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Milram cremig-würziger Müritzer

 

Vorne „ein Stück Mecklenburg-Vorpommern“, hinten Hinweise auf Niedersachen und Schleswig-Holstein

Verbraucherbeschwerde 

"Müritzer" signalisiert ein Produkt aus Mecklenburg-Vorpommern, also von der Müritz, wird aber laut Kennzeichnung in Schleswig-Holstein (SH 050) oder Niedersachsen (NI 086) hergestellt [Anmerkung der Redaktion: „hergestellt“ ist eine Vermutung des Verbrauchers]. Außerdem steht auf der Packung, dass der Käse aus dem Herzen Mecklenburg-Vorpommerns stammt.
Herr T. aus Stendal vom 02.11.2014

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Produktnamen und Werbeslogans, die auf ein Bundesland hinweisen, verstehen Verbraucher oft auch als Hinweis auf regionale Rohstoffe und regionale Herstellung. Weisen dann die Anbieter-Adresse und Identitätskennzeichen auf eine andere Region hin, sollte der Anbieter auf der Packung diesen vermeintlichen Widerspruch auflösen. Sonst könnten sich Verbraucher über die Herkunft getäuscht sehen.

Darum geht’s:

Der Produktname lautet „cremig-würziger Müritzer“ und die Abbildung auf der Schauseite zweigt eine idyllische Seenlandschaft mit einer Scheibe Käsebrot. Auf der Rückseite der Verpackung stehen der Hinweis „MILRAM Müritzer stammt aus dem Herzen Mecklenburg-Vorpommers“, die Adresse der DMK GmbH in Zeven und zwei  so genannte Identitätskennzeichen, DE SH 050 EG und DE NI 086 EG, die auf Schleswig-Holstein und Niedersachen verweisen.

Das ist geregelt:

Gemäß der Lebensmittelinfomationsverordnung (LMIV) sind auf verpackten Lebensmitteln der Name und die Anschrift des Herstellers, Importeurs, Verpackers oder des Verkäufers verpflichtend anzugeben. Es muss nicht unbedingt der Produktionsort der Ware angegeben sein.

Das Identitätskennzeichen ist eine Pflichtkennzeichnung auf tierischen Lebensmitteln, also auch auf Milcherzeugnissen. Es stellt keine Verbraucherinformation dar. Es gibt den Behörden der Lebensmittelüberwachung anhand von Kürzeln den Betrieb an, der das Produkt zuletzt bearbeitet oder verpackt hat. Es kennzeichnet nicht unbedingt die Herkunft der Rohstoffe. Das Identitätskennzeichen besteht aus einem Länderkürzel, z. B. "DE" für Deutschland, einer Betriebsnummer, die sich aus einer Abkürzung des Bundeslandes, zum Beispiel "SH" für Schleswig-Holstein, und einer Nummer zusammensetzt, die den Betrieb identifiziert, sowie der Angabe „EG“, wenn es sich um einen Betrieb der Europäischen Gemeinschaft handelt.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Viele Verbraucher achten bei der Lebensmittelauswahl auf eine regionale Herkunft. Mittlerweile gibt es eine Fülle von regionalen Logos und Produktnamen im Markt. Worauf sich diese beziehen, ist Verbrauchern oft unklar. Sie könnten bedeuten, dass die Zutaten aus der Region stammen, diese in der Region be- und/oder verarbeitet wurden, nur in der Region verpackt wurden oder nur die Rezeptur mit der Region verbunden ist. Konkrete Regelungen, was für Voraussetzungen regionale Logos und Produktnamen (mit Ausnahme von geschützten geografischen Angaben und Ursprungsbezeichnungen) erfüllen müssen, gibt es bisher nur sehr vereinzelt, z. B. für das Regionalfenster. Sie dürfen jedoch den Verbraucher nicht irreführen.

Hier stellt der Produktname „Milram cremig-würziger Müritzer“ gemeinsam mit der Abbildung einen regionalen Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern her. Verbraucher, die sich zudem die Adresse und die Identitätskennzeichen anschauen, können nachvollziehbar irritiert sein – denn Müritz befindet sich weder in Schleswig-Holstein noch in Niedersachen.

Nach Auskunft der DMK GmbH wird der Käse tatsächlich in Waren an der Müritz von einem Tochterunternehmender der DMK GmbH überwiegend aus regionaler Milch produziert. Die Identitätskennzeichen verweisen auf Schleswig-Holstein und  Niedersachsen, da das Aufschneiden der ganzen Käse und das Abpacken der Scheiben in einem dieser beiden Bundesländer erfolgt. Der Anbieter druckt das für die jeweilige Produktionscharge gültige Bundesland durch ein Buchstabenkürzel beim MHD auf die Verpackung des Käses.

Fazit:

Nach Auffassung der Verbraucherzentrale sollte der Anbieter die widersprüchlichen Angaben über die Herkunft und Herstellung des Käses auf der Verpackung erklären, um Missverständnisse zu vermeiden.

Stellungnahme der Deutsches Milchkontor GmbH, Zeven

Kurzfassung:

Der „Milram Müritzer“ wird bei der 100 %igen DMK-Tochter Müritz Milch GmbH in Waren a. D. Müritz hergestellt. Dieser Standort verfügt nicht über die nötige Aufschneideanlage. Der Käse wird dafür nach Edewecht (Niedersachsen) oder Nordhackstedt (Schleswig-Holstein) transportiert. Wir sind rechtlich dazu verpflichtet, das Identitätskennzeichen des Betriebes zu deklarieren, an dem der letzte Verarbeitungsschritt stattgefunden hat.

Stellungnahme Downloads 
Stand 
13. Januar 2015