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Halal-Siegel: Einkaufshilfe für Muslime?

Rubrik 
Siegel + Zeichen

Halal-Siegel
© kotoyamagami - Fotolia.com

Der Markt an Halal-Produkten wächst. In Frankreich wird bereits Bio-Halal-Fleisch verkauft, in London bietet eine McDonalds-Filiale Halal-Burger an und zwei britische Supermarktketten haben für Muslime sogar ganze Halal-Regale eingerichtet. Auch in Deutschland wächst die Nachfrage.

Die Vielzahl unterschiedlicher Halal-Siegel macht es Verbrauchern aber schwer, ihre Aussagekraft einzuschätzen.

„Halal“= islam-konform

Das Wort „halal“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet „erlaubt, zulässig, rein“. Wenn Lebensmittel „halal“ sind, entsprechen sie islamischen Vorschriften und sind für Muslime erlaubt. Dazu gehören beispielsweise Frischmilch, frisches Obst und Gemüse, Eier, und pflanzliche Öle.

Das Gegenteil von „halal“ ist „haram“. Haram steht für das Verbotene oder das Unzulässige. Typische Haram-Lebensmittel sind zum Beispiel mit Schweinefleisch gefüllte Tortellini, Zwiebelkuchen mit Speck, Trüffelpralinen mit alkoholhaltiger Füllung, Fruchtgummis mit Schweinegelatine und Blutwurst.

Die Unterscheidung von halal und haram ist in islamischen Rechtsquellen, im Koran und in der Sunna beschrieben. Islamische Rechtsgelehrte legen diese Texte aus und beantworten Fragen zu Speisevorschriften, beispielsweise zu neuen Lebensmitteln und Produktionsmethoden. Durch unterschiedliche Auslegungen können dabei abweichende Halal-Standards entstehen.

Halal-Grundsätze

Kriterien für Halal-Produkte betreffen unter anderem die Herkunft der Zutaten und die religiöse Schlachtung von Tieren.

Folgende Zutaten sind in Halal-Produkten nicht erlaubt:

  • Schweinefleisch und alle vom Schwein stammenden Zutaten
  • Fleisch erlaubter Tierarten wie Rind, Schaf, Huhn und Ziege, sofern sie nicht halal-konform gefüttert wurden
  • Fleisch anderer Tierarten, zum Beispiel von Raubtieren
  • Pflanzen mit giftiger oder berauschender Wirkung
  • alkoholhaltige Zutaten, auch in geringen Mengen, zum Beispiel in einer Pralinenfüllung oder als Lösungsmittel in Aromen
  • Blut und Blutprodukte wie Blutplasma

Ein Teil der zahlreichen Vorschriften zur Durchführung der Schlachtung betreffen das betäubungslose Schlachten, das so genannte Schächten.

Halal-Fleisch stammt aber nicht zwangsläufig aus einer Schlachtung ohne Betäubung. In Deutschland ist Schächten nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt. Einige islamische Rechtsgelehrte akzeptieren die Betäubung vor der Schlachtung aus Tierschutzgründen. Deshalb erfolgen Halal-Schlachtungen hier fast ausschließlich mit Betäubung. Der Import von Fleisch, das von geschächteten Tieren stammt, ist allerdings erlaubt.

Weder das Lebensmittel noch die einzelnen Zutaten dürfen mit Nicht-Halal-Produkten in Berührung gekommen sein. Halal-Konformität muss von der Erzeugung bis zum Endprodukt gewährleistet werden.

Die allgemeinen Grundsätze werden durch viele detaillierte Vorschriften ergänzt. Je nach Rechtsschule fällt die Auslegung der islamischen Texte mitunter sehr unterschiedlich aus, so dass spezielle Speisevorschriften stark voneinander abweichen können.

Halal-Siegel

Die derzeitige Kennzeichnung von Lebensmitteln in Europa bietet nicht immer ausreichende Informationen für die richtige Auswahl islam-konformer Lebensmittel. Halal-Siegel sind für Muslime beim Einkauf daher eine wichtige Entscheidungshilfe. Jedoch ist in Europa die Kennzeichnung „halal“ lebensmittelrechtlich nicht geschützt.
Es gibt zudem keine europäische Organisation, die Halal-Standards für Lebensmittel festlegt und deren Einhaltung kontrolliert.

Daher unterscheiden sich die Halal-Normen der zahlreichen Zertifizierer. Einige beziehen sich auf weltweit anerkannte Halal-Standards, andere entwickeln in Zusammenarbeit mit islamischen Rechtsgelehrten eigene Anforderungskataloge.

Entsprechend können die Anforderungen an die Kennzeichnung deutlich voneinander abweichen. Für Verbraucher ist somit kaum zu beurteilen, ob es sich um eine verlässliche Kennzeichnung handelt.

Quelle: Dreusch, A.B., Şimçek, H.: Praxisleitfaden Halal. Behr’s Verlag, Hamburg 2011

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Eine Vielzahl von Siegeln mit unterschiedlicher Aussagekraft ist bei der Kaufentscheidung eher verwirrend als hilfreich.
Für mehr Verlässlichkeit und Transparenz ist es unabdingbar, dass islamische Gelehrte in Kooperation mit Herstellern, Handel und dem Gesetzgeber verbindliche Mindestanforderungen für die Halal-Kennzeichnung festlegen.

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Letzte Änderung 
22. Januar 2016