Unhaltbare Werbung zum Thema Kinderwunsch für „happy FEM“
Über diese Aussagen/Bilder ärgern sich Verbraucher:innen.
Zusammenfassung
Die Firma Happy Solutions spricht Frauen mit Kinderwunsch auf emotionaler Ebene an: „Wir verstehen, was dich bewegt … Monat für Monat die Enttäuschung“. Sie vermittelt auf Ihrer Website gethappy.me den Eindruck, das Produkt „happy FEM“ könne helfen, schwanger zu werden. Dafür liefert sie scheinbar schlüssige Erklärungen, dass „gestörte Schleimhäute“ die Ursache für „schlechte Fruchtbarkeit“ sind. Kundenbewertungen von Frauen, die nach der Einnahme angeblich schwanger geworden sind, verstärken diesen Eindruck.
„happy FEM“ ist ein Nahrungsergänzungsmittel mit Bakterien und einigen anderen Substanzen. Es ist nicht dazu geeignet, medizinische Probleme zu lösen, und darf auch nicht damit beworben werden. Die behaupteten Wirkungen sind nicht wissenschaftlich nachgewiesen und zugelassen.
Der Anbieter sollte die Website und die Auftritte in sozialen Medien überprüfen und alle unzulässigen gesundheits- und krankheitsbezogenen Aussagen entfernen – auch in eingebundenen Kundenbewertungen.
Beschwerde
Happy FEM wird gezielt an Frauen mit Kinderwunsch vermarktet und suggeriert, es könne die Fruchtbarkeit oder das Einnisten der Eizelle verbessern und man wird sofort schwanger. Für diese Aussagen fehlen jedoch wissenschaftliche Nachweise. Weder existieren hochwertige, unabhängige klinische Studien, noch gibt es zugelassene Health Claims, die diese Versprechen stützen. Die angeführten Hinweise auf Studien sind nicht auf der Website zu finden und die eingesetzten Bakterienstämme auch nicht. […] Frauen mit Kinderwunsch befinden sich oft in einer emotional belasteten Situation und sind anfällig für falsche Hoffnungen und extreme Werbung auf Instagram. Ein Produkt, das in diesem Kontext Erwartungen weckt, ohne gesicherte wissenschaftliche Evidenz vorzuweisen, ist nicht nur irreführend, sondern in hohem Maße unverantwortlich.
Verbraucherin aus Weiterstadt vom 04.10.2025
Einschätzung der Verbraucherzentrale zur ursprünglichen Werbeanzeige
Unhaltbare Werbung für „happy FEM“: Die Firma Happy Solutions schürt Hoffnungen, die ein Nahrungsergänzungsmittel bei Weitem nicht erfüllen kann. Es gibt keine wissenschaftliche Grundlage für die Behauptungen.
Darum geht’s:
Die Firma Happy Solutions wirbt auf facebook mit folgenden Aussagen:
- „Wenn du dir ein Kind wünschst, spielt dein Körper auf einmal in einer ganz anderen Liga.“
- „Zyklus kennen, Nährstoffversorgung im Blick behalten und verstehen, wie viele Prozesse perfekt zusammenspielen müssen.“
- „Einer dieser Prozesse wird oft vergessen: die speziellen Bakterien von Frauen – auch Mikrobiom genannt. Milliarden Mikroorganismen und Bakterienstämme sind Bestandteil deiner Schleimhäute und damit das erste mit Eizellen & Spermien in Berührung kommen.“
- „Unterstütze dieses einzigartige System jetzt ganz neu mit HappyFem“
- „Wir sind schon wieder fast ausverkauft, daher schnell sein“
Weitere Aussagen zu dem Produkt finden sich auf einer Unterseite der Firmen-Website gethappy.me, die sich über die Schlagworte „Gethappy“ und „Kinderwunsch“ oder „schwanger werden“ in Suchmaschinen finden lässt. Hier sind unter anderem Ausführungen zum Zusammenspiel von Schleimhaut und Fruchtbarkeit zu finden:
- „So funktioniert’s! Die Schleimhäute im Zentrum deiner Weiblichkeit“
- “Gestörte Schleimhäute = Schlechte Fruchtbarkeit?!“
- „Schleimhäute, Eizelle & Spermien – ein Zusammenspiel“
Die Firma bindet auf ihrer Website auch Kundenbewertungen ein, zum Beispiel mit folgender Aussage:
- „Am 24.12. war der Test positiv (beste Weihnachten ever) Wir hatten es fast 1 Jahr probiert […]. Super, dass es ein solches Produkt ergänzend gibt.“
Eine Tagesportion des Nahrungsergänzungsmittels enthält 200 Milligramm des „Nyx Bakterienkomplex“ mit „> 13,5 Mrd. KBE’s“. Konkrete Angaben zur Zusammensetzung des Komplexes gibt es nicht. Weitere Bestandteile sind die Vitamine C, B3 und B7 sowie Chicorée-Inulin.
Die Verbraucherin hält die Werbung für unlauter, weil sie einen falschen Eindruck erweckt.
Das ist geregelt:
Die Health-Claims-Verordnung (HCVO) regelt gesundheitsbezogene Angaben auf Lebensmitteln und in der Werbung. Um mit gesundheitlichen Wirkungen werben zu dürfen, müssen die Aussagen wissenschaftlich nachgewiesen und zugelassen sein. Die eingereichten Studien überprüft die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit. Auf Grundlage dieser Prüfungsergebnisse lässt die EU-Kommission die Aussage zu oder verbietet sie. Für Bakterien wie Lactobacillus rhamnosus gibt es ganze Reihe abgelehnter Claims der EU-Kommission.
In der EU ist derzeit nur eine gesundheitsbezogene Werbeaussage für Lebensmittel mit Bakterien zugelassen, die sich auf die Laktoseverdauung bezieht.
Nach der Lebensmittelinformationsverordnung dürfen Informationen über Lebensmittel keine Eigenschaften zur Vorbeugung oder Heilung einer menschlichen Krankheit versprechen.
So sieht’s die Verbraucherzentrale:
Die Firma Happy Solutions nutzt die Hoffnung von Frauen mit Kinderwunsch aus. Sie vermittelt Zusammenhänge zwischen ihren Bakterienkulturen und der Fruchtbarkeit, die keine wissenschaftliche Grundlage haben. Im Gegenteil: Es gibt keinerlei zugelassene Gesundheitsaussage zu Bakterien und Fruchtbarkeit. Krankheitsbezogene Werbung ist von vornherein verboten und somit Aussagen zu einer „schlechte Fruchtbarkeit“ und „Entzündungen“ in Zusammenhang mit dem Produkt.
Der Fachredaktion von Lebensmittelklarheit ist auf Instagram weiterhin ein Video aufgefallen: „Du willst schwanger werden“. Darin behauptet eine angebliche Ärztin, die Verbesserung des weiblichen Mikrobioms sei unverzichtbar, um schwanger zu werden. Im selben Video wird von der Firma Happy Solutions die Einnahme des Produktes „happy FEM“ nahegelegt. Die Firma verstärkt die Werbung durch die angebliche Nachricht einer Anwenderin, die innerhalb von einem Monat nach Einnahme schwanger geworden sein soll. Solche Aussagen sind hochgradig unseriös.
Fazit:
Der Anbieter sollte die Website und Auftritte in den sozialen Medien überprüfen und alle unzulässigen gesundheits- und krankheitsbezogenen Aussagen entfernen – auch in eingebundenen Kundenbewertungen.
Stellungnahme der Happy Solution GmbH, Leipzig
Auf das Schreiben von Lebensmittelklarheit vom 14. Oktober 2025 liegt keine Antwort vor.
Ergebnis
Die Fachredaktion von Lebensmittelklarheit hat die zuständige Lebensmittelüberwachung über die Werbung für das Produkt informiert.










