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Leere Qualitätsversprechen machen den Preis zum Kaufkriterium

© Tyler Olson

Zwischen Werbeversprechen, Aufmachung und Produktrealität klafft oft eine allzu große Lücke. Diese Erfahrung kann man täglich beim Einkauf machen. Regionale Herstellung oder artgerechte Tierhaltung sind für viele Verbraucher wichtige Kriterien beim Lebensmittelkauf. Aber verbindliche Kriterien und Regeln für die Kennzeichnung fehlen. Ländliche Idylle auf jeder Milchpackung: So entscheidet am Ende oft der Preis, welches Produkt im Einkaufswagen landet.

Im Supermarkt schlägt häufig der Preis die Qualität, weil Verbraucher wirkliche Produktqualität nicht bewerten, vergleichen und überprüfen können. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zum Thema „Trends in der Lebensmittelvermarktung“, die die Agrifood Consulting GmbH im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbandes vzbv erstellt hat. Sie diagnostiziert ein folgenschweres Marktversagen: Verbraucher interessieren sich zunehmend dafür, ob ein Produkt biologisch und regional hergestellt wurde oder Hersteller den Tierschutz achten. Doch solche Qualitätsmerkmale sind am fertigen Produkt schwer überprüfbar: Die Regeln für die Kennzeichnung und Aufmachungen sind unklar, und es mangelt an verlässlichen Siegeln.

Diese Lücke füllen Hersteller mit plakativen Werbeaussage, die einen Realitäts-Check häufig nicht standhalten. So ist die Kennzeichnung zahlreicher bei Lebensmittelklarheit gemeldeter Produkte beschönigend und widersprüchlich. Dadurch werden Qualitätserwartungen geweckt, die nicht zutreffen.

Funktionieren ausgelobte Qualitätsmerkmale nicht als Orientierungshilfe, wird der Preis zum einzig relevanten Merkmal für die Kaufentscheidung. Die Folge: Qualitätshersteller werden aus dem Markt gedrängt, es droht ein ruinöses Preis- und Qualitätsdumping.

Deshalb sind aus Sicht der Verbraucherzentrale Hersteller und Gesetzgeber gefordert, Bedingungen für einen funktionierenden Qualitätswettbewerb zu schaffen.

Letzte Änderung 
19. April 2012