kommentar hinzufügen

Restricted HTML

  • Erlaubte HTML-Tags: <a href hreflang> <em> <strong> <cite> <blockquote cite> <code> <ul type> <ol start type='1 A I'> <li> <dl> <dt> <dd> <h2 id='jump-*'> <h3 id> <h4 id> <h5 id> <h6 id>
  • Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Website- und E-Mail-Adressen werden automatisch in Links umgewandelt.