Skip to content Skip to navigation

Schriftgröße

-A +A

„Heumilch“ – eine EU-weit geschützte Bezeichnung

Heu fressende Rinder
© ellisia - fotolia.com

Heumilchwirtschaft ist eine traditionelle Form der Milcherzeugung. Der wesentliche Unterschied zur konventionellen Milch besteht darin, dass die Milchkühe keine Gärfuttermittel (Silage) erhalten. Dagegen setzte die industrialisierte Landwirtschaft seit den 1960er Jahren zunehmend auf die Produktion von Silagen und verdrängte so die Heuwirtschaft.

Eine silagefreie Fütterung wirkt sich positiv auf den Geschmack der Milch und ihre Eignung zur Herstellung von Hartkäse aus.

Im März 2016 hat Heumilch das EU-Zeichen „garantiert traditionelle Spezialität“ (g. t. S.) erhalten. Dafür müssen Produzenten verbindliche Standards einhalten, vor allem eine silofreie Fütterung ohne Gentechnik.

Das „Heumilchregulativ“ besteht aus zahlreichen Einzelvorschriften, überwiegend zur Fütterung der Milchkühe.

Diese besteht im Wesentlichen aus:

  • im Sommer: frische Gräser, Leguminosen (Hülsenfrüchte), Kräuter
  • im Winter: Heu
  • außerdem weiteres Raufutter wie Grünraps, Grünmais, Grünroggen und Futterrüben sowie Heu-, Luzerne- und Maispellets

In einem geringeren Anteil sind zusätzliche Futtermittel wie Getreidemischungen erlaubt.

Zu den verbotenen Futtermitteln zählen zum Beispiel Silage, Feuchtheu oder Gärheu, Nebenprodukte von Brauereien, Mostereien und Brennereien, Futtermittel tierischen Ursprungs mit Ausnahme von Milch und Molke für Jungvieh.

Verboten ist außerdem Futter, das nach den geltenden Rechtsvorschriften als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden muss.

Weitere Vorschriften betreffen unter anderem die Düngung und den Pflanzenschutz.

Die Standards gelten EU-weit für die Bezeichnung „Heumilch“ und die Bezeichnungen „Haymilk“/„Latte fieno“/„Lait de foin“/„Leche de heno“.

Es gilt noch eine Übergangsfrist bis zum 22. März 2018.

Einschätzung der Verbraucherzentrale

Bisher war die Bezeichnung „Heumilch“ nicht geregelt. Produzenten konnten die Kriterien dafür weitgehend selbst festlegen. Verbindliche Standards sind daher eine deutliche Verbesserung.

Das Gütesiegel „garantiert traditionelle Spezialität“ (g.t.S.) kann allerdings leicht mit den EU-Herkunftszeichen „geschützte geografische Angabe (g.g.A)“ und „geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.)“ verwechselt werden (siehe „weitere Informationen“).

Es sagt aber nur etwas über die traditionelle Herstellung, nichts über die Herkunft aus.

Solche Verwechslungsmöglichkeiten sind immer ungünstig zu bewerten, denn sie können bei Kunden falsche Erwartungen wecken.

Das Siegel „garantiert traditionelle Spezialität“ ist kaum verbreitet. Andere Beispiele für Lebensmittel mit dem Siegel sind Mozzarella und Pizza Napoletana.

Wie informativ fanden Sie diesen Beitrag? 
Durchschnitt: 4.2 (39 Stimmen)
Letzte Änderung 
12. Mai 2016