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Nährwertkennzeichnung von Zucker

Warum zählen Mehrfachzucker nicht als Zucker?

Frage

Ich bin Kinderarzt und muss mit großem Entsetzen feststellen, wie die Lebensmittelindustrie die Verbraucher im großen Stil zum Nachteil unserer Gesundheit täuscht. Es geht um die Nährwertkennzeichnung von Zucker! Aus einem unverständlichen Grund müssen in der Nährwertkennzeichnung von Zuckern nur Einfach- und Zweifachzucker gekennzeichnet werden. Warum? Die Industrie macht sich das zunutze, indem sie andere gesundheitsschädlichere Zuckerarten wie zum Beispiel Oligofructose (oder andere Mehrfachzucker) verwendet und dann noch auf die Packung schreibt: „30% weniger Zucker“. Das impliziert, dass ich ein gesünderes Produkt kaufe, allerdings bekomme ich ein Produkt, welches mein Risiko, an Diabetes Typ 2 zu erkranken, noch erhöht. Das ist ganz klar Verbrauchertäuschung! Unter Zucker sollten alle Zuckerarten (auch Mehrfachzucker) deklariert werden. Wie deklarieren ja unter Kohlenhydraten auch nicht nur Weißmehl!

Antwort

Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) schreibt genau vor, wie die Nährwerte von Lebensmitteln zu berechnen und anzugeben sind. Zu den Kohlenhydraten zählen sowohl die Einfach- und Zweifachzucker als auch die Mehrfachzucker wie Stärke. Zucker ist eine Untergruppe der Kohlenhydrate, zu der alle Einfach- und Zweifachzucker (Mono- und Disaccharide) gehören.

Unverdauliche Kohlenhydrate wie Oligofructose werden dagegen zu den Ballaststoffen gezählt.

Tatsächlich ist eine Unterscheidung zwischen Einfach- und Zweifachzuckern auf der einen Seite sowie Mehrfachzuckern auf der anderen Seite aus ernährungsphysiologischer Sicht sinnvoll. Kohlenhydrate wirken im Körper unterschiedlich, unter anderem auf den Blutzuckerspiegel sowie auf die Kariesentstehung. Wie Kohlenhydrate zu bewerten sind, hängt zudem nicht nur von ihrer Art ab, sondern auch davon, in welcher Form und Menge sie aufgenommen werden. So ist isolierter Zucker in Limonaden in größeren Mengen kritisch zu sehen, während Obst – obwohl es von Natur aus Zucker enthält – einen wichtigen Stellenwert in der Ernährung hat. Dasselbe gilt für Weißbrot im Vergleich zu Vollkornbrot.

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Letzte Änderung 
19. Oktober 2018

Kommentare

Liebes Team von Lebensmittelklarheit,

ich kann nach dem Lesen dieses Beitrags nur noch einmal meine Forderung erneuern, einen "Qualitätscheck" bei der Veröffentlichung von angeblichen Anfragen einzuführen. Dies ist mal wieder ein Paradebeispiel hierfür. Zudem stimmt es mich höchst nachdenklich, wenn angebliche Kinderärtze praktizieren dürfen, díe offenkundig nicht den Hauch einer Ahnung von gesunder Ernährung bzw. Ernährungswissenschaften haben, sich aber trotzdem anmaßen, die EU-Gesetzgebung in Frage zu stellen, wie üblich natürlich verbunden mit dem Vorwurf der vorsätzlichen Täuschung durch die okkulte "Lebensmittelindustrie". Eine Klarstellung Ihrerseits, dass Lebensmittelhersteller überhaupt keinen Spielraum bei der Nährwertdeklaration haben und sich somit nur an die LMIV halten, unterblieb - wie üblich - ebenso. Damit geben Sie diesen unseriösen Verschwörungstheorien auch noch ein Forum. Schade!

Wenn es tatsächlich mehrere Ärzte gibt, die auf Grundlage eines derart lückenhaften Ernährungswissen Ratschläge an Eltern austeilen ("Gebt euren Kindern kein Vollkornbrot, darin ist versteckter Zucker!"), ist für mich die Ursache des Anstiegs an Diabeteserkrankungen schon gefunden. Also, liebe Kinderärztinnen und Kinderärzte: Erst einmal nachsitzen, dann Ratschläge erteilen! Und wo wir gerade dabei sind: Eine selbst zubereitetes überzuckertes Gericht ist genauso (un)gesund wie ein industriell hergestelltes.

Daher mein Wunsch für Sie: Bleiben Sie und Ihre Familie gesund, trotz Ernährungstipps vom Kinderarzt!

Herzlichst,
Christian Steiner


Lieber Herr Steiner,
ich stimme Ihrem Kommentar vollkommen zu. Der Kinderarzt bezieht seine Argumente offensichtlich von Foodwatch. Ärgerlich, wenn ein studierter Mensch nicht zu eigenen Schlussfolgerungen kommt und statt dessen nur nachbetet.
Freundliche Grüße, Bernd Sumfleth


Ich zitiere mal den ersten Satz der Antwort von lebensmittelklarheit der klarstellt, dass Lebensmittelhersteller keinen Spielraum bei der Nährwertdeklaration haben:
"Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) schreibt genau vor, wie die Nährwerte von Lebensmitteln zu berechnen und anzugeben sind."


Und warum tun Sie das? Glauben Sie, die Leser dieses Betrags können sich daran nicht mehr erinnern?