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Nahrungsergänzungsmittel: Diese Angaben gehören aufs Etikett

Himbeere © atoss - fotolia.com, Schachtel © Pack - fotolia.com, Tabletten © Denchik - fotolia.com

Nahrungsergänzungsmittel enthalten Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe oder andere Stoffe mit ernährungsphysiologischer Wirkung in konzentrierter Form. Sie werden in arzneimitteltypischer Form als Kapseln, Tabletten oder Pulver angeboten.

Rechtlich gesehen handelt es sich aber nicht um Medikamente, sondern um Lebensmittel.

Im Gegensatz zu Arzneimitteln durchlaufen sie daher auch kein Zulassungsverfahren, bei dem die Wirksamkeit und die gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft werden.

Nahrungsergänzungsmittel sind grundsätzlich dazu bestimmt, die Ernährung zu ergänzen. Sie sind nicht zur Vorbeugung, Heilung oder Linderung von Erkrankungen bestimmt.

Man bekommt sie in Supermärkten, Drogerien, aber auch in Apotheken. Nahezu unüberschaubar ist das Angebot im Internet. Dort sind die herkömmlichen Vitamintabletten inzwischen eher ins Abseits geraten. Mit den exotisch klingenden Namen von Substanzen wie Baobab, Chondroitin, Sango Korallen und Schizandra lassen sich offenbar besser Kunden gewinnen.

Umfangreiche Informationen auf der Verpackung

Zunächst gelten für Nahrungsergänzungsmittel dieselben Kennzeichnungsvorschriften wie für Lebensmittel generell. Darüber hinaus gibt es aber einige besondere Pflichtkennzeichnungen.

Diese Angaben müssen Sie auf der Verpackung finden können:

  1. die Bezeichnung „Nahrungsergänzungsmittel“
  2. die charakteristischen Nährstoffe und sonstigen Stoffe, zum Beispiel „mit Calcium und Vitamin D“ oder "mit Lutein"
  3. Zutatenliste
  4. eine Angabe der empfohlenen täglichen Verzehrsmenge
  5. einen Warnhinweis: „Die angegebene empfohlene tägliche Verzehrsmenge darf nicht überschritten werden“
  6. den Hinweis, dass Nahrungsergänzungsmittel kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung sind
  7. einen Hinweis zur Aufbewahrung außerhalb der Reichweite von Kindern
  8. Nährwertangaben und Angaben zur Bedarfsdeckung in Prozent pro Tagesmenge
  9. das Mindesthaltbarkeitsdatum
  10. die Mengenangabe
  11. den Namen oder die Firma und Adresse des Herstellers.

Wirkstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln

Vergleichsweise gut geregelt sind Vitamine und Mineralstoffe. Hierfür ist EU-weit einheitlich festgelegt, welche Substanzen für Nahrungsergänzungsmittel verwendet werden dürfen. Allerdings gelten für die Anreicherung weder Höchst- noch Mindestmengen.

Darüber hinaus darf aber eine Vielzahl weiterer Stoffe eingesetzt werden, wie Bioflavonoide, Fettsäuren, Carnitin oder pflanzliche Stoffe aus Grüntee, Traubenkernen, Knoblauch oder Gingko. Voraussetzung ist, dass sie keine arzneimittelähnliche Wirkung haben.

Werbung für Pillen und Kapseln

Grundsätzlich müssen die Aussagen zur Wirksamkeit zutreffend sein: Käufer dürfen nicht getäuscht werden. Um Verbraucher vor falschen oder übertriebenen Versprechen zu schützen, werden gesundheitsbezogene Angaben aber besonders streng geregelt.

Für Vitamine, Mineralstoffe und einige andere Substanzen gilt bereits: Was nicht erlaubt ist, ist verboten. Eine Liste mit 229 Werbeaussagen zu gesundheitsbezogenen Angaben ist EU-weit zugelassen. Beispielsweise existieren 15 verschiedene zulässige Aussagen allein für Vitamin C wie etwa „trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei“ oder „trägt dazu bei, Zellen vor oxidativem Stress zu schützen“ oder, dass Vitamin C die Eisenaufnahme erhöht.

Leider fehlt noch für fast alle Pflanzenstoffe, beispielsweise Gingko oder Weizengraspulver, eine wissenschaftliche Bewertung – über 1500 Werbeaussagen sind noch zu überprüfen. Solange die Liste zugelassener Angaben für diese Stoffe fehlt, sind vermutlich viele Werbeversprechen im Umlauf, die die Anforderungen eines wissenschaftlichen Nachweises nicht erfüllen.

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel. Als solche dürfen sie nur in Verkehr gebracht werden, wenn sie sicher sind. Leider sind die gesetzlichen Vorschriften dazu noch lückenhaft.

Erfreulich ist, dass bisher rund 80 Prozent der von Anbietern eingereichten Werbeaussagen abgelehnt wurden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, die die Anträge prüft, legt offensichtlich strenge Kriterien an.

Allerdings sind für Vitamine und Mineralstoffe zahlreiche Werbeaussagen zugelassen. Dadurch kann leicht der Eindruck entstehen, dass sich zusätzliche Nährstoffe insgesamt positiv auf die Gesundheit auswirken. Für die Allgemeinbevölkerung sind Nahrungsergänzungsmittel jedoch in der Regel überflüssig.

Eine unerfreuliche Auswirkung zeichnet sich außerdem jetzt schon ab: Statt Substanzen mit zweifelhafter Wirkung nicht mehr zu verkaufen, verwenden Hersteller zusätzlich Nährstoffe – meist Vitamine – mit zugelassenen Werbeaussagen und verkaufen ihr Produkt weiter wie bisher.

Beispielsweise ist für Cranberry-Extrakte eine Werbung mit der Blasengesundheit nicht mehr erlaubt. Einige Firmen setzen den Produkten nun aber Nährstoffe wie Vitamin C und Selen zu und werben dann zum Beispiel: „Für den Zellschutz einer gesunden Blase“.

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Letzte Änderung 
8. April 2016