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Mehr Klarheit um das Schwein in der Kalbsleberwurst

Kalbsleberwurst
© Birgit Reitz-Hofmann - Fotolia.com

Wer Kalbsleberwurst kauft, geht in der Regel davon aus, dass die Wurst auch Kalbsleber enthält. Doch erst seit Januar 2010 ist das auch tatsächlich der Fall. Zuvor war es zulässig, dass Hersteller anstelle von Kalbsleber die Leber anderer Tierarten verarbeiteten – solange die Wurst Kalbfleisch enthielt.

Seitdem haben sich die Anforderungen an Kalbsleberwurst noch einmal weiterentwickelt. Folgende Erzeugnisse bekommen Sie, wenn sie Kalbsleberwurst oder Kalbfleisch-Leberwurst entsprechend den aktuellen Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse kaufen:

Kalbsleberwurst

Die Bezeichnung „Kalbsleberwurst“ wird nur verwendet, wenn der Leberanteil zu über 50 Prozent vom Kalb stammt. Der Rest kann Schweineleber sein.

Weil „Kalb“ in der Bezeichnung vorangestellt ist, soll der Rindfleischanteil insgesamt – inklusive Kalb – über 50 Prozent liegen und dieser wiederum überwiegend aus Kalb- und Jungrindfleisch bestehen.

Nur wenn der Fleischanteil zu 100 Prozent aus Rind- und Kalbfleisch bestehen würde, wäre die kurze Bezeichnung "Kalbsleberwurst" ausreichend.

Gängige Praxis ist, dass Kalbsleberwurst außerdem Schweinefleisch enthält. In diesem Fall soll sie „Kalbsleberwurst mit Schweinefleisch“ heißen.

Zukünftig werden Sie also statt „Kalbsleberwurst“ die Bezeichnung „Kalbsleberwurst mit Schweinefleisch“ im Handel finden, auch bei gleicher Rezeptur. Dadurch ist Bezeichnung realistischer und klarer geworden, denn echte „Kalbsleberwurst“ ohne Schweinefleisch haben Sie auch bisher nicht bekommen.

Kalbfleisch-Leberwurst

Eine Kalbfleisch-Leberwurst muss dagegen keine Kalbsleber enthalten, sondern Kalbfleisch.

Auch hier ist die Regel: Weil „Kalb“ in der Bezeichnung vorangestellt ist, besteht der Fleischanteil zu über 50 Prozent aus Rindfleisch und dieser überwiegend aus Kalb- und Jungrindfleisch.

Die Leber in dieser Wurst kann vom Schwein stammen. Ist aber Schweinefleisch enthalten, so heißt es „Kalbfleisch-Leberwurst mit Schweinefleisch“.

Leberwurst mit Kalbfleisch

Viele der derzeitigen Produkte auf dem Markt erfüllen aber beide Voraussetzungen nicht, denn der Anteil an Kalbsleber und/oder Kalbfleisch ist dafür zu gering.

Sie könnten dann beispielsweise „Leberwurst mit Kalbfleisch“ heißen.

„Kalb“ wird bei diesen Produkten also in der Bezeichnung nicht mehr vorangestellt.

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Die Regelungen klingen kompliziert.

Sie stellen aus Verbrauchersicht aber eindeutig eine Verbesserung dar, denn die Fleischerzeugnisse nennen nun in der Bezeichnung ausdrücklich Schweinefleisch, das seit jeher in diesen Würsten verwendet wurde.

Bei Kalbsleberwurst darf in der Bezeichnung allerdings ein Hinweis auf Schweineleber, die in der Regel enthalten ist, fehlen. Bei verpackten Produkten erfahren Käufer im Zutatenverzeichnis, ob Schweineleber verwendet wurde.

Falsche Erwartungen sind letztlich nur auszuschließen, wenn in Kalbswürsten jede Verwendung anderer Tierarten genannt wird, egal ob es sich um den Leberanteil oder um Fleisch handelt.

Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Hersteller die aktuellen Leitsätze umgesetzt haben. So lange wird es noch „Kalbsleberwurst“ im Handel geben, die zum Großteil vom Schwein stammt.

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Letzte Änderung 
3. Mai 2016

Kommentare

Irreführung von Kennzeichnung der Mühlenhofer Fleischproduktion bei "Vegetarische Fleischwurst".
Wenn ich vegetarische Lebensmittel kaufe, ist kein Fleisch drin und sollte auch nicht als Fleischwurst bezeichnet werden.
Ist Fleisch enthalten, sollte sie nicht die Bezeichnung vegetarisch tragen. Analog bietet jetzt der Supermarkt Tengelmann Vegetarische Grillplatten mit Bratwurst, was ist das für ein Lacher. Da gehört die Bezeichnung vegetarische Griller ohne der Wurst Bezeichnung.
Dies sollte man von der Verbraucherzentrale einmal nachprüfen.


Man kann es auch übertreiben. Bei vegetarischer Fleischwurst geht man doch nicht davon aus, dass dort Fleisch drin ist. Man soll nur wissen was die Pflanzenwurst imitieren soll. Bei der Tengelmannplatte könnte man tatsächlich davon ausgehen, dass eine tierische Bratwurst drin ist. Vielleicht war ja alles außer der Bratwurst vegetarisch.


Ich habe überhaupt kein Problem damit, wenn vegetarische Produkte als "Wurst" bezeichnet werden, denn wo steht geschrieben, dass Wurst unbedingt Fleisch enthalten muss? Da sollte einfach mal ein Umdenkensprozess im Kopf der BürgerInnen einsetzen. Ähnlich ist es mit der Verwendung des Begriffes "Fleisch". Auch dieses muss nicht unbedingt tierischer Herkunft sein, oder wer stört sich schon daran, wenn bspw. ein Orangensaft mit Fruchtfleisch im Regal steht? Die Bezeichnungen "Wurst" und "Fleisch" bei den vegetarischen Produkten helfen m.E. den VerbraucherInnen zu erkennen, um was es sich handelt, d.h. welches tierische Produkt hier imitiert werden soll. Sicher kann man lange darüber diskutieren, welche Bezeichnungen treffender wären, das ist letztendlich wohl einfach Ansichtssache.


Schuld allein ist der Kunde. Er will alles immer billiger und die Industrie hat es vorgemacht. So tut sich der Metzger sehr schwer mit dem Preis mitzuhalten. Jeder glaubt, wenn er Geflügel Wiener isst, die seien mager. Dabei wird da statt Schweinespeck Rapsöl verarbeitet.
Aber wer den Kunden am besten verascht hat das Geschäft.


Danke Herr Oehms,
das gleiche sage ich auch schon lange. Es kann nicht sein, dass beispielsweise ältere Leute ungewollt so eine Karikatur eines Lebensmittels in den Einkaufswagen legen oder womöglich sogar konsumieren, nur weil sie das kleine 'Veggie'-Zeichen auf der 'Bolognese-Sauce', dem 'Fleischsalat', der 'Fleischwurst' oder auch der 'Leberwurst'-Packung übersehen haben.
Oft genug steht dieses Zeug noch nicht mal getrennt in eigenen Bereichen sondern direkt neben den Lebensmitteln für gesunde Menschen. Aus welcher Leber ist diese vegetarische Leberwurst wohl? Mir ist kein Baum mit Leber bekannt.
War dieser Analogkäse nicht vor wenigen Jahren noch verrufen und als billige Betrugsmöglichkeit für Pizzerien verschrien? Jetzt ist der Dreck teurer als der richtige Käse und liegt im Veggie-Regal :)


Verbraucherfreundliche Bezeichnungen für vegetarischen Fleischersatz werden derzeit stark diskutiert. Wir haben bereits einen Forenbeitrag zu diesem Thema veröffentlicht:

 


Geht es Euch noch gut? Fleisch und Wurst sind nicht vegetarisch...sehr einfach. Und lasst es einfach dabei..einfach lassen...was für Diskussionen sind das...


Ok Fleisch ist Fleisch,Punkt.Es sei denn man setzt z.B.Frucht davor.
Aber das 'ne Wurst nicht vegetarisch oder nicht vegan sein soll,warum?
Man könnte aber für feinstsinnige noch'n Tofu davor setzen.


"Die Bezeichnung „Kalbsleberwurst“ wird nur verwendet, wenn der Leberanteil zu über 50 Prozent vom Kalb stammt. Der Rest kann Schweineleber sein."
Das scheint mir reine Theorie zu sein was da geschrieben steht. Kalbsleberwurst enthält häufig 70% bis 90% Schwein. Heute hate ich mit einen Fleischer gesprochen, der mir sagte wenn ich eine Kalbsleberwurst mit mehr als 50% finde soll ich ihm die mitbringen.
Zum Beispiel bezeichnet Alnatura in Konstanz die Delikates Leberwurst (Chiemgauer Naturfleisch) als Kalbsleberwurst. Irreführend oder? In einer Fleischerei wollte ich Kalbsleberwurst mit einem höheren Anteil als 30%. Ich wurde aufgeklärt dass das praktisch nicht vorkommt. Kein Konsument ist gewillt dafür entsprechend Geld zu zahlen. Kalbsleber kostet pro Kilo 30 EUR, Schweineleber hingegen 3 EUR.
Also Ihr Artikel in allen Eheren, ist aber an der Realität knapp vorbei.
MfG
Michael Schulz


In unserem Artikel erläutern wir die Beschreibungen zu Leberwurst mit Kalb in den Ende 2015 veröffentlichten, überarbeiteten Leitsätze für Fleisch- und Fleischerzeugnisse.

Wir haben einige Produkte im Handel überprüft. Ein großer Teil davon müsste entsprechend den neuen Leitsätzen „Leberwurst mit Kalbfleisch“ oder „Leberwurst mit Kalbsleber“ heißen. Einzelne Anbieter kennzeichnen dies korrekt.

Leitsätze werden von der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission erarbeitet. Ihr gehören Vertreter aus Wissenschaft, Lebensmittelüberwachung, Verbraucherorganisationen und Lebensmittelwirtschaft an. Dieses Gremium hat die Aufgabe, gemeinsame Verkehrsauffassungen zu den einzelnen Lebensmitteln zu ermitteln.

Leitsätze sind rechtlich nicht bindend. Sie werden aber bei rechtlichen Auseinandersetzungen wie ein Sachverständigengutachten als Entscheidungshilfe herangezogen. Insbesondere bei Veränderungen von Leitsätzen kann es länger dauern, bis die neuen Vorgaben bei einem Großteil der Produkte im Handel umgesetzt sind. Einen konkreten Termin, wann die Änderungen umgesetzt sein sollen, gibt es nicht.

Metzger brauchen nicht ihre Rezeptur zu verändern, sondern sollten die aktuelle Bezeichnung für ihr Produkt verwenden. Aus unserer Sicht könnte dies inzwischen passiert sein.


Als die Zutaten aufgelistet werden mussten, fühlte ich mich jahzehntelang betrogen. M. E. erfüllt es auch den Straftatbestands des Betrugs, ein Produkt, dass nicht einmal Leber von Kälbern enthält , und dazu noch Fleisch anderer Tierarten als Rind enthält, als "Kalbsleberwurst" zu bezeichnen: Kann diese Bezeichnung bei nüchterner Betrachtungsweise einen schwächeren Zweck haben als zu suggerieren, das Produkt enthalte Leber von Rindern (Bovini), die das erste Lebensjahr noch nicht vollendet haben, enthalte?

Gibt es irgendeinen Bericht über eine staatsanwaltliche Untersuchung auch der neueren Bezeichnungen?


Zunächst ist wichtig, dass die Hersteller ihre Leberwürste entsprechen den neuen Leitsätzen bezeichnen. Das ist nach unserer Erfahrung leider noch nicht ausnahmslos der Fall.

Eine den neuen Leitsätzen entsprechende Bezeichnung wird die amtliche Lebensmittelüberwachung vermutlich nicht beanstanden. Ein aktuelles Gerichtsurteil gibt es dazu jedenfalls bisher nicht.