Das ärgert beim Einkauf:

Übertriebene Werbung mit Studie zur Bioverfügbarkeit von Lavita

LaVita wirbt mit einer Studie zur Bioverfügbarkeit. Diese hat jedoch wenig Aussagekraft. Außerdem müssen zugesetzte Nährstoffe bioverfügbar sein. Und die Studie untersuchte nicht, ob die Nährstoffe „am Wirkort – der Zelle“ ankommen, wie LaVita behauptet.
Getäuscht?

Über diese Aussagen/Bilder ärgern sich Verbraucher:innen.

Firma LaVita wirbt auf ihrer Webseite mehrfach mit der „Bioverfügbarkeit“ für das Produkt. Dazu verweist sie auf eine „international publizierte Studie“ mit 106 Testpersonen über einen Zeitraum von 6 Monaten. 
Die Studie ist nur begrenzt aussagekräftig, insbesondere gab es keine Kontrollgruppe. Dazu kommt, dass die Bioverfügbarkeit von zugesetzten Nährstoffen ohnehin rechtlich gefordert ist. 
Lavita vermittelt den Eindruck, dass die Nährstoffe nachweislich an ihrem Wirkort ankommen, also „in die Zellen aufgenommen werden und so aktiv ins Stoffwechselgeschehen eingreifen können“. Das untersuchte die Studie aber nicht.
LaVita hat inzwischen einen Teil der Aussagen entfernt und den Text verändert. 
Unabhängig davon sollte die Firma nicht übertrieben mit einer Studie werben, wenn diese nur eine begrenzte Aussagekraft hat. Außerdem sollte sie die Bioverfügbarkeit nicht als eine Besonderheit herausstellen, da diese für zugesetzte Nährstoffe selbstverständlich ist.

Das Produkt wirbt mit wissenschaftlichen Belegen für die Bioverfügbarkeit der enthaltenen Stoffe und verlinkt eine Studie: 
Zunächst werden viele Inhaltsstoffe nur an einem kleinen Teil der Testgruppe geprüft, was die Repräsentativität zumindest mindestens einschränkt. 
Außerdem wird auf der Webseite damit geworben, dass auch die Konzentration in den Zellen erhöht ist, was in der Studie aber nur für manche Spurenelemente untersucht wurde. 
Verbraucher aus Erlangen vom 18.02.2026

Einschätzung der Verbraucherzentrale zur ursprünglichen Website

Plakative Werbung mit „wissenschaftlich belegter“ Bioverfügbarkeit: Tatsächlich gibt es eine Studie, die zeigt, dass die Nährstoffe im Blut ankommen. Ihre Aussagekraft ist allerdings begrenzt. Außerdem müssen zugesetzte oder beworbene Vitamine und Mineralstoffe grundsätzlich bioverfügbar sein. Das ist gesetzlich vorgeschrieben und keine besondere Eigenschaft von LaVita.
Die Werbung, dass die untersuchten Nährstoffe „am Wirkort – der Zelle“ ankommen, ist missverständlich. Einen falschen Eindruck vermitteln auch die angeblichen „Details dieser Studie“. 

Darum geht’s:

Auf lavita.com im Menüpunkt „Studien und Untersuchungen“ bewirbt LaVita die wissenschaftlich belegte Bioverfügbarkeit. Zur Studie heißt es:

  •  „Die Bioverfügbarkeit gibt an, wie schnell und in welchem Umfang die Vitamine und Spurenelemente aufgenommen werden und am Wirkort – der Zelle – zur Verfügung stehen. Im Rahmen dieser international publizierten Studie wurden die Blutwerte von 106 offensichtlich gesunden freiwilligen Testpersonen, die täglich 2x 10 ml LaVita eingenommen hatten, über einen Zeitraum von sechs Monaten untersucht.“ 
  • „Gleichzeitig sollte untersucht werden, ob die Stoffe auch in die Zelle aufgenommen werden und so aktiv ins Stoffwechselgeschehen eingreifen können.“

Die Studie stammt aus 2015 und ist verlinkt. 

Darunter folgt der Titel „Details dieser Studie“. Unter anderem zu Punkten wie „Langfristige Verbesserung des Blutstatus“, „Immunsystem“ und „Müdigkeit & Regeneration“ führt die Firma jeweils „die Ergebnisse der Studie“ und „die Bedeutung für den Menschen“ auf. 

  •  „Langfristige Verbesserung des Blutstatus
    Die Ergebnisse der Studie
    Alle gemessenen Blutwerte (Vitamin A, B1, B2, B3, B5, B6, B12, E, K, Folsäure, Biotin, Eisen, Chrom, Zink, Selen, Coenzym Q10, L-Carnitin sowie Beta-Carotin) mit Ausnahme von Kupfer stiegen im Verlauf der Studie deutlich, größtenteils hochsignifikant.“
    „Die Bedeutung für den Menschen Dieses Ergebnis beweist die Bioverfügbarkeit, die für alle Stoffgruppen – Vitamine, Spurenelemente, sekundäre Pflanzenstoffe, Vitaminoide – messbar war.“
  • „Immunsystem
    Die Ergebnisse der Studie 
    Folgende für das Immunsystem relevanten Vitalstoffe und deren Verlauf wurden gemessen: Zink, Vitamin B6, B12, Selen hochsignifikant erhöht; Folsäure, Eisen signifikant erhöht.“
    „Die Bedeutung für den Menschen 
    Die gute Verfügbarkeit dieser Vitalstoffe ist eine wichtige Voraussetzung für deren Einfluss auf das Immunsystem. So ist wissenschaftlich bewiesen: Eisen, Folsäure, Selen, Vitamin B6, B12 und Zink tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.“
  • „Müdigkeit & Regeneration
    Die Ergebnisse der Studie
    Folgende gegen Müdigkeit und Ermüdung relevanten Vitalstoffe und deren Verlauf wurden gemessen: Vitamin B2, B6, B12, Biotin, hochsignifikant erhöht; Folsäure, Eisen, Niacin signifikant erhöht; Pantothensäure erhöht.“
    „Die Bedeutung für den Menschen
    Die gute Verfügbarkeit dieser Vitalstoffe ist die Grundlage für deren Effektivität gegen Müdigkeit und Ermüdung. Zudem untermauert sie deren Bedeutung für die Regeneration und gegen Ermüdung. So ist wissenschaftlich bewiesen: Eisen, Folsäure, Niacin, Vitamin B2, B6, B12 und Pantothensäure tragen zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei.“

Der Verbraucher kritisiert die Qualität der Studie und die Aussage, dass die Konzentration in den Zellen erhöht wäre, was nicht ausreichend untersucht sei.

Das ist geregelt: 

Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über die Eigenschaften und die Zusammensetzung. Das ist ein wesentlicher Grundsatz in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Außerdem müssen freiwillig bereitgestellte Informationen auf einschlägigen wissenschaftlichen Daten beruhen.

In der EU-Anreicherungsverordnung steht, welche Vitamin- und Mineralstoffverbindungen Hersteller in Lebensmitteln zusetzen dürfen. Diese Liste stellt sicher, dass zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe bioverfügbar sind. Andere als die in dieser Liste stehenden Verbindungen sind nicht erlaubt.

Nach der Health-Claims-Verordnung (HCVO) dürfen Hersteller nur dann mit einem Nährstoff werben, wenn dieser in ihrem Produkt für den Körper verwertbar ist. Die Bioverfügbarkeit ist damit eine Grundvoraussetzung für gesundheitsbezogene Angaben. 

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

LaVita wirbt vollmundig mit einer wissenschaftlich belegten Bioverfügbarkeit ihres Produkts. Doch die Studie hat eine begrenzte Aussagekraft. So gibt es beispielsweise keine Kontrollgruppe und neben den ursprünglichen Blutwerten wurden nur zwei weitere Blutproben über einen Zeitraum von sechs Monaten ausgewertet. Unabhängig davon ist das Ergebnis nicht überraschend. Denn Nährstoffe müssen in einer bioverfügbaren Form eingesetzt werden. Das legt die Anreicherungsverordnung bereits fest und erlaubt deshalb nur bestimmte Vitamin- und Mineralstoffverbindungen. Die Bioverfügbarkeit ist auch eine Voraussetzung, um Nährstoffe in Lebensmitteln bewerben zu dürfen. Der Umfang der Resorption kann zwar unterschiedlich sein, also wieviel von der eingenommenen Menge vom Darm aufgenommen wird. Über die Resorptionsrate macht die Studie aber keine Aussage. 

Dass die Nährstoffe „am Wirkort – der Zelle – zur Verfügung stehen“, ist aus der Studie allerdings nicht abzuleiten. Denn die Wirkorte von Nährstoffen im Körper sind Zellen in Geweben und Organen. Untersucht wurde aber das Blut, zum Teil auch rote Blutkörperchen. Der Text auf der Website vermittelt einen anderen Eindruck. 

Unter „Details zu dieser Studie“ stehen Überschriften wie „Immunsystem“ oder „Müdigkeit und Regeneration“. LaVita schreibt hier: „So ist wissenschaftlich bewiesen: Eisen, Folsäure, Selen, Vitamin B6, B12 und Zink tragen zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.“ Die LaVita-Studie hat diese Wirkungen jedoch nicht bewiesen. Denn bei den Aussagen handelt es sich um die standardmäßigen, zugelassenen Gesundheitsangaben, die alle Hersteller von entsprechend angereicherten Lebensmitteln verwenden können. Das wird aber nicht deutlich.

Fazit:

Lavita sollte nicht übertrieben mit einer Studie werben, wenn diese nur eine begrenzte Aussagekraft hat. Außerdem sollte die Firma Bioverfügbarkeit nicht als eine Besonderheit herausstellen, die für zugesetzte Nährstoffe selbstverständlich ist. Die Firma sollte eigene Studienergebnisse klar trennen von allgemein zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben.

Stellungnahme der Lavita GmbH, Kumhausen

Auf das Schreiben von Lebensmittelklarheit hat die Firma reagiert. Sie hat keine Stellungnahme abgegeben.

Getäuscht?

Ergebnis

Die Firma LaVita hat die Ausführungen zur Studie stark zusammengekürzt. Insbesondere vermittelt sie nicht mehr den Eindruck, dass die Studie die Wirkungen der Nährstoffe im Körper bewiesen hätte. Die Firma führt nun allerdings genauer aus: „Die Studie konnte beweisen, dass LaVita nicht nur alle wichtigen Vitamine und Spurenelemente enthält, sondern dass diese auch vom Körper verwertet werden und am Ende dort ankommen, wo sie gebraucht werden: in der menschlichen Zelle.“ Diese Aussage sieht Lebensmittelklarheit nach wie vor kritisch.