Von wegen gesund: Viel Zucker in Nahrungsergänzungs-Fruchtgummi
Nahrungsergänzungsmittel (NEM) in Form von Gummibonbons liegen im Trend. Doch in den vermeintlich gesunden Gummis steckt häufig viel Zucker. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart fand in jeder zweiten von 18 Proben erhebliche Zuckermengen. Problematisch ist: Die Zuckermenge muss bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht gekennzeichnet werden.
Ob zum Abnehmen, als Einschlafhilfe oder Immunbooster: Hersteller von NEM-Gummis werben häufig mit Wirkungen auf die Gesundheit. Verbraucher:innen würden die Bonbons daher auch als gesunde Süßigkeit oder als leckere und praktische Alternative zu Tabletten oder Kapseln wahrnehmen, so das CVUA.
Nahrungsergänzungsmittel sind keine Süßigkeiten
Rechtlich gesehen sind die vermeintlich gesunden Fruchtgummis aber keine Süßigkeiten, sondern Nahrungsergänzungsmittel. Diese zählen zwar als Lebensmittel, sind aber ausschließlich dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung zu ergänzen. Sie enthalten ein Konzentrat von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit „ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung“. Nahrungsergänzungsmittel müssen in dosierter Form mit einer empfohlenen täglichen Verzehrsmenge angeboten werden.
Das CVUA Stuttgart weist darauf hin, dass NEM-Gummis nicht als Süßigkeit oder „zum Naschen“ beworben werden dürfen. Denn eine solche Bewerbung lege einen beliebigen Verzehr nahe. Stattdessen sind verschiedene Hinweise Pflicht, beispielsweise die Warnung, dass die angegebene tägliche Verzehrsmenge nicht überschritten werden darf sowie der Hinweis, dass die Produkte außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern zu lagern sind.
Übliche Nährwerttabelle darf fehlen
Problematisch ist: Im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln müssen Nahrungsergänzungsmittel keine Nährwerttabelle tragen. Stattdessen müssen Anbieter nur die Stoffe mit physiologischer Wirkung kennzeichnen – das sind beispielsweise die enthaltenen Vitamine und Mineralstoffe. Die Mengen an Zucker, Fett oder Kaorien hingegen bleiben im Dunkeln. Bei den meisten Nahrungsergänzungsmitteln ist das kein Problem, denn die Aufnahmemenge ist gering.
Anders bei Nahrungsergänzung in Form von Gummibonbons. Hier könne der Zuckergehalt durchaus relevant sein, schreibt das CVUA in seinem Untersuchungsbericht. In der aktuellen Untersuchung enthielten 9 von 18 Proben Zucker, die anderen neun Proben waren zuckerfrei und mit Süßungsmitteln wie Maltit, Sorbit und Erythrit gesüßt.
Jede zweite Probe mit 40 bis 60 Prozent Zucker
Der Zuckergehalt der zuckerhaltigen Gummis lag zwischen 40 und 60 Gramm pro 100 Gramm. Je nach empfohlener Tagesdosis liefern die Gummis bis zu zehn Gramm Zucker am Tag. Das entspreche 20 Prozent der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Obergrenze für die tägliche Zuckermenge, schreibt das CVUA.
Da die Zuckermenge nicht gekennzeichnet werden muss, empfiehlt das CVUA einen Blick ins Zutatenverzeichnis: Stehen Begriffe wie „Zucker“ oder „Glukosesirup“ an den ersten Positionen, sei der Zuckergehalt hoch. Um die Zuckermenge abzuschätzen, könnten Verbraucher:innen bei solchen Produkten von einem Zuckergehalt von etwa 50 Prozent ausgehen. Wer zuckerfreie Alternativen bevorzugt, könne auf Hinweise wie „zuckerfrei“ oder die Verwendung von Süßungsmitteln im Zutatenverzeichnis achten.
Aus Sicht von Lebensmittelklarheit sind Gummibonbons keine geeignete Form für Nahrungsergänzungsmittel, da die Bonbonform und der -geschmack an Süßigkeiten erinnern und zu einem höheren Konsum verleiten können.
Quelle: „Gesund naschen!? – Nahrungsergänzungsmittel in Gummiform im Zuckercheck“ – Online-Meldung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamts Stuttgart vom 20.08.2026
Hinweis: Unsere Kurzmeldungen geben grundsätzlich den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Sie werden in der Regel nicht aktualisiert.
Der leichtsprachliche Text wurde übersetzt von:
Isabella von Luxburg,
luxburg@leichtzulesen.org,
www.leichtzulesen.org,
Mitglied im Netzwerk Leichte Sprache e.V.
Der Text wurde geprüft durch die Prüflesegruppe:
Menschen mit Lernschwierigkeiten Zentrum Leichte Sprache Allgäu,
https://www.kjf-augsburg.de/angebote-leistungen/weitere-angebote/zentrum-leichte-sprache/
Haben Sie auch eine Frage? Unsere Redaktion antwortet.




