Mit „Ohne Zuckerzusatz“ beworben, aber mit Süßstoffen gesüßt
Über diese Aussagen/Bilder ärgern sich Verbraucher:innen.
Zusammenfassung
Auf den ersten Blick springt ins Auge, dass Müller auf einen Zuckerzusatz verzichtet. Dennoch ist der „Müller Milchreis High Protein Schoko“ gesüßt. Er enthält die Süßungstoffe Acesulfam K und Cyclamat. Darauf weisen jedoch nur die Bezeichnung und die Zutatenliste auf der Rückseite hin. Die Hinweise auf Süßungsmittel nimmt nur wahr, wer gezielt das Kleingedruckte prüft.
Müller sollte bereits auf der Schauseite in unmittelbarer Nähe und in deutlicher Schrift bei der Werbung „ohne Zuckerzusatz“ darauf hinweisen, womit der Milchreis gesüßt ist.
Beschwerde
Auf der Verpackung steht drauf „ohne Zuckerzusatz – enthält von Natur aus Zucker“. Auf dem Deckel steht „ohne Zuckerzusatz“. Beim ersten Löffel war ich sehr irritiert, da der Milchreis nicht wirklich nach Schoko, dafür aber recht doll nach Süßstoff geschmeckt hat. Daraufhin habe ich in die Zutatenliste geschaut und musste feststellen, dass die Süßstoffe Acesulfam K und Cyclamat zugesetzt sind. Außerdem ist nur 0,5 % Kakao enthalten. All das widerspricht für mich irgendwie der Aussage „enthält von Natur aus Zucker“ und auch „ohne Zuckerzusatz“, obwohl ich da natürlich weiß, dass Süßstoff kein Zucker ist, aber es ist trotzdem zugesetzt und eben auch echt nicht natürlich …
Verbraucherin aus Koblenz vom 16.07.2026
Einschätzung der Verbraucherzentrale
„Ohne Zuckersatz“, aber trotzdem mit Acesulfam K und Cyclamat gesüßt: Diese Süßung durch Süßungsmittel wird auf den ersten Blick nicht klar. Erst im Kleingedruckten darauf hinzuweisen, ist unzureichend.
Darum geht’s:
Auf dem Deckel des Milchreis High Protein Schoko von Müller steht in Großbuchstaben „Ohne Zuckerzusatz“. Unterhalb der Nährwerttabelle auf einer Seite des Bechers steht nochmal „Ohne Zuckerzusatz – Enthält von Natur aus Zucker“. Die Nährwerttabelle führt 4,2 Gramm Zucker je 100 Gramm auf.
Auf einer anderen Seite lautet die Bezeichnung „Milchreis mit 15 % Schokozubereitung. Mit Süßungsmitteln“, Die Zutatenliste führt neben milchzuckerhaltigen Milchprodukten unter anderem 0,5 % Kakao als einziges Kakaoerzeugnis, die Süßungsmittel Acesulfam K und Cyclamat sowie Aroma auf.
Die Verbraucherin ärgert sich, dass Müller den Verzicht auf einen Zuckerzusatz herausstellt und auf „enthält von Natur aus Zucker“ verweist aber das Dessert trotzdem mit Süßstoffen süßt. Außerdem hat sie bei der Sorte „Schoko“ mehr Kakao erwartet.
Das ist geregelt:
Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über die Zusammensetzung. Dieser in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) festgelegte Grundsatz gilt auch für die Aufmachung und Bewerbung eines Produktes.
Bei der Produktbezeichnung muss der Hinweis „mit Süßungsmittel“ stehen, wenn das Lebensmittel Süßungsmittel enthält.
Nach der Health-Claims-Verordnung (HCVO) ist die Angabe „ohne Zuckerzusatz“ nur zulässig, wenn das Produkt keine zugesetzten Mono- oder Disaccharide oder irgendein anderes wegen seiner süßenden Wirkung verwendetes Lebensmittel enthält. Süßende Zusatzstoffe wie Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe dürfen enthalten sein. Gleiches gilt für andere zuckerhaltige Lebensmittel wie Milch, die nicht zum Süßen eingesetzt wird.
Des Weiteren sollte gemäß der HCVO die Angabe „ohne Zuckerzusatz“ durch den Hinweis „enthält von Natur aus Zucker“ ergänzt werden, wenn das Lebensmittel von Natur aus Zucker, beispielsweise aus Milchprodukten, enthält.
So sieht’s die Verbraucherzentrale:
Bei einem Lebensmittel ohne Zuckerzusatz, dass trotzdem süß schmeckt, sollte auf den ersten Blick klar sein, wodurch das Lebensmittel süß schmeckt. Das ist hier nicht der Fall. Fehlkäufe sind vorprogrammiert, denn nicht jeder möchte Süßungsmittel essen.
Fazit:
Müller sollte bereits auf der Schauseite in unmittelbarer Nähe und in deutlicher Schrift bei der Werbung „ohne Zuckerzusatz“ darauf hinweisen, womit der Milchreis gesüßt ist.
Stellungnahme der Molkerei Alois Müller GmbH & Co. KG, Fischach-Aretsried
Auf das Schreiben von Lebensmittelklarheit vom 20. August 2026 hat der Anbieter nicht reagiert.







