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„Bezeichnung“ eines Lebensmittels – wichtige Information im Kleingedruckten

Rubrik 
Kennzeichnung

Tetrapak mit Fragezeichen
© Vadym Tynenko - Fotolia.com

Sie fristet ein bescheidenes Dasein, oftmals auf der Rückseite der Verpackung, direkt vor der Liste der Zutaten und in derselben winzigen Schriftgröße – und wird deshalb in ihrer Bedeutung unterschätzt.

Dabei ist gerade die Bezeichnung – früher „Verkehrsbezeichnung“ genannt – ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, ob die Lebensmittelüberwachung ein Produkt beanstandet, die Verbraucherzentrale eine Firma abmahnt oder ein Gericht über Täuschung entscheidet. Denn sie gibt Auskunft darüber, um welche Art Lebensmittel es sich handelt und welche besonderen Eigenschaften es hat.

Der Name ist keine Bezeichnung

Der häufig durch die Werbung hervorgehobene Name eines Lebensmittels darf der Fantasie der Firmen entspringen und muss keinerlei Aussage zum Lebensmittel machen: „Monsterbacke“, „Twix“, „Capri Sonne“ – Hauptsache, es klingt gut.

Bei der Bezeichnung ist Kreativität dagegen Tabu. Sie muss nüchtern und korrekt klarstellen, welches Lebensmittel sich hinter dem bunten Namen verbirgt: „Milchmischgetränk aus Magermilch mit Erdbeergeschmack, wärmebehandelt (sterilisiert)“ oder „Löslicher Bohnenkaffee mit Kaffeeweißer und Rohrzucker“.

Häufig unbeachtet und meist unterschätzt

Die Bezeichnung kann leicht übersehen werden, denn sie ist vielfach unscheinbar im Kleingedruckten untergebracht. Wenn sich aus der Aufmachung des Lebensmittels ergibt, worum es sich handelt, erscheint das Suchen und Lesen der Bezeichnung zudem unnötig. Oft bringt sie außerdem nicht die gewünschte Information: Bei „Knusperchips“ oder „Dessertpulver“ bleibt die Art des Lebensmittels beispielsweise nach wie vor weitgehend unklar.

Mehr Schein als Sein

Der Schein eines Lebensmittels kann jedoch trügen: Was sich auf der Vorderseite als „Erdbeermilch“ präsentiert, entpuppt sich im Zutatenverzeichnis als zuckrige Milchmischung mit Aroma. Ein Produkt, das wie Kräuterfrischkäse aussieht, ist tatsächlich angedickte Sahne, und der mutmaßliche Trinkjoghurt in Wirklichkeit ein gesüßtes und aromatisiertes Wasser-Magermilch-Gemisch.

Die Bezeichnung beim Einkauf liefert einen ersten Hinweis auf die tatsächliche Beschaffenheit des Lebensmittels: „mit Erdbeergeschmack“, „Sahnecreme“, „Getränk mit Magermilch“. Wer dann stutzig wird, erhält weitere Informationen in der Zutatenliste. Diese bestätigt beispielsweise: Das Getränk enthält keine einzige Erdbeere und der Brotaufstrich keinen Frischkäse.

Das soll die Bezeichnung leisten

Die Bezeichnung soll die wichtigsten Eigenschaften eines Lebensmittels nennen, damit die Art des Produktes leicht erkennbar ist und eine Verwechslung mit vergleichbaren Erzeugnissen ausgeschlossen wird. Jedes verpackte Lebensmittel (Fertigpackung) muss daher eine Bezeichnung tragen.

Sie soll

  • an gut sichtbarer Stelle stehen,
  • gut lesbar sein und
  • eine vorgegebene Mindestschriftgröße einhalten.

Außerdem darf sie nicht durch andere Angaben oder Bildzeichen oder sonstiges eingefügtes Material verdeckt oder undeutlich gemacht oder getrennt werden.

Für manche Produkte ist die Bezeichnung in einer Rechtsvorschrift festgelegt, zum Beispiel für Fruchtsaft, Margarine oder Milch. Dann muss diese auch verwendet werden. Vielfach sind anerkannte Bezeichnungen auch in den Leitsätzen der Deutschen Lebensmittelbuchkommission beschrieben. Dazu gehören z.B. „Salami“, „Leberwurst“, „Schwarzwälder Kirschtorte“ und „Hering in Gelee“. Gibt es keine Vorgaben, so wählen Anbieter selbst eine Bezeichnung.

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Bezeichnung auf die Vorderseite

Verbraucher sollten die wesentlichen Produkteigenschaften von Lebensmitteln auf den ersten Blick erkennen können. Daher fordern die Verbraucherzentralen, dass die Bezeichnung immer klar und deutlich auf der Vorderseite der Verpackung stehen muss.

Die Möglichkeit, bei nicht rechtlich festgelegten Bezeichnungen eine beschreibende Bezeichnung des Lebensmittels selbst wählen zu können, nutzen einige Firmen zudem zu Werbezwecken. Wohlklingende, aber wenig informative Beschreibungen erfüllen aber den Zweck einer klaren Bezeichnung nicht und sollten von der Lebensmittelüberwachung beanstandet werden.

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Letzte Änderung 
25. März 2015