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Produktionsland bei Tomatenmark

Darf auf Tomatenmark „Italien“ als Produktionsland angegeben werden, wenn es dort lediglich abgefüllt wurde?

Tomatenmark
© photocrew - fotolia.com

Frage

Beim Kauf von Tomatenmark kann ich in der Regel nicht erkennen, wo es produziert wurde. Einem Bericht im Netz zufolge wird das Tomatenmark sehr häufig in China produziert und in Italien nur abgefüllt. Ich habe nun von einer Firma Tomatenmark gefunden, bei dem das Produktionsland „Italien“ angegeben ist. Meine Frage ist, ist das tatsächlich so? Oder gibt es bei der Angabe des Produktionsortes irgendwelche „Hintertüren“, die ich als Verbraucher nicht erkennen kann. Ich würde mich freuen, wenn Sie mir da eine Auskunft geben könnten.

Antwort

Angaben zum Ursprung eines Lebensmittels dürfen nicht irreführend sein. Vermittelt der Gesamteindruck der Verpackung, dass das Tomatenmark in Italien hergestellt wurde, muss dies auch der Fall sein.

Für den Begriff „Produktionsland“ gibt es keine gesetzliche Definition. Wir gehen davon aus, dass der Hersteller damit das Ursprungsland meint. Als Ursprungsland gilt das Land, in dem eine Ware vollständig gewonnen und hergestellt wurde. Hat die Herstellung in mehreren Ländern stattgefunden, gilt das Land als Ursprungsland, in dem die Ware zuletzt wesentlich be- oder verarbeitet wurde. Als wesentlich gilt dabei, dass ein neues Erzeugnis entstanden oder eine bedeutende Herstellungsstufe durchlaufen worden ist.

Das heißt für Sie, allein die Angabe „Produktionsland Italien“ bedeutet nicht zwangsläufig, dass auch die Tomaten in Italien geerntet wurden. Es muss jedoch mindestens ein wesentlicher – auf jeden Fall auch der letzte – Verarbeitungsschritt, zum Beispiel das Eindampfen von Tomatensaft zu Tomatenmark, dort erfolgt sein. Allein das Abfüllen in Italien ist kein „wesentlicher Bearbeitungsschritt“.

Erweckt die Produktaufmachungen durch die Angabe „Produktionsland“ sowie weitere Italien-bezogenen Werbebotschaften und Abbildungen den falschen Eindruck, dass die Tomaten aus Italien stammen, kann dies irreführend sein. Das allerdings ist immer eine Einzelfallentscheidung, die nur ein Gericht fällen kann.

Um eine solche Täuschungsgefahr auszuräumen, schreibt eine neue EU-Verordnung ab April 2020 vor, dass wenn das angegebene Ursprungsland nicht mit dem Ursprungsland der primären Zutat übereinstimmt, entweder der tatsächliche Ursprung der Tomaten angegeben werden muss oder dass ein Hinweis, wie „Tomaten stammen nicht aus Italien” folgt.

Diese rechtliche Verbesserung ist aus unserer Sicht jedoch nur dann hilfreich, wenn der Hinweis auch direkt auf der Schauseite erfolgt bzw. dort, wo sonst ein falscher Eindruck über die Herkunft entsteht.

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Letzte Änderung 
27. Februar 2019