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Schwarzwälder Schinken

 

Nur Würzung, Reifung und Räucherung finden im Schwarzwald statt

Verbraucherbeschwerde 

Wie kann ein Produkt mit ggA-Siegel (geografische Herkunft, EU) eine EU- Verarbeitungsnummer aus Niedersachsen ( DE NI ..... EG) führen?
Verbraucherin aus Mössingen vom 03.03.2014

Ich habe mir 2 PackungenSchwarzwälder Schinken gekauft. Auf der Verpackung steht, Selection Schwarzwald, Schwarzwälder Schinken.Oben rechts auf der Verpackung ist das Symbol mit dem typischen Bollenhut, unten rechts steht geschüzte geogr. Lage. Auf der Verpackung hinten steht: [*  ]Versmold. Das ist meiner Meinung nach eine Irrefeführung für den Verbraucher. Denn Schwarzwälder Schinken muss aus dem Schwarzwald kommen.
Verbraucher aus Wutöschingen vom 19.07.2013

Ich kaufte obiges Produkt in der Annahme, einen  Orig. Schwarzwälder Schinken aus der Region Schwarzwald gekauft zu haben. Mit dem Siegel"geschützte geografische Angabe" wird geworben, dass mindestens e i n e  der Produktionsstufen - Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung - im genannten geografischen Gebiet stattfinden muss. Welche Stufe der Produktion findet tatsächlich in der bezeichneten Region (hier Schwarzwald) statt wenn der Produzent aus Westfalen kommt ????? Das Produkt als solches ist völlig in Ordnung, ist aber sicher kein Schwarzwälder Schinken mit "geschützter geografischer Angabe" !! Ich finde, das ist eine Irreführung und Täuschung des Kunden !!
Verbraucherin aus Landsberg am Lech vom 26.05.2013

Der Titel "Original Schwarzwälder Schinken" erweckt den Eindruck, dass das Produkt aus dem Schwarzwald stammt. Die Kennzeichnung im Oval (über der Zutatenliste, siehe Anhang) "DE NI-EUZ 520 EG" deutet nach meiner Kenntnis auf einen Ursprung in Niedersachsen hin - dort ist definitiv NICHT der Schwarzwald...
Verbraucher aus Menden vom 24.07.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Schwarzwälder Schinken trägt das Siegel „geschützte geografische Angabe (g.g.A.)“. Es dokumentiert einen Bezug des Lebensmittels zu dem genannten geografischen Gebiet, mehr nicht. Es fehlt die wichtige Information, dass lediglich die Würzung, Reifung und Räucherung des Fleisches im Schwarzwald stattfindet. Die den Schinken liefernden Schweine müssen nicht aus dem Schwarzwald stammen.
Nach Ansicht der Verbraucherzentrale sollten Hinweise, worauf sich der Geoschutz bezieht – die Erzeugung, Verarbeitung oder Produktionsschritt – das Siegel g.g.A. ergänzen.

Darum geht's:

Schwarzwälder Schinken trägt das Siegel „geschützte geografische Angabe“ (g.g.A.). Welchen Bezug der Schinken zum Schwarzwald hat, erfahren Verbraucher durch das Siegel nicht. Denn im Gegensatz zum Siegel „geschützte Ursprungsbezeichnung“, bei der die Erzeugung vollständig in der genannten Region erfolgen muss, ist für die Kennzeichnung „geschützte geografische Angabe“ lediglich einen Produktionsschritt – also Erzeugung, Verarbeitung oder Zubereitung – im genannten Gebiet vorgeschrieben. Das bedeutet speziell für den Schwarzwälder Schinken, lediglich die Würzung, Reifung und Räucherung des Fleisches findet im Schwarzwald statt. Die Herkunft der Schweine muss nicht auf dem Etikett stehen.

Das ist geregelt:

Nach der EU-Verordnung für Qualitätsregelungen für Agrarerzeugnisse und Lebensmittel bezeichnet der Ausdruck „geografische Angabe” einen Namen, der zur Bezeichnung eines Erzeugnisses verwendet wird,

  • dessen Ursprung in einem bestimmten Ort, in einer bestimmten Gegend oder in einem bestimmten Land liegt,
  • dessen Qualität, Ansehen oder eine andere Eigenschaft wesentlich auf diesen geografischen Ursprung zurückzuführen ist und
  • bei dem wenigstens einer der Produktionsschritte in dem abgegrenzten geografischen Gebiet erfolgt.

Hersteller müssen den Geoschutz für jedes Produkt einzeln beantragen. In diesem Antrag müssen sie genau beschreiben, welchen Einfluss die angegebene Region auf die Qualität oder andere Eigenschaften des Lebensmittels hat.

Der Antrag für die Bezeichnung „Schwarzwälder Schinken“ in das Register geschützter geografischer Angaben bei der Europäischen Kommission legt zur Herkunft der Schweine fest, dass die Hinterschinken von Schweinen entnommen werden, „ ... die in Bezug auf die Haltung, Fütterung und Typ (Fleischschwein) Gewähr für die gewünschte Spitzenqualität in der Endstufe der Verarbeitung bieten.“
Eine zwei bis dreiwöchige Räucherung über Tannenhölzern aus dem Schwarzwald und die anschließende dreiwöchige Schinkenreifung in Klimaräumen ist für die Kennzeichnung als „Schwarzwälder Schinken“ ausreichend.

So sieht's die Verbraucherzentrale:

Die Bezeichnung „geschützte geografische Angabe“ kann bei einigen Käufern falsche Erwartungen wecken, wenn sie sie als Hinweis auf die Herkunft der Rohstoffe verstehen. Verbrauchern kann unserer Ansicht nach nicht zugemutet werden, die Regelungen der verschiedenen Geoschutz-Siegel zu kennen.

Fazit:

Die Kennzeichnung mit dem g.g.A.-Siegel sollte deshalb nach Ansicht der Verbraucherzentrale auch darüber Auskunft geben, welchen Bezug das Produkt zu  der bezeichneten Region hat.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz [aktuell: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft] über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
21. Dezember 2018