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Kennzeichnung „laktosefrei“

© Johanna Mühlbauer - fotolia.com

Viele verarbeitete Lebensmittel werden als „laktosefrei“ beworben. Die Angabe ist eine wichtige Information für Menschen mit einer Milchzuckerunverträglichkeit. Doch rechtlich geregelt ist sie nicht.

Wichtige Information für Menschen mit Laktoseunverträglichkeit

Der Hinweis „laktosefrei“ richtet sich in erster Linie an Personen, die unter einer Laktoseunverträglichkeit leiden. Bei ihnen ist der Abbau von Laktose, also Milchzucker, während der Verdauung gestört. In der Regel müssen sie jedoch nicht vollständig auf Laktose verzichten und kleine Mengen können problemlos verzehrt werden. Daher sind geringe Restgehalte Laktose auch in als laktosefrei gekennzeichneten Produkten akzeptabel.

Laktase zur Herstellung laktosefreier Milcherzeugnisse

Das häufigste Verfahren, um laktosefreie Milch, Joghurts oder Sahne herzustellen, ist die enzymatische Spaltung der Laktose durch Laktase. Übrig bleiben Glukose (Traubenzucker) und Galaktose. Diese Abbauprodukte bereiten Menschen mit einer Laktoseunverträglichkeit keine Probleme.

Entsprechend der gemeinsamen Marktorganisation für landwirtschaftliche Erzeugnisse ist die Verringerung des Laktosegehalts bei Milch durch Spaltung in Glukose und Galaktose grundsätzlich zulässig. Um Laktase für die Herstellung laktosefreier Milcherzeugnisse zu verwenden, müssen Produzenten eine Ausnahmegenehmigung beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft beantragen.

Eine Auflage für die Erteilung der Ausnahmegenehmigung ist ein Laktosegehalt von unter 0,1 Gramm Laktose pro 100 Gramm oder 100 Milliliter, damit der Hinweis „laktosefrei“ erfolgen darf. Zusätzlich muss der Laktosegehalt auf dem Produkt gekennzeichnet werden, beispielsweise mit „Laktosegehalt: unter 0,1 g/100 g“. Die Verwendung der Laktase muss in der Zutatenliste angegeben werden.

Rechtsvorschriften fehlen

Außer für laktosefreie Milcherzeugnisse, die mittels Laktase erzeugt werden, gibt es keine gesetzlichen Regelungen, wie viel Laktose ein Lebensmittel höchstens enthalten darf, um als „laktosefrei“ angeboten zu werden. Werbung und Informationen auf Lebensmittel dürfen jedoch nicht irreführend oder täuschend sein.

In der Praxis hat sich der Wert von 0,1 Gamm Laktose pro 100 Gramm Lebensmittel auch für andere Produktgruppen durchgesetzt. So haben in Deutschland erhältliche Produkte, die als „laktosefrei“ gekennzeichnet werden in der Regel Laktose-Restgehalt von unter 0,1 Prozent.

Hinweis „von Natur aus laktosefrei“

Werbung mit Selbstverständlichkeiten ist nicht erlaubt. Dies ist der Fall, wenn eine Eigenschaft eines Lebensmittels besonders beworben wird, obwohl alle vergleichbaren Lebensmittel dieselben Eigenschaften haben. So könnte beispielsweise der Hinweis „laktosefrei“ auf Graupen als Werbung mit Selbstverständlichkeiten bewertet werden, da Graupen grundsätzlich keine Laktose enthalten (siehe Link unten).

Um den Vorwurf der Werbung mit Selbstverständlichkeiten zu vermeiden, können Hersteller jedoch den Hinweis „von Natur aus laktosefrei“ verwenden, um zu kennzeichnen, dass derartige Lebensmittel üblicherweise keine Laktose enthalten.

Auch viele Käseanbieter kennzeichnen ihre Hart- und Schnittkäse als „von Natur aus laktosefrei“ oder „durch natürliche Reifung laktosefrei“, da der Milchzucker im Herstellungsprozess weitestgehend abgebaut wird. Doch auch allein der Hinweis „laktosefrei“ wird vom Oberlandesgericht Düsseldorf in einem Urteil zu Gouda-Käse nicht als Werbung mit Selbstverständlichkeit gewertet. Das Gericht geht davon aus, dass dem durchschnittlichen Verbraucher nicht ohne weiteres bekannt ist, dass Goudakäse üblicherweise aufgrund seiner Reifezeit laktosefrei ist. Demnach erfüllt der Hinweis ein Informationsbedürfnis des Verbrauchers.

Unserer Einschätzung nach stellt die Aussage „durch natürliche Reifung laktosefrei“ bei Käse den Sachverhalt jedoch korrekt und ehrlicher dar, als nur die Bewerbung mit „laktosefrei“.

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Letzte Änderung 
24. Juni 2016