Werbung mit frischen Zitronen und feinem Fruchtgeschmack weckt falsche Erwartungen
Über diese Aussagen/Bilder ärgern sich Verbraucher:innen.
Zusammenfassung
Die „Geriebene Zitronenschale“ von Dr. Oetker enthält nicht nur als Zugabe Traubenzucker und Aroma, sondern ist eine Mixtur aus überwiegend Traubenzucker, Zitronenschale, Zitronenöl, Aroma und fünf Zusatzstoffen. Die Gestaltung der Schauseite verspricht ein weniger verarbeitetes Produkt.
Dr. Oetker sollte den Produktnamen und die Werbung auf der Schauseite an die tatsächliche Zusammensetzung anpassen oder die Rezeptur ändern.
Beschwerde
Ich habe kürzlich die Zitronenschale von Dr. Oetker gekauft, in der Erinnerung, dass es da verschiedene Qualitäten gibt und die von Oetker als "Marke" vermutlich vernünftig ist. Leider war ich sehr verärgert, als ich das gefärbte Zuckerpulver vor-fand. Natürlich in erster Linie über mich selbst, weil ich nicht genau hingeschaut habe. Ich habe gesehen, dass es dazu bereits 2014 einen Artikel gab, den können Sie gerne aus dem Archiv nehmen, seitens Oetker hat sich da nichts geändert. Ich finde es ein Unding, dass hier in Großbuchstaben Zitronenschale und gute Qualität beworben werden können.
Verbraucherin aus Köln vom 02.12.2025
Sehr erstaunt haben mich auch die weiteren Zutaten L-Cysteinhydrochlorid, Trennmittel E 341, Antioxidationsmittel (E 300, E 304), Konservierungsstoff E 200 und Farbstoff E 101. Ein Alternativprodukt eines anderen Herstellers beinhaltet kei-ne Zusatzstoffe.
Verbraucher aus Bayreuth vom 05.10.2014
Einschätzung der Verbraucherzentrale
Es ist ein Unding 60 Prozent Zucker mit 36 Prozent Zitronenschale und Zitronenöl unter dem Produktnamen „Geriebene Zitronenschale“ zu verkaufen.
Darum geht’s:
Auf der Schauseite springt die Abbildung einer Zitrone mit etwas abgeriebener Schale ins Auge. Daneben steht ein Logo mit dem Text "Aus frischen Zitronen – für besonders feinen Fruchtgeschmack". Der groß geschriebene Produktname „Geriebene Zitronenschale“ wird ergänzt durch den sehr viel kleiner geschriebenen Hinweis “mit Dextrose, aromatisiert“.
Laut Zutatenliste besteht das Produkt aus 60 % Dextrose, 36 % zerkleinerten teilentwässerten Zitronenschalen, 1,4 % Zitronenöl, Aroma und fünf Zusatzstoffen. Gut 60 % der Zutaten stammen also nicht aus Zitronen und sorgen weder für einen fei-nen noch für überhaupt einen Fruchtgeschmack.
Das ist geregelt:
Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über die Zusammensetzung eines Lebensmittels. Das ist ein wesentlicher Grundsatz in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV).
So sieht’s die Verbraucherzentrale:
Die Backzutat heißt zwar „Geriebene Zitronenschale mit Dextrose, aromatisiert“, so dass weitere Zutaten zu erwarten sind. Dass jedoch Zitronenschale eine Nebenrolle und Zucker die Hauptrolle spielt, muss niemand erwarten. Die Herausstellung von Zitronenschale in Bild und Wort und die Zutatenliste stehen in krassem Widerspruch zueinander.
Fazit:
Dr. Oetker sollte den Produktnamen und die Werbung auf der Schauseite an die tatsächliche Zusammensetzung anpassen oder die Rezeptur ändern.
Stellungnahme der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KL, Bielefeld
Kurzfassung:
Die Kennzeichnung ist sehr transparent und enthält alle Informationen über das Produkt, die für den Verbraucher wichtig sind. Dextrose ist zur besseren Dosierung der geschmacksintensiven Zitronenschale enthalten. Die Zusatzstoffe gleichen naturbedingte Schwankungen aus und sorgen für gleichbleibende Qualität.
Ergebnis
Lebensmittelklarheit hat die Kennzeichnung der erstmals im Jahr 2014 gemeldeten Verpackung im Jahr 2025 aufgrund einer erneuten Verbraucherbeschwerde geprüft: Dr. Oetker hat kleine Änderungen vorgenommen, beispielsweise lautet die Werbung auf der Schauseite anstelle von „für besonders natürlichen Fruchtgeschmack“ nun „für besonders feinen Fruchtgeschmack“. Außerdem hat die Firma „natürliches Zitronenaroma“ durch „1,4 % Zitronenöl und Aroma“ ersetzt. Diese „kosmetischen“ Maßnahmen ändern nichts daran, dass der Produktname „Geriebene Zitronenschale“ nicht zu einem Produkt mit 60 % Traubenzucker passt. Dass die Firma den Begriff Dextrose statt Traubenzucker verwendet, dürfte unserer Ansicht nach eher noch mehr Verbraucher:innen in die Irre führen, die nicht wissen, dass Dextrose ein anderes Wort für Traubenzucker ist.



