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„Bäckerprozente“ bei Brot verwirren – Beispiel Werbung „100 Prozent Roggenmehl“ auf Roggenbrot

 

Werbung „100 Prozent Roggenmehl“ in Bezug auf Getreideanteil zwar richtig, aber verwirrt, wenn weniger Roggenmehl in der Zutatenliste steht.

Verbraucherbeschwerde 

Roggenbrot enthält 66 % Weizenmehl. Ich hatte ein Brot mit vorwiegend Roggenmehl erwartet sogar 100 %.
Verbraucher aus Hamburg vom 09.12.2018

Auf der Verpackung wird der Eindruck erweckt, dass das Brot aus 100 % Vollkornmehl besteht. Es sind aber nur 56 %.
Verbraucher aus Finsterwalde vom 15.04.2016

54 % Roggenmehl im Getreideerzeugnis: Roggenbrötchen 54 % Roggenmehl im Getreideerzeugnis zum Fertigbacken:  Zutaten: 39 % ROGGENERZEUGNISSE (ROGGENMEHL, ROGGENSAUERTEIG [ROGGENMEHL, Wasser], ROGGENVOLLKORNSCHROT), WEIZENMEHL, Wasser, WEIZENGLUTEN, Backmittel (Dextrose, Emulgator: E472e; WEIZENMEHL, Rapsöl), Hefe, jodiertes Speisesalz (Speisesalz, Kaliumjodat), Sonnenblumenöl, GERSTENMALZEXTRAKT, Säureregulator: Natriumacetate. Das Produkt kann Spuren von SESAM enthalten.
Verbraucherin aus Berlin vom 06.03.2016

Das Produkt heißt "Roggenbrötchen". Für diese Benennung muss ein Roggenmehl-Anteil von min. 50 % im Produkt erreicht werden. Der Roggenmehl-Anteil ist jedoch mit lediglich 32 % ausgewiesen. Es handelt sich also um eine offensichtliche Täuschung.
Verbraucher aus Oldenburg vom 21.08.2015

Nach meinen Kenntnissen muß ein Roggenmischbrot zwischen 51%-89% Roggen enthalten, damit es als Roggenmischbrot deklariert werden darf. Auf der Verpackung wird vom Hersteller 33% Roggen angegeben. Selbst mit dem Anteil des Roggens mit Natursauerteig müssten mind. 51% zustande kommen. Somit stellt sich die Frage, ob es wirklich als Roggenmischbrot deklariert werden darf.
Verbraucherin aus Weidenbach vom 20.04.2015

Auf der Frontseite beim Toast steht "aus 90% Vollkornmehl" - in der Zutatenliste auf der Rückseite stehen nur noch 58% Vollkornmehl...das Produkt wird als Vollkornprodukt bezeichnet und muss daher 90% Vollkornmehl enthalten.
Verbraucherin aus Raunheim vom 14.11.2013

Auf der Packung ist deutlich erkennbar "100 % Roggen" angegeben. Bei näherer Betrachtung fällt aber ein kleines Sternchen neben den 100 % auf. Dieses verweist auf den kryptischen Satz: "bezogen auf den Gesamtmehlanteil von XX Toast". Wenn man sich die Zutatenliste ansieht, erkennt man, dass nur 51 % Roggenmehl im Produkt sind. Für mich ist das Verbrauchertäuschung.
Verbraucherin aus Ennepetal vom 16.07.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Ein Brot wird auf der Schauseite der Packung mit „100 % Roggenmehl“ beworben. Es enthält jedoch laut Zutatenliste 51 Prozent Roggenmehl. Der Hinweis „100 % Roggenmehl“ bezieht sich auf den Roggenmehlanteil an den Getreidemahlerzeugnissen („Bäckerprozente“) im Brot.

Um Irritationen des Verbrauchers zu vermeiden, sollten Hersteller auf der Schauseite deutlich angeben, dass sich die Prozentangabe auf den Getreideanteil bezieht oder die Werbung weglassen.

Darum geht´s:

Ein „Roggenbrot“ trägt auf der Schauseite den Hinweis „mit 100 % Roggenmehl *“. Das Sternchen besagt: „bezogen auf den Gesamtmehlanteil“. In der Zutatenliste sind unter anderem Roggenmehl (51 %) und Sauerteig (Roggenmehl, Roggenvollkornmehl, Wasser) angegeben.
Die Verbraucherbeschwerden richten sich auf die Diskrepanz zwischen der Auslobung „100 % Roggenmehl“ auf der Schauseite und den tatsächlich enthaltenen 51 Prozent Roggenmehl im Produkt.

Das ist geregelt:

Gemäß den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck wird Brot ganz oder teilweise aus Getreide und/oder Getreideerzeugnissen, Flüssigkeit und weiteren Lebensmitteln hergestellt. Zu den Getreideerzeugnissen zählen sämtliche Erzeugnisse aus gereinigtem Getreide, wie Mehl, Backschrot, Vollkornmehl. Bei der Berechnung der Getreideerzeugnisse für die sogenannten „Bäckerprozente“ werden zugesetzte Getreidekeime, Speisekleie, Kleber und Stärke nicht berücksichtigt.

Gemäß EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) muss in der Zutatenliste die Menge einer besonders hervorgehobenen Zutat stehen. Die Menge der Zutat – wie hier das Roggenmehl – muss sich auf das Gewicht der fertigen Backware beziehen.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Es ist naheliegend, dass ein Brot nicht nur aus Getreide besteht, beispielsweise aus 100 Prozent Roggenmehl, sondern weitere Zutaten enthält. Daraus ergibt sich, dass das Roggenmehl im Roggenbrot nur einen Teil des Brotes ausmacht. Da dieser Anteil bei Produkten mit derselben Bezeichnung variieren wird, ist der Bezug auf die Menge an Getreidemahlerzeugnissen im Produkt logisch und nachvollziehbar. Die Kennzeichnung in der Zutatenliste besagt folglich, dass die 51 Prozent Mehl, aus denen dieses Brot neben anderen Zutaten gebacken wurde, zu 100 Prozent aus Roggenmehl besteht. Daher sind die Angaben auf der Schauseite und in der Zutatenliste in sich schlüssig und entsprechen den lebensmittelrechtlichen Regelungen. Trotzdem können die Regelungen Verbraucher verwirren.

Fazit:

Um Irritationen des Verbrauchers zu vermeiden, sollten Hersteller auf der Schauseite angeben, dass sich die Prozentangabe auf den Getreideanteil bezieht oder die Werbung weglassen.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz [aktuell: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft] über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
11. Dezember 2018