Andechser senkt den Fettgehalt der Schlagsahne ohne klaren Hinweis
Über diese Aussagen/Bilder ärgern sich Verbraucher:innen.
Zusammenfassung
Bei nahezu identischer Aufmachung ist auf den ersten Blick kein anderer Inhalt zu erwarten. Doch statt einer Schlagsahne mit 32 Prozent Fett steckt eine mit 30 Prozent Fettgehalt im Becher. Beide Varianten bewirbt Andechser als „besonders schlagfähig“. Nur wer im Kleingedruckten auf den Fettgehalt schaut, nimmt die veränderte Zusammensetzung wahr.
Die Andechser Molkerei Scheitz sollte bereits auf der Schauseite deutlich auf den verringerten Fettgehalt hinweisen.
Beschwerde
Der Fettgehalt dieser Bio-Schlagsahne wurde von 32 % auf 30 % gesenkt. Gleichzeitig wirbt die Verpackung ausdrücklich mit besonders schlagfähig und ideal für Desserts. Das ist widersprüchlich: Die Schlagfähigkeit hängt maßgeblich vom Fettgehalt ab, mehr Fett bedeutet ein stabileres Schlagergebnis. Bei der früheren 32-%-Variante wurde die Schlagfähigkeit folgerichtig mit dem hohen Fettgehalt begründet. In der neuen 30-%-Variante wurde genau diese Grundlage gesenkt, während der Claim besonders schlagfähig beibehalten und sogar betont wurde. Ein gut sichtbarer Hinweis auf den reduzierten Fettgehalt fehlt. So entsteht der Eindruck einer besonders schlagfähigen Sahne, obwohl die maßgebliche Eigenschaft objektiv verschlechtert wurde. Ich bitte um Prüfung und gegebenenfalls Stellungnahme des Herstellers.
Verbraucher aus Bingen vom 15.06.2026
Einschätzung der Verbraucherzentrale
Andechser lobt weiterhin die Schlagsahne als besonders schlagfähig aus, hat aber gleichzeitig den Fettgehalt gesenkt. Das passt nicht zusammen und ist vor allem für regelmäßige Konsument:innen ärgerlich.
Darum geht’s:
Die Bio-Schlagsahne der Andechser Molkerei Scheitz scheint auf den ersten Blick unverändert. Die farbliche Gestaltung und Beschriftung des 200 Gramm Bechers ist gleichgeblieben. Die Molkerei lobt die Sahne nach wie vor als „besonders schlagfähig“ aus. Die Bezeichnung der neuen Variante „Bio-Schlagsahne* mit mindestens 30 % Fett, wärmebehandelt“ auf einer Seite zeigt, dass der Fettgehalt von 32 Prozent auf mindestens 30 Prozent gesunken ist.
Der Verbraucher ärgert sich über die Fettreduzierung, da der Fettgehalt für die Stabilität der steif geschlagenen Sahne verantwortlich ist.
Das ist geregelt:
Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über die Zusammensetzung. Das ist ein wesentlicher Grundsatz in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV).
Die Milchproduktqualitätsverordnung schreibt für „Schlagsahne“ einen Fettgehalt von mindestens 30 Prozent vor.
So sieht’s die Verbraucherzentrale:
Für Lebensmittelklarheit ist das ein Fall von Skimpflation, das heißt eine Verschlechterung der Zusammensetzung: Bei Schlagsahne ist der Fettgehalt der entscheidende Qualitätsfaktor. Beim Aufschlagen von Sahne bilden sich Luftbläschen im Wasser, die mit einem dünnen Eiweißfilm überzogen sind. Dass Fett stabilisiert diese Luftbläschen, die sich sonst schnell wieder auflösen würden.
Wer die Bio-Schlagsahne regelmäßig kauft, kann sich nachvollziehbar über die unauffällige Qualitätsveränderung ärgern. Denn die Bechergestaltung ist praktisch unverändert und ein klarer Hinweis auf die Fettreduktion fehlt.
Fazit:
Die Andechser Molkerei Scheitz sollte bereits auf der Schauseite deutlich auf den verringerten Fettgehalt hinweisen.
Stellungnahme der Andechser Molkerei Scheitz GmbH, Andechs
Auf das Schreiben von Lebensmittelklarheit vom 14. Juli 2026 liegt keine Antwort vor.






