Das ärgert beim Einkauf:

Keine Angabe, wieviel Estragon im „Original Estragon Senf“ steckt

Mautner Feinkost bewirbt Estragon prominent, obwohl die Zutatenliste Estragon nicht aufführt. Stattdessen tauchen dort Gewürze und Aroma auf.
Getäuscht?

Über diese Aussagen/Bilder ärgern sich Verbraucher:innen.

Der „Original Estragon Senf“ der Firma Mautner Markhof Feinkost bewirbt „Estragon“ in Fettdruck und in Großbuchstaben auf der Tube. Damit lässt der Anbieter wertgebende Mengen Estragon im Senf erwarten. Tatsächlich führt die Zutatenliste Estragon gar nicht auf. Somit kann Estragon lediglich Bestandteil der „Gewürze“ oder des „natürlichen Aromas“ sein. Die tatsächliche Estragonmenge erfahren Kaufinteressierte nicht.

Der Firma sollte die enthaltene Menge Estragon kennzeichnen, wenn sie den Senf danach benennt.

Estragon wird bei diesem Estragonsenf in der Zutatenliste nicht erwähnt nur natürliche Aromen und Gewürze.
Im Vergleich mit anderen süddeutschen Estragonsenfen sind daher eindeutige farbliche und geschmackliche Unterschiede unschwer zu erkennen - Wie viel Prozent Estragon muss ein Estragonsenf enthalten?
Verbraucherin aus Kiel vom 26.04.2026

Einschätzung der Verbraucherzentrale

Estragon prominent auf der Senftube herauszustellen, die enthaltene Menge jedoch zu verschweigen, passt nicht zusammen. 

Darum geht’s:

Die Firma Mautner Markhof Feinkost bietet das Produkt „Original Estragon Senf“ an. Die Senftube hebt „Estragon“ mit Großbuchstaben und Fettdruck besonders hervor.

Die Zutatenliste auf der Rückseite führt Estragon nicht auf. Stattdessen finden sich dort Zutaten wie „Gewürze“ und „natürliches Aroma“.

Das ist geregelt: 

Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über die Zusammensetzung. Das ist ein wesentlicher Grundsatz in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Des Weiteren müssen die Mengen verwendeter Zutaten eines Lebensmittels genannt werden, wenn sie durch Worte, Bilder oder eine grafische Darstellung hervorgehoben sind. Ausgenommen von dieser Mengenangabe sind Zutaten, die „in kleiner Menge zur Geschmacksgebung“ enthalten sind. Gewürze, die insgesamt nicht mehr als zwei Prozent im Produkt ausmachen, können allgemein als „Gewürze“ gekennzeichnet werden. 

Der Lebensmittelverband Deutschland beschreibt in einer Richtlinie die branchenübliche Herstellung und Kennzeichnung von Senf. Danach sind Bezeichnungen wie „Meerrettich Senf“ üblich, wenn der benannte Stoff in einer geschmackgebenden Menge vorhanden ist. Die Richtlinie ist rechtlich nicht bindend.
Das Österreichische Lebensmittelbuch (Codex Alimentarius Austriacus) gibt vor, dass Senf zur Erreichung bestimmter Geschmacksrichtungen geschmackgebende Zutaten, wie Gewürze und Kräuter sowie deren Extrakte enthält.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Estragon als Besonderheit hervorzuheben, passt nicht. Denn Kaufinteressierte erfahren überhaupt nicht, wie viel Estragon der Senf enthält. Eine Marktstichprobe von Lebensmittelklarheit mit acht Angeboten von „Estragon Senf“ zeigte, dass Mengenangaben durchaus üblich sind. Nur zwei der acht untersuchten Produkte machten keine Mengenangaben zu Estragon. Bei sechs Produkten wurden Estragonmengen zwischen 0,5 und 10 Prozent genannt.

Die Zutatenliste des Estragonsenfs von Mautner deutet lediglich darauf hin, dass Estragon in sehr geringer Menge als Bestandteil der „Gewürze“ oder des „natürlichen Aromas“ enthalten ist. 

Fazit:

Die Firma Mautner Markhof Feinkost sollte die enthaltene Menge Estragon kennzeichnen, wenn sie den Senf danach benennt.

Stellungnahme der Mautner Markhof Feinkost GmbH, Wien

Text-Ausschnitt aus der Original-Stellungnahme:
Unser Estragonsenf mit über 100-jähriger Tradition entspricht den lebensmittelrechtlichen Vorgaben sowie der geschützten Gattungsbezeichnung im Österreichischen Lebensmittelcodex. „Estragonsenf“ ist darin als verkehrsübliche, geschmacklich geprägte Bezeichnung definiert, ohne einen Mindestanteil an Estragon festzulegen. Estragon kann als Gewürz oder natürliches Aroma eingesetzt werden.