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„Ohne Zusatzstoffe“ – trotzdem gefärbt, aromatisiert und im Geschmack verstärkt

© MacLuke - Fotolia.com

„Ohne Konservierungsstoffe“, „ohne Geschmacksverstärker“, „ohne Farbstoffe“, „ohne Aromastoffe“ – Hersteller verleihen Getränken, Milchprodukten, Tiefkühlkost und Fertiggerichten mit einem so genannten „Clean Label“ ein natürliches Image. Wer auf Zusatzstoffe verzichten möchte, freut sich über diese Angaben. Doch es handelt sich dabei häufig um Produktwerbung, die nicht immer hält, was sie verspricht.

Versprochen: „natürliche“ Lebensmittel

Die „ohne xy“-Versprechen auf den Etiketten werden in Fachkreisen „Clean Label“ – „saubere Etiketten“ genannt. Sie vermitteln Verbrauchern den Eindruck, dass es sich um natürliche Lebensmittel ohne unerwünschte Inhaltsstoffe handelt.

Doch die mit Clean Label gekennzeichneten Produkte sind oft längst nicht so „sauber“ und ursprünglich, wie dies auf der Verpackung suggeriert wird. Vielfach werden unbeliebte Zusatzstoffe durch deklarationsfreundliche Alternativen ersetzt, die eine ähnliche Wirkung haben, jedoch von Gesetzes wegen nicht als Zusatzstoff gekennzeichnet werden müssen:

„Ohne den Zusatzstoff Geschmacksverstärker“

"Ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe" Lebensmittel mit dieser Werbeaussage sprechen Kunden an, die auf Geschmacksverstärker verzichten wollen, insbesondere auf Glutamat. Zahlreiche Produkte, die laut Werbung ohne diesen Zusatzstoff auskommen, enthalten dennoch Glutamat: Er versteckt sich in anderen Zutaten, insbesondere im Hefeextrakt, aber auch in Sojaprotein und Würze und muss dann nicht namentlich in der Zutatenliste angegeben werden.

 

 

 

 

„Ohne künstliche Farbstoffe“

"Ohne künstliche Farbstoffe" Lebensmittel „ohne künstliche Farbstoffe“ sind dennoch oft gefärbt. Dafür sorgen Konzentrate oder Pulver aus Obst und Gemüse. Sie gelten meist nicht als Farbstoffe und müssen deshalb auch nicht als Zusatzstoffe gekennzeichnet werden. Auf ihre färbende Eigenschaft wird häufig auch nicht hingewiesen. Ein derart optisch aufgepepptes Lebensmittel kann eine höhere Qualität vortäuschen. So kann beispielsweise Rote-Bete-Saft im Kirschjoghurt einen höheren Kirschgehalt vermitteln oder Algenpulver bei Wasabi-Erdnüssen einen höheren Anteil des japanischen Meerrettichs.

„Ohne künstliche Aromen“

"Ohne künstliche Aromen" Auch der Hinweis „ohne künstliche Aromen“ kann zu Verwirrung führen, denn häufig zeigt die Zutatenliste, dass dennoch Aromen zugesetzt wurden. Diese gelten laut Gesetz zwar nicht als künstlich, sie werden aber trotzdem im Labor hergestellt – auch „natürliche Aromen“. Nur wenn die Zutatenliste keine Aromen ausweist, stammt der Geschmack vollständig aus den verwendeten Lebensmitteln.

„Ohne Konservierungsstoffe“

Wenn „ohne Konservierungsstoffe“ auf dem Etikett steht, heißt das nicht, dass das Produkt keine Stoffe mit konservierender Wirkung enthält. Andere Zusatzstoffe verlängern ebenfalls die Haltbarkeit, zum Beispiel Antioxidationsmittel und Säuerungsmittel.

Studienergebnisse von Lebensmittelklarheit

Die repräsentative Forschung des Projektes „Lebensmittelklarheit“ zeigt für zwei untersuchte Beispiele, dass Verbraucher „ohne“-Werbung häufig falsch verstehen.
Bei der Werbung „frei von Geschmacksverstärker“ gehen sie vielfach davon aus, dass das Produkt auch keine Aromen und keine glutamathaltigen Zutaten wie Hefeextrakt enthält.
Bei einem Fruchtjoghurt mit der Angabe „ohne Farbstoffe“ erwarten Verbraucher überwiegend, dass die Farbe nur aus Erdbeeren stammt. Sie rechnen weder mit Farbstoffen noch mit färbenden Lebensmitteln.

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Mehr Verbraucherschutz bei Lebensmitteln mit „sauberen Etiketten“

Die Werbung mit „sauberen Etiketten“ muss rechtlich geregelt werden, damit die Produkte bei Verbrauchern keine falschen Erwartungen wecken:

  • Bei der Werbung „ohne Zusatzstoff X“ sollten keine Ersatzstoffe mit gleicher Funktion oder sogar gleichen Inhaltsstoffen eingesetzt werden dürfen.
  • Der Begriff „natürliches Aroma“ muss transparenter geregelt werden. Er muss für Aromen reserviert werden, die aus der Zutat gewonnen werden, nach der das Lebensmittel schmeckt (zum Beispiel Erdbeeren). Derzeit kann „natürliches Aroma“ beispielsweise auch von Mikroorganismen oder aus Zellstoff stammen.
  • Aussagen wie „ohne Zusatzstoff x lt. Gesetz“ sind wertlos, weil vergleichbare Lebensmittel diesen Zusatzstoff entsprechenden Rechtsgrundlagen ebenfalls nicht enthalten dürfen. Bei dieser Werbung mit Selbstverständlichkeiten sollten keine Ausnahmen gemacht werden.
  • Begriffe wie „natürlich“ oder „künstlich“ und vergleichbare Formulierungen müssen europaweit einheitlich rechtlich definiert werden.
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Letzte Änderung 
7. August 2015