Verbraucherbeschwerde

Reformhaus Ingwer Goldstücke, süße Schärfe

Der Zuckergehalt der Ingwer Goldstücke von 65 Prozent weicht deutlich vom erwarteten Zuckergehalt aus den abgetropften Ingwerstücken ab.
getaeuscht

Der Zuckergehalt der „Ingwer Goldstücke“ liegt bei 65 Prozent, obwohl nur zehn Prozent Zuckersirup eingesetzt wurde. Unklar ist für daher, wie der verwendete Ingwer mit einem geringen Zuckergehalt diese Werte erreichen kann.
Der Hersteller sollte das Produkt so kennzeichnen, dass kein Widerspruch zu den Nährwertangaben entsteht.

Als Zutaten sind Bio-Ingwer (90 %) und Bio-Rohrohrzuckersirup (10 %) angegeben. Laut der Nährwerttabelle enthält das Produkt 65 g Zucker pro 100 g. Das geht irgendwie nicht zusammen. Ingwer selbst enthält nur ein paar (2-3) Gramm Zucker / 100 g. 
Meines Erachtens ist das ganz normaler kandierter Ingwer mit vielleicht 40 % Ingwer und 60 % Zucker. Ist übrigens lecker, aber die o.g. Angabe halte ich für grob irreführend.
Verbraucher aus Augsburg vom 13.09.2021

Einschätzung der Verbraucherzentrale

Der unerwartet hohe Zuckeranteil der „Ingwer Goldstücke“ passt nicht zur Bezeichnung, zur Beschreibung der Herstellung und zu den Angaben im Zutatenverzeichnis. Der Hersteller sollte das Produkt eindeutig kennzeichnen.

Darum geht’s:

Der Anbieter informiert auf der Schauseite der „Ingwer Goldstücke süße Schärfe“ wie folgt:
„Durch ein sorgfältiges Schälen, Schneiden und Zuckerbaden der reifen Ingwerwurzel erhalten seine Stücke ihren goldgelben Teint und ihr zitronig-blumiges Aroma. Natürlich. Köstlich. Scharf.“ 
Auf der Rückseite steht die Bezeichnung „Ingwerstücke, abgetropft“ bestehend aus 90 Prozent Bio-Ingwer und 10 Prozent Bio-Rohrohrzuckersirup.
Die Nährwerte für Zucker kennzeichnet der Anbieter mit 65 Prozent. 
Ein Zuckergehalt von 65 Prozent passt nicht, wenn die Menge des eingesetzten Zuckers bei zehn Prozent liegt. 

Das ist geregelt:

Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über die Zusammensetzung. Das ist ein wesentlicher Grundsatz in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Zudem müssen Informationen über Lebensmittel zutreffend, klar und für Verbraucher:innen leicht verständlich sein.

Laut der Richtlinie für Zuckerwaren des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) sind kandierte Früchte und andere kandierte Pflanzenteile mit Zuckerarten und/oder Süßungsmittel angereichert. Sie werden entweder in Sirup angeboten oder abgetropft, bestreut mit Kristallzucker oder glasiert.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Sowohl die Bezeichnung „Ingwerstücke, abgetropft“ als auch die angegebene Menge von zehn Prozent Zuckersirup lassen keinen Zuckergehalt von 65 Prozent für das Endprodukt erwarten. Denn laut Herstellerangaben beschränkt sich die Verarbeitung der „reifen Ingwerwurzel“ auf Schälen, Schneiden und Zuckerbaden. Das spricht aus unserer Sicht für kandierten Ingwer. Der Zuckergehalt von kandiertem Ingwer variiert nach unserer Recherche zwischen 67 und 75 Prozent. Frischer geschälter Ingwer plus 10 Prozent Zuckerlösung können daher keinen Zuckergehalt von 65 Prozent ergeben. 
Zudem ist die Bezeichnung „Ingwer, abgetropft“ aus unserer Sicht unzureichend. Das Kandieren oder die Behandlung mit Zucker müsste in der Bezeichnung stehen. 

Fazit:

Der Hersteller sollte das Produkt so kennzeichnen, dass kein Widerspruch zu den Nährwertangaben entsteht.
 

 

Stellungnahme der Reform Kontor GmbH & Co. KG, Zarrentin

Kurzfassung

Getrockneter, ungesüßter Ingwer enthält etwa 11% Saccharose, etwa 24% Glucose und etwa 24% Fructose, was einen Gesamt-Zuckergehalt von ca. 60% ergibt. 
Bei der Produktion wird der Ingwer in Behältern mit warmem Zuckersirup eingelegt. Das Verhältnis Ingwer zu Sirup beträgt 90% + 10%. Der Ingwer nimmt bei diesem Vorgang ca. 5% Rohrzucker auf, dadurch haben die Goldstücke einen Zuckergehalt von ca. 65%.

Ergebnis

Wegen der Kennzeichnungsmängel hat Lebensmittelklarheit die zuständige Lebensmittelüberwachung informiert.