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Bio-Mineralwasser - gibt es das?

Wie kann ein Mineralwasser BIO sein?

Mineralwasser
Mineralwasser © stu 12 / Fotolia.com

Frage:

Gemessen an der Definition für Bio halte ich den Begriff bei Mineralwasser für irreführend. Wie kann ein Mineralwasser BIO sein? Als Bio-Lebensmittel werden Lebensmittel aus der ökologischen Landwirtschaft bezeichnet. Der Begriff in der EU gesetzlich definiert. Diese Produkte müssen aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen, dürfen nicht gentechnisch verändert sein und werden ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln, Kunstdünger oder Klärschlamm angebaut. Tierische Produkte stammen von Tieren, die artgerecht gemäß EG-Öko-Verordnung gehalten werden und in der Regel nicht mit Antibiotika und Wachstumshormonen behandelt wurden. Die Produkte […] dürfen bis zu 5 % nicht ökologisch erzeugte Zutaten enthalten. […]

Antwort:

Um die Frage, ob ein Hersteller sein Wasser „Bio-Mineralwasser“ nennen darf, gab es einen langen Rechtsstreit. 2012 hat der Bundesgerichtshof (BGH) abschließend entschieden, dass die Bezeichnung „Bio-Mineralwasser“ unter bestimmten Umständen nicht irreführend ist. Voraussetzung sei allerdings, dass mögliche Schadstoffrückstände im Mineralwasser die gesetzlichen Grenzwerte deutlich unterschreiten, denn genau das erwarte der Verbraucher. Zudem muss sich die Bio-Kennzeichnung deutlich von dem EU-Öko-Siegel unterscheiden.

Wie Sie selbst schreiben, betreffen die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung nur landwirtschaftliche Erzeugnisse. Mineralwasser wird ebenso wie Salz durch die EU-Öko-Verordnung nicht erfasst. Für diese Produkte fehlt eine gesetzliche Regelung. Das bedeutet nach Ansicht des BGH aber nicht, dass die Bezeichnung "Bio" für solche Lebensmittel generell verboten ist, sondern richtet sich nach der Verbrauchererwartung. Die Konsumenten erwarteten, dass ein Bio-Mineralwasser nicht nur unbehandelt und frei von Zusatzstoffen sei, sondern im Hinblick auf Rückstände und Schadstoffe deutlich unterhalb der für natürliche Mineralwässer vorgesehenen Höchstwerte liege.

Nach Auffassung des BGH erwarten Verbraucher hingegen nicht, dass die Verwendung des Hinweises „bio“ bei Mineralwässern gesetzlichen Vorgaben unterliegt oder staatlich überwacht wird.

Wir sehen diese Bewertung kritisch. Nach unserer Ansicht verbinden Verbraucher mit dem Begriff „bio“ die Erwartung, dass entsprechend bezeichnete Lebensmittel konkrete gesetzliche Vorschriften erfüllen. Auch eine nicht-repräsentative Umfrage auf Lebensmittelklarheit in 2017 zeigte, dass Verbraucher nicht wissen, ob und welche Regelungen hinter der Bio-Kennzeichnung auf Mineralwasser stehen. Weniger als ein Fünftel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer wussten die korrekte Antwort, dass Hersteller selbst Bio-Kriterien festlegen können (Link. s.u.)

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Letzte Änderung 
3. August 2018

Kommentare

Als unabhängiges Prüflabor hat SGS Institut Fresenius einen Standard für Bio-Mineralwässer entwickelt. Produkte, die das Qualitätssiegel „Premiummineralwasser mit Bio-Qualität“ tragen wollen, müssen regelmäßige Kontrollen bestehen. Dabei kommt ein umfangreicher und strenger Kriterienkatalog zum Einsatz. Regelmäßige Laborkontrollen sichern die Produktqualität. Zudem werden soziale und ökologische Aspekte im abfüllenden Betrieb bewertet. Informationen dazu finden sich hier: [kommerzieller Link von der Redaktion entfernt]


Glaubwürdige und transparente Siegel mit hohen Ansprüchen können eine Einkaufshilfe für Verbraucher sein. Grundsätzlich kritisch sehen wir Gütezeichen einzelner Unternehmen oder Organisationen  mit unterschiedlichen Anforderungskatalogen und Richtlinien. Für Verbraucher ist kaum nachvollziehbar, welche Kriterien und Kontrollen hinter den einzelnen Siegeln stehen. Speziell der Begriff „Bio-Mineralwasser“ und entsprechende Siegel können aus unserer Sicht den falschen Eindruck vermitteln, die Produkte wären rechtlich  einheitlich nach der EU-Öko-Verordnung geregelt.