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Zucker in Haferdrink

Wie kommt der Zucker in einen Haferdrink, der damit wirbt „ohne Zuckerzusatz“ und „enthält von Natur aus Zucker“?

Hafermilch
© Oleksandra Naumenko - 123rf.com

Frage

Ich habe nach einem ungesüßten Haferdrink gesucht. Auf dem "Natur Haferdrink" steht vorne "ohne Zuckerzusatz" und eine Erklärung "Enthält von Natur aus Zucker". Jetzt frage ich mich wie etwa 5 % Zucker in den Haferdrink kommen, denn außer Wasser und Öl ist nur noch der Vollkornhafer mit 11 % drin, aber kein nachvollziehbarer Zuckeranteil. Hafer selbst ist ja unkritisch. Eine plausible Erklärung habe ich auf der Verpackung nicht gefunden.

Antwort

Wenn der Haferdrink keine weiteren Zutaten enthält als die von Ihnen genannten, stammt der Zucker aus dem Hafer. Er ist dort aber nicht von Natur aus enthalten, sondern entsteht erst im Herstellungsprozess.

Hafer enthält von Natur aus knapp 60 Prozent Kohlenhydrate, davon knapp ein Prozent Zucker. Die Kohlenhydrate sind überwiegend in Form von Stärke enthalten. Daher könnte in einem Haferdrink mit 11 Prozent Hafer von Natur aus nur deutlich unter einem Prozent Zucker enthalten sein.

Zur Herstellung von klassischem Haferdrink wird der Hafer fermentiert, das heißt, durch den Zusatz von Enzymen wird ein Teil der Stärke im Hafer zu Zucker aufgespalten. Dadurch entsteht der mehr oder weniger süße Geschmack.

Wir haben uns einige Haferdrinks angeschaut. Nach unseren Beobachtungen enthält klassischer Haferdrink etwa drei bis sechs Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Inzwischen sind auch Produkte ohne Zucker auf dem Markt. Sie schmecken nicht süß.

Die Angabe „Ohne Zuckerzusatz“ ist in der Health-Claims-Verordnung gesetzlich geregelt. Sie ist nur zulässig, wenn dem Produkt keine Einfach- oder Zweifachzucker (Mono- oder Disaccharide) oder irgendein anderes wegen seiner süßenden Wirkung verwendetes Lebensmittel zugesetzt wurde. Wenn das Lebensmittel von Natur aus Zucker enthält, sollte auf dem Etikett zusätzlich der Hinweis „enthält von Natur aus Zucker“ stehen.

Unserer Auffassung nach vermittelt die Kennzeichnung „ohne Zuckerzusatz; enthält von Natur aus Zucker“ auf einem Haferdrink mit bis zu sechs Prozent Zucker einen falschen Eindruck. Weil Hafer von Natur aus sehr wenig Zucker enthält, dürfte bei dieser Kennzeichnung praktisch kein Zucker vorhanden sein. Deshalb stimmt der zusätzliche Hinweis „enthält von Natur aus Zucker“ nicht und ist auch wenig hilfreich. Passender wäre, auf den bei der Verarbeitung entstehenden Zucker hinzuweisen. Dieser Hinweis sollte in unmittelbarer Nähe zur Angabe „ohne Zuckerzusatz“ stehen.

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Letzte Änderung 
19. November 2020

Kommentare

Auch ich bin leider darauf hereingefallen, dass auf den Haferdrinks der Hinweis enthält von Natur aus Zucker steht. Ich habe mein Leben seit 3 Monaten auf zuckerfreie Nahrung umgestellt, mit Ausnahme der natürlichen Süße . Vor einem Monat habe ich Haferdrink mit Vanille entdeckt und diesen zu Müsli und Kakaopulver genossen. Nach kurzer Zeit stellte ich fest ,dass ich wieder Gewicht zugenommen habe und auch wieder viel Appetit auf Süßes bekam. Per Zufall habe ich erfahren, dass die Stärke des Hafers bei der Herstellung durch Enzyme in einfach Zucker umgewandelt wird. Genausogut kann ich dann ja Würfelzucker in meinem selbst gemachten Haferdrink geben. Das Ergebnis ist das selbe. Ich bin sehr darüber verärgert, dass weiterhin mit allen Mitteln versucht wird, den Verbraucher falsche Informationen zu vermitteln, hier durch die Angabe enthält von Natur aus Zucker. Man versucht sich gesund zu ernähren, doch dafür muss man inzwischen jedes Produkt hinterfragen und viel Ahnung über Chemie und Bearbeitungsprozesse und deren Folgen haben oder nur noch unverarbeitete Lebensmittel zu sich nehmen. Es ist schon kriminell wie den Verbrauchern für die Gesundheit wichtige Informationen vorenthalten werden. Das grenzt schon an Körperverletzung. Von der Gentechnik mal ganz zu schweigen. Bitte entschuldigen Sie, dass ich hier so wütend reagiere. Ich bin maßlos enttäuscht und entsetzt. Was kann man als Verbraucher tun, damit solche Machenschaften in Zukunft nicht mehr möglich sind ?cE


Auch aus unserer Sicht ist diese Kennzeichnung nicht transparent. Wir gehen davon aus, dass viele Menschen nicht wissen, dass der angenehm süße Geschmack mancher Haferdrinks nicht auf einem natürlichen Zuckergehalt des Hafers beruht. Aufgrund der verpflichtenden Nährwertkennzeichnung können Sie die Zuckerangaben in den Produkten aber erkennen und vergleichen. Außerdem gibt es Produkte mit der Angabe „zuckerfrei“. Diese dürfen maximal 0,5 Gramm Zucker in 100 Millilitern enthalten.

Grundsätzlich ist Irreführung verboten und die Lebensmittelüberwachung geht dagegen vor. Bei irreführender Kennzeichnung können Sie sich an die Behörde vor Ort wenden.

Viele Fälle sind aber grenzwertig – wir sprechen von „Graubereich“. Lebensmittelklarheit informiert darüber und setzt sich bei Beschwerden dafür ein, dass sich die Kennzeichnung verbessert.