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„Tagesfrische“ Vollmilch, pasteurisiert

 

Bezeichnung „tagesfrisch“ weist auf am Verkaufstag gemolkene, verarbeitete und zum Kauf angebotene Milch hin

Verbraucherbeschwerde 

Die Bezeichnung "tagesfrische Milch" suggeriert für mich wirklich frische Milch. Erst bei genauerem Hinsehen auf der Rückseite konnte ich lesen, worauf sich "tagesfrisch" wirklich bezieht: auf die tagesfrische Verarbeitung der Milch! Für mich wäre es hilfreich, wenn man auch gleich auf der Vorderseite vor dem Kauf erkennen könnte, dass es sich um pasteurisierte Milch handelt, die lediglich tagesfrisch verarbeitet wird.
Verbraucherin aus Berlin vom 19.04.2017

Einschätzung der Verbraucherzentrale:
Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Die Bezeichnung einer Milch als „tagesfrisch“ können Verbraucher so verstehen, dass die Milch vom Tag selbst stammt, die Kühe also am Tag des Verkaufs gemolken wurden. Tatsächlich ist die Milch, an dem Tag des Melkens lediglich pasteurisiert und abgefüllt worden. Da frische pasteurisierte Milch gekühlt mehrere Tage haltbar ist, kann sie im Handel einige Tage im Regal stehen. Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte die Werbeangabe „tagesfrisch“ den Tag nennen, von dem die Milch stammt – „tagesfrisch vom x.x.xx“ – oder sie müsste im Wortlaut verändert werden.

Darum geht’s:

Auf der Schauseite der Milchverpackung fällt in großer Schrift die Bezeichnung der Milch „Tagesfrische Milch“ ins Auge. Darunter stehen in kleiner Schriftgröße „pasteurisiert“, „traditionell hergestellt“ und 3,5 Prozent Fett. Erst auf der Rückseite erklärt der Hersteller zusätzlich, dass die Milch am Tag des Melkens in die Molkerei transportiert, traditionell pasteurisiert und abgefüllt wird. Wie lange der Verkauf erfolgt, steht dort nicht. Verbraucher können die Werbung fälschlicherweise so verstehen, dass die Milch vom Tag selbst stammt, die Kühe für die Milch also am Tag des Verkaufs gemolken wurden.

Das ist geregelt:

Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über die Eigenschaften. Das ist ein wesentlicher Grundsatz in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV). Der Arbeitskreis der auf dem Gebiet der Lebensmittelhygiene und der Lebensmittel tierischer Herkunft tätigen Sachverständigen (ALTS) hat auf seiner 75. Arbeitstagung vom 22. bis 24. Juni 2015 in Berlin unter anderem die Bedingungen festgelegt, zu denen der Begriff „tagesfrisch“ für eine Konsummilch akzeptiert wird. Danach muss eine „tagesfrische“ Konsummilch innerhalb von 24 Stunden gemolken, pasteurisiert und abgefüllt werden. Zusätzlich muss der Begriff „tagesfrisch“ in diesem Sinne auf der Verpackung erläutert werden. Diese Erläuterung muss „leicht erkennbar“ sein. Die Überwachungsbehörden ziehen die Stellungnahmen des ALTS zur Beurteilung der Kennzeichnung eines Lebensmittels heran.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Die Werbung „tagesfrisch“ findet beispielsweise bei Obst, Gemüse und Backwaren Verwendung. Üblicherweise stammen diese Lebensmittel vom Tag selbst: Spargel und Erdbeeren werden am Verkaufstag selbst geerntet oder Brötchen hergestellt. Insofern passt die Angabe „tagefrisch“ nicht für eine Milch, die mehrere Tage haltbar ist und daher auch mehrere Tage zum Verkauf angeboten werden darf. Die Erläuterung zu „tagesfrisch“ auf der Rückseite können Käufer leicht übersehen und sie äußert sich außerdem nicht zur Dauer des Verkaufs. Die Werbung müsste Milch vorbehalten sein, die tatsächlich vom Tag selbst stammt und wäre dann beispielsweise bei Hofverkauf möglich.

Fazit:

Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte die Werbeangabe „tagesfrisch“ den Tag nennen, von dem die Milch stammt – „tagesfrisch vom x.x.xx“ – oder sie müsste im Wortlaut verändert werden.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
18. April 2019