Ist Rübenzucker dasselbe wie normaler Zucker?
Frage
Auf einem Bio-Joghurt wird geworben: „Nur - 1. Joghurt 2. Früchte 3. Rübenzucker“. Ich bin über den "Rübenzucker" gestolpert. Er erweckt aus meiner Sicht den Eindruck, als sei er besonders "natürlich" oder "gesund". Es klingt irgendwie positiver, als wenn lediglich "Zucker" genannt wäre. Dabei ist doch Rübenzucker nichts anderes als normaler Haushaltszucker, oder?
Antwort
In Deutschland wird normaler weißer Zucker aus Zuckerrüben gewonnen. Rübenzucker wird fast immer raffiniert und ist weiß – mit wenigen Ausnahmen: Bio-Rübenzucker wird nicht vollständig raffiniert, sondern in der Qualität „Weißzucker“ angeboten. Im Handel ist zudem auch gefärbter brauner Rübenzucker zu finden. Qualitativ unterscheiden sich die Produkte kaum.
Die Bezeichnung „Rübenzucker“ sagt zunächst nichts über den Verarbeitungs- oder Reinheitsgrad des Zuckers aus, sondern nur über die Herkunft aus Zuckerrüben. Eine solche Ergänzung der Bezeichnung ist zulässig, sofern sie nicht täuschend ist. Hersteller möchten mit der Bezeichnung „Rübenzucker“ ihrem Produkt vermutlich ein positiveres Image geben. Sie dürfen aber keine Eigenschaften vermitteln, die das Produkt nicht hat – beispielsweise eine Naturbelassenheit, die nicht gegeben ist.
In der Zuckerartenverordnung sind verschiedene Zuckerarten nach ihrem Reinheitsgrad definiert. Für Saccharose, also normalen Zucker, sind dort drei verschiedene Reinheitsgrade beschrieben:
- Halbweißzucker
- Zucker/ Weißzucker
- Raffinierter Zucker/ Raffinade
Rübenzucker wird in der Regel raffiniert, denn Rüben-Rohzucker hat einen unangenehmen Beigeschmack und wird daher kaum verwendet. Bio-Rübenzucker wird zwar ebenfalls gereinigt, aber nicht bis zur höchsten Reinheitsstufe raffiniert, sondern in der Qualität „Weißzucker“ angeboten. Ernährungsphysiologisch und geschmacklich unterscheiden sich die Produkte aber kaum, denn beide haben einen einen Saccharosegehalt von 99,7 Prozent.
Da raffinierter Zucker aus Zuckerrüben ein negatives Image hat, verwenden Anbieter von Bio-Lebensmitteln in ihren Produkten häufig weniger verarbeitete Alternativen zu Rübenzucker, beispielsweise Rohrohrzucker, Agavendicksaft oder Dattelzucker. Diese Alternativen sollen dem Produkt gleichzeitig ein gesünderes Image verleihen. In der Regel sind diese Zutaten aber vergleichbar zuckerreich wie Rübenzucker und manchmal sogar weniger ökologisch.
Die Verwendung von Bio-Rübenzucker regionaler Herkunft kann eine ökologische Alternative zu exotischen Zuckerarten sein, die in Monokulturen angebaut werden und lange Transportwege zurücklegen müssen. Eine Schweizer Studie aus dem Jahr 2018 hat beispielsweise gezeigt, dass Bio-Rübenzucker in Bezug auf Umweltverträglichkeit besser abschneidet als Bio-Rohrzucker.
Nach Ansicht von Lebensmittelklarheit ist die Bezeichnung „Rübenzucker“ allein nicht täuschend, sondern kann eine sinnvolle Information darstellen. Anbieter sollten allerdings nicht den Eindruck erwecken, es handele sich bei dem verwendeten Rübenzucker um besonders natürlichen oder unverarbeiteten Zucker, beispielsweise durch eine Werbung mit „Natur“ oder „natürlich“.
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Der leichtsprachliche Text wurde übersetzt von:
Isabella von Luxburg,
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