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Schwarzwälder Schinken von dänischen Schweinen

Rubrik 
Herkunft + Region

Schinken mit Siegel "geschützte geografische Angabe"

Schwarzwälder Schinken trägt zwar das Siegel „geschützte geografische Angabe“, das bedeutet jedoch nicht, dass Schwarzwälder Schweine das Fleisch für den Schinken liefern müssen. Das Etikett schweigt sich über die Herkunft der Rohware meist aus.

Dagegen stammt die Milch für den Allgäuer Emmentaler mit dem Logo „geschützte Ursprungsbezeichnung“ zwingend aus dem Allgäu.
Der Käufer kann zwar einen Unterschied feststellen, wenn er die beiden Siegel miteinander vergleicht. Aussagen und Unterschiede der Zeichen werden vielen Verbrauchern jedoch verborgen bleiben, zumal jeder weitere erklärende Hinweis zur Bedeutung fehlt.

EU-Herkunftszeichen – die Tücke liegt im Detail

Beide Siegel zur geografischen Herkunftsangabe haben zum Ziel, besondere traditionelle regionale Produkte vor Nachahmungen zu schützen.
Dieser so genannte Geoschutz muss für jedes Erzeugnis auf EU-Ebene einzeln beantragt werden. In diesem Antrag wird genau beschrieben, aus welchen Rohstoffen das Produkt besteht, wo und wie es hergestellt wird und welche Besonderheiten es aufweist. Dabei muss deutlich werden, welchen Einfluss die angegebene Region auf die Qualität oder andere Eigenschaften des Lebensmittels hat.
Für Hersteller besonders wichtig ist der Schutz des Namens. Wird eine Produktbezeichnung in das Verzeichnis der Europäischen Kommission aufgenommen, so darf fortan kein Hersteller ein Produkt mit dieser Bezeichnung in den Handel bringen, wenn er die festgelegten Vorgaben nicht einhält.

Kleiner Unterschied – große Wirkung

Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Zeichen ist: Bei der „geschützten Ursprungsbezeichnung“ (g.U.) muss die Erzeugung vollständig in der genannten Region erfolgen. Für die geschützte geografische Angabe (g.g.A.) genügt es, wenn ein Produktionsschritt in dem angegebenen Gebiet stattfindet.

Eindeutig: die „geschützte Ursprungsbezeichnung“ (g.U.)

Ursprungsbezeichnung

Dieses Zeichen ist bei deutschen Produkten bisher wenig verbreitet. Einige Mineralwässer tragen das Siegel, außerdem Allgäuer Emmentaler, Allgäuer Bergkäse, Altenburger Ziegenkäse, Odenwälder Frühstückskäse, Lüneburger Heidschnucke und einige andere Produkte. Die Aussage ist eindeutig: Der Rohstoff stammt aus dem angegebenen Gebiet und sämtliche Produktionsschritte müssen ebenfalls dort erfolgen.
Ein Zusammenhang zwischen dem Herkunftsgebiet und den Eigenschaften des Produktes muss nachweisbar sein. Das Erzeugnis weist also Merkmale auf, die auf das spezielle geografische Gebiet, z.B. das Klima und die Vegetation, zurückzuführen sind oder mit den besonderen Fertigkeiten der Erzeuger in der Herstellungsregion zusammenhängen.

Unklar: die „geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.)

Geographische Anlage
 

Da bei der Kennzeichnung „geschützte geografische Angabe“ nur mindestens eine der Produktionsstufen – Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung – im genannten Gebiet stattfinden muss, ist die Aussage zur Herkunft begrenzt. Beispiele für Produkte mit diesem Geoschutz sind neben dem Schwarzwälder Schinken auch Dresdner Christstollen, Hessischer Apfelwein, Halberstädter Würstchen, Hessischer Handkäs, Nieheimer Käse, Schwäbische Maultaschen, Thüringer Rostbratwurst und verschiedene Biere. Zwar wird ein Gebiet in der Produktbezeichnung genannt, die Rohstoffe können aber auch aus anderen Regionen oder Ländern stammen, ohne dass explizit darauf hingewiesen werden muss.

Kein Herkunftszeichen: Garantiert traditionelle Spezialitäten (g.t.S.)

Traditionelle Spezialitaet
 

Ein weiteres ähnlich aussehendes Zeichen, das jedoch überhaupt keine Aussage über die Herkunft des Produktes trifft, ist die „garantiert traditionelle Spezialität“. Das Siegel steht für die traditionelle Zusammensetzung des Produkts oder ein traditionelles Herstellungs- und/oder Verarbeitungsverfahren.
Produkte dieser Kategorie sind beispielsweise Mozzarella, Serrano-Schinken und der holländische Bauernkäse (Boerenkaas). Bisher gibt es keine deutschen Produkte, die dieses Zeichen tragen. Die Produktion der Erzeugnisse kann an jedem beliebigen Ort stattfinden. Entscheidend ist allein, dass die Hersteller das festgelegte Rezept und Herstellungsverfahren einhalten.

Alle Produkte in einer Datenbank

Informationen zu allen EU-weit geschützten Produktbezeichnungen finden sich in der – leider wenig verbraucherfreundlich gestalteten – Datenbank „DOOR“ (s. Weiterführende Links in der rechten Randspalte). Ein Klick auf eines der drei EU-Siegel führt zur gewünschten Kategorie der geschützten Bezeichnungen.

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Die geschützte Ursprungsbezeichnung bietet Verbrauchern eine klare Orientierung. Allerdings ist meist nicht erkennbar, wie genau die Region definiert ist. Dies erfährt man erst durch Recherchen in der Datenbank „DOOR“(s. Weiterführende Links in der Randspalte).

  • Die beiden anderen Siegel können bei Käufern dagegen falsche Erwartungen wecken: Die geschützte geografische Angabe bezieht sich nicht zwangsläufig auf die Herkunft der Rohstoffe. Ein ergänzender Hinweis sollte deshalb Auskunft darüber geben, welche Stufe der Produktion in der bezeichneten Region stattfindet.
  • Die garantiert traditionellen Spezialität hebt sich nicht ausreichend von den Herkunftszeichen ab und kann deshalb leicht verwechselt werden
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Letzte Änderung 
11. April 2014