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Gesundheitsbezogene Werbung – Werbeversprechen unter Kontrolle

Rubrik 
Gesundheit + Nährwert

© manu - Fotolia.com

Viele Lebensmittel versprechen eine Extraportion Gesundheit. Seit Ende 2012 darf für Lebensmittel nur noch mit von der EU erlaubten Gesundheitsslogans geworben werden. Alle anderen Werbeaussagen zur Gesundheit sind verboten. Wenn Gesundheitswerbung erlaubt ist, heißt das aber nicht automatisch, dass die damit beworbenen Lebensmittel sinnvoll oder notwendig sind.

Label stärkt Ihre Verdauung

Wohl nur wenige Menschen können von sich behaupten, immer gesund und abwechslungsreich zu essen. Da kommen Lebensmittel, die für einen angeblichen Ausgleich sorgen, wie gerufen. 2006 hat die EU beschlossen, dem Wildwuchs an nicht beweisbaren Aussagen zur Gesundheit ein Ende zu setzen; die so genannte Health-Claims-Verordnung, eine Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben, trat in Kraft. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit wurde beauftragt, die Werbeversprechen zu überprüfen. Aufgrund der großen Anzahl von Anträgen hat es fünf Jahre gedauert, bis die EU im Mai 2012 eine Liste mit 222 erlaubten gesundheitsbezogenen Aussagen veröffentlicht hat. Diese Liste wird seither fortlaufend erweitert.

Erlaubte gesundheitsbezogene Aussagen

Zugelassen hat die EU überwiegend Werbung für Vitamine und Mineralstoffe. Hersteller, die bestimmte Mengen zusetzen, dürfen zum Beispiel damit werben, dass Vitamin C zur normalen Funktion des Immunsystems beiträgt oder Calcium für die Erhaltung normaler Knochen benötigt wird. Das gilt für alle Arten von Lebensmitteln, also auch für Nahrungsergänzungsmittel.

Auch auf die positive Wirkung von Ballaststoffen aus Roggen für die Verdauung dürfen die Hersteller hinweisen. Ebenso dürfen sie damit werben, dass der Zusatz bestimmter Fettsäuren sich auf den Blutfettspiegel auswirkt und dass sie die normale Sehkraft und die Gehirnfunktion unterstützen. Auch die Aussagen, dass Phytosterine den Cholesterinspiegel senken und Wasser die Körpertemperatur reguliert, sind erlaubt..

Verbotene gesundheitsbezogene Aussagen

Für viele eingereichte Aussagen konnte kein Nachweis erbracht werden. Folgende Aussagen sind beispielsweise inzwischen verboten:

  • Glucosamin für gesunde Knochen und Gelenke
  • Cranberry zur Förderung der Blasengesundheit
  • Probiotische Joghurts wirken positiv auf das Immunsystem

Wie die Hersteller mit den Claims umgehen

Claim "Senkt den Cholesterinspiegel"

Hersteller bedienen sich der langen Liste an erlaubten Aussagen anders als ursprünglich gedacht: Jeder kann im Prinzip seine Produkte mit positiven Wirkungen auf das Immunsystem, "die Zellen" oder die Verdauung bewerben – er muss nur die richtigen Vitamine, Mineralstoffe oder sonstige in der Liste erwähnten Substanzen einsetzen.

Andere Hersteller nutzen die Positivliste als Alibifunktion. Produkte mit einem abgelehnten Claim werden nun zusätzlich mit Stoffen versetzt, für die die gewünschte Werbeaussage gestattet ist. Für einen Joghurt mit probiotischen Bakterien ist der Slogan "Stärkung des Immunsystems" beispielsweise nicht mehr erlaubt. Ein Hersteller kann den Joghurt aber kurzerhand mit den Vitaminen B6 und D aufpeppen und wieder auf das Immunsystem hinweisen. Denn in Zusammenhang mit diesen Vitaminen ist der Claim erlaubt: "trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei".

Allerdings sind Firmen relativ eng an die Textvorgabe der EU gebunden, ein anderer als der zugelassene Gesundheitsbezug darf dabei nicht entstehen. Eine "Stärkung des Immunsystems" ist deutlich mehr als ein „Beitrag zu einer normalen Funktion des Immunsystems“. Solche „Übertreibungen“ sind nicht erlaubt.

Was die Claims für Verbraucher bedeuten

Die meisten der anerkannten Auslobungen beziehen sich auf Nährstoffe, mit denen die Bevölkerung in der Regel hinreichend versorgt ist. Durch die Claims werden Verbraucher unnötig verunsichert – eigentlich nicht das, was die EU mit ihrer Verordnung erreichen wollte.

Ob Verbraucher die zugelassenen Claims richtig verstehen und wie sich die Werbebotschaften und Aufdrucke auf den Verpackungen auf die Ernährungsweise auswirken, muss von der EU-Kommission untersucht werden – so sieht es die Verordnung vor.

Drohende Überversorgung

Fest steht, dass derartige Lebensmittel für eine gesunde Ernährung unnötig sind. Im Gegenteil: Wer ständig zu angereicherten Produkten greift, der riskiert damit unter Umständen eine Überversorgung mit bestimmten Stoffen. Dies ist keineswegs so unproblematisch, wie allgemein angenommen wird. Es mehren sich die Hinweise, dass ein Zuviel an zugesetzten Vitaminen eher schadet als nützt.

Damit beworbene Produkte auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch die entsprechende Menge an Vitaminen enthalten, wird zudem oft mehr zugesetzt, als auf der Verpackung angegeben ist. Besonders bei Säften, von denen oft mehr als ein Glas am Tag getrunken wird, kann die sichere Obergrenze für die Zufuhr überschritten werden.

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Zwar wurde mit der jetzigen Positivliste dem Wildwuchs an unbewiesenen Aussagen Einhalt geboten, doch vieles ist noch ungeregelt. Es gibt beispielsweise auch weiterhin keine Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Lebensmitteln.

Verbraucher sind jedoch damit überfordert, selbst einzuschätzen, ob das eigene Essverhalten bereits zu einer Überversorgung führt oder nicht. Auch fehlt ein schlüssiges Konzept, um zu bewerten, wie mit vielen verschiedenen Stoffen angereicherte Lebensmittel wirken und wie Verbraucher vor eventuellen negativen Folgen dieser Nährstoffcocktails geschützt werden können.

Und ein Kernpunkt der Verordnung steht noch aus: die Festlegung der sogenannten Nährwertprofile. Die Health-Claims-Verordnung sieht vor, dass ernährungsphysiologisch ungünstige Lebensmittel nicht mit dem positiven Image "Gesundheit" werben dürfen. Die Nährwertprofile sollen Höchstwerte für Zucker, Fett und Salz festlegen. Werden diese überschritten, soll auch keine gesundheitsbezogene Werbung auf der Verpackung stehen.

Doch unter dem Einfluss der Lebensmittelindustrie ruht die Diskussion seit Jahren. So können Hersteller derzeit auch Fett- und Zucker-"Bomben" mit Vitaminen anreichern und ihnen deshalb einen gesunden Anstrich verpassen. Deshalb fordert die Verbraucherzentrale,

  • dass endlich Nährwertprofile festgelegt werden, die bereits seit Anfang 2009 ausstehen. Ohne Nährwertprofile bieten die gesundheitsbezogenen Angaben keine sinnvolle Verbraucherinformation,
  • dass Höchstmengen für die Anreicherung mit Mikronährstoffen festgelegt werden.

Quelle: Verbraucherzentrale.de

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Letzte Änderung 
5. März 2015