Nutri-Score: Das bringt die bunte Nährwertskala auf Lebensmitteln
Welches Lebensmittel ist im Hinblick auf die Nährwerte die bessere Wahl? Das sollen Verbraucher:innen anhand des farblichen Nutri-Scores schneller erkennen. Seit mehr als sechs Jahren ist die Farbskala auf vielen Lebensmitteln zu finden. Lesen Sie hier, was der Nutri-Score aussagt – und wie er bei der Lebensmittelauswahl helfen kann.
Fettfallen und Zuckerbomben auf den ersten Blick zu erkennen, ist der Wunsch vieler Verbraucher:innen. Bei verpackten Lebensmitteln müssen die wichtigsten Nährwerte wie Energie, Zucker, Fett und Salz zwar auf der Verpackung stehen. Für manche Verbraucher:innen bleibt es dennoch mühsam zu erkennen, wie gut ein Lebensmittel für eine ausgewogene Ernährung geeignet ist.
Der Nutri-Score vereinfacht die Einschätzung der Nährwerte, indem er verschiedene Eigenschaften anhand eines Punktesystems zu einem Gesamtergebnis zusammenfasst: vom grünen A (gut) bis zum roten E (ungünstig). Dabei werden sowohl negative als auch positive Eigenschaften eines Lebensmittels berücksichtigt. Die enthaltenen Kalorien sowie die Nährwerte gesättigte Fettsäuren, Salz und Zucker stehen auf der Negativ-Seite. Zuviel davon kann einen negativen Einfluss auf die Gesundheit haben. Dagegen fließen Ballaststoffe, Eiweiß sowie der Anteil an Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten als positive Faktoren in die Bewertung ein.
Getränke werden strenger bewertet
Getränke werden bei der Berechnung des Nutri-Scores insgesamt strenger bewertet als feste Lebensmittel. Insbesondere enthaltener Zucker führt schneller zu einer Abwertung. Wasser erhält als einziges Getränk das dunkelgrüne A. So soll die besondere Eignung von Wasser als Durstlöscher hervorgehoben werden. Andere Getränke können kein A bekommen, selbst wenn sie zuckerfrei sind. Denn sie enthalten dann meist Süßstoffe und/ oder Aromen.
Alle Lebensmittel, die getrunken werden, zählen für die Berechnung zu den Getränken. Dadurch fallen auch Milch- und Milchprodukte mit einem Milchanteil über 80 Prozent sowie Pflanzendrinks in diese Kategorie.
Geeignet für verarbeitete Produkte
Der Nutri-Score wurde von unabhängigen Fachpersonen entwickelt und ist bereits seit 2019 auf einer Reihe verarbeiteter Lebensmitteln zu finden. Seit Ende 2020 ist die Verwendung der Farbskala in Deutschland rechtlich geregelt.
Sie eignet sich für alle verarbeiteten Lebensmittel, die sowohl eine Zutatenliste als auch eine Nährwerttabelle tragen, zum Beispiel Fertigpizza oder Nuss-Nougat-Creme. Nicht geeignet ist der Nutri-Score für unverarbeitete Lebensmittel wie frisches Obst, Gemüse oder Honig.
Für die Bewertung von Kaugummi, Tee und alkoholischen Getränken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent eignet sich der Nutri-Score ebenfalls nicht.
Nutri-Score wurde überarbeitet
Anfang der 2020er-Jahre wurde der Nutri-Score überarbeitet. In der Praxis hatte sich gezeigt, dass die ursprüngliche Bewertung nicht für alle Lebensmittelgruppen optimal passt. Ein hoher Zucker- oder Salzgehalt sowie ein niedriger Ballaststoffgehalt führt nach der neuen Berechnung beispielsweise zu einer stärkeren Abwertung als bislang.
Seit der Überarbeitung werden außerdem bei Getränken Negativ-Punkte für Süßstoffe vergeben. Die Anpassung soll Herstellern den Anreiz nehmen, Zucker durch künstliche Süßstoffe zu ersetzen, um so einen besseren Nutri-Score zu erhalten.
Seit dem 1. Januar 2024 sollten Unternehmen den neuen Nutri-Score zur Berechnung ihrer Produkte nutzen. Es galt eine Übergangszeit von zwei Jahren. In dieser Zeit waren zwischenzeitlich identische Produkte mit unterschiedlichen Nutri-Scores in den Läden zu finden, wie Verbraucherfragen bei Lebensmittelklarheit zeigten. Seit dem 1.Januar 2026 sollten nur noch Produkte mit dem neu berechneten Nutri-Score im Handel sein.
Was sind die Vorteile des Nutri-Score?
Für Verbraucher:innen bietet der Nutri-Score viele Vorteile. Diese sind:
- Der Nutri-Score ist eindeutig und leicht verständlich. Er bietet eine einfache und schnelle Orientierung. Das bestätigt auch eine Studie des Max-Rubner-Instituts.
- Der Nutri-Score wurde in Frankreich wissenschaftlich basiert erarbeitet und auf seine Wirksamkeit geprüft.
- Verbraucher:innen können auf einen Blick zwischen günstig und weniger günstig zusammengesetzten Lebensmitteln unterscheiden.
- Der Nutri-Score eignet sich vor allem dazu, Lebensmittel innerhalb einer Produktgruppe miteinander zu vergleichen (Beispiel: Cornflakes mit Schokomüsli). Er bezieht sich immer auf die gleiche Mengeneinheit (100 Gramm bzw. 100 Milliliter).
- Die farbliche Nährwertkennzeichnung kann Lebensmittelhersteller dazu bewegen, ihre Rezepturen zu überarbeiten und ihre Produkte gesünder zu gestalten.
Das sind die Nachteile
Der Nutri-Score stellt die Nährwerte in einer vereinfachten Form dar. Er berücksichtigt aber längst nicht alle Inhaltsstoffe eines Lebensmittels. Vitamine und Mineralstoffe werden beispielsweise nicht einbezogen. Weitere Nachteile sind:
- Der Einsatz von Süßstoffen (bei festen Lebensmitteln), weiteren Zusatzstoffen sowie Aromen wird ebenfalls nicht bewertet. Hier hilft nach wie vor nur ein Blick auf das Zutatenverzeichnis.
- Die Kennzeichnung mit dem Nutri-Score ist in Deutschland freiwillig und wird nicht von allen Herstellern eingesetzt. Der Vergleich von Produkten ist daher nicht immer möglich.
- Wer gezielt auf einzelne Nährstoffe, zum Beispiel auf den Energie- oder Zuckergehalt achten möchte, muss weiterhin in die Nährwerttabelle schauen.
- Schlechte Werte in manchen Bereichen lassen sich durch gute Werte in anderen ausgleichen. Hersteller können ihre Produkte durch Rezepturveränderungen "schönrechnen".
Einschätzung der Verbraucherzentrale
Aus Sicht der Verbraucherzentralen ist der Nutri-Score eine Hilfe für Verbraucher:innen, die wenig Zeit oder Schwierigkeiten haben, die Nährwerte richtig einzuschätzen. Er bietet die Möglichkeit, die Nährwerte ähnlicher Produkte zu vergleichen. Durch die Überarbeitung hat sich der Nutri-Score wesentlich verbessert. Kund:innen können beispielsweise bei Getränken oder Brot die Unterschiede bei den Nährwerten besser erkennen.
Die Angabe des Nutri-Scores ist für Hersteller freiwillig. In Deutschland wird er bisher zu wenig genutzt. Im Jahr 2022 trugen nur 40 Prozent der untersuchten Lebensmittel die Farbskala, wie ein Marktcheck der Verbraucherzentralen zeigt. Ein Vergleich ist jedoch nur möglich, wenn alle verarbeiteten Lebensmittel den Nutri-Score tragen. Daher fordern die Verbraucherzentralen eine europaweit verpflichtende Kennzeichnung.
Hinweis: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden in der Regel nicht aktualisiert.
Der leichtsprachliche Text wurde übersetzt von:
Isabella von Luxburg,
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