Skip to content Skip to navigation

Schriftgröße

-A +A

Schinkenwurst mit Kalbfleisch

 

Wurst nennt eine besondere Tierart, enthält aber auch Schweinefleisch

Verbraucherbeschwerde 

Auf der Verpackung steht „Würstchen mit Geflügelfleisch“ groß auf der Vorderseite und im Kleingedruckten hinten „70 % Schwein und 10 % Pute“.
Verbraucher aus Stuttgart vom 24.01.2019

Auf der Schauseite der Verpackung steht "Schinkenwurst mit feinem Kalbfleisch". In der Zutatenliste auf der Rückseite steht aber an 1. Stelle 53 % Schweinefleisch, gefolgt von Wasser und Speck. Das Produkt enthält nur 10 % Kalbfleisch. Und die Bezeichnung ist nur "Bio Schinkenwurst, hauchfein". Muss man als Verbraucher aus dieser Bezeichnung auf der Schauseite wirklich erkennen, dass da nur ein sehr kleiner Kalbfleisch-Anteil enthalten ist und stattdessen weit über die Hälfte Schweinefleisch (der Speck ist sicher auch Schweinespeck) oder ist das Irreführung?
Verbraucherin aus Oldenburg vom 17.05.2018

Einschätzung der Verbraucherzentrale:
Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Namen und Bezeichnungen, die nur eine Tierart benennen, sind für Verbraucher ein Ärgernis, wenn außerdem Bestandteile anderer Tierarten in einem Fleischerzeugnis enthalten sind, wie in diesem Fall „Schinkenwurst mit Kalbfleisch“, die auch Schweinefleisch enthält.
Bei Auslobung einer Tierart auf der Schauseite sollten alle anderen für das Fleischerzeugnis verwendeten Tierarten im Hauptsichtfeld genannt werden.

Darum geht’s:

Es gibt im Handel eine Reihe von Wursterzeugnissen, die eine Tierart – in diesem Fall Kalb – hervorheben. Erst der Zutatenliste ist zu entnehmen, dass neben Kalb auch oder überwiegend Bestandteile anderer Tierarten in der Wurst vorkommen. Der fehlende Hinweis auf die verarbeiteten anderen Tierarten kann bei Verbrauchern den Eindruck erwecken, dass für diese Produkte überwiegend die genannte Tierart Kalb verarbeitet wurde.

Das ist geregelt:

Informationen über Lebensmittel dürfen nicht täuschen, beispielsweise über die Zusammensetzung. Das ist ein wesentlicher Grundsatz in der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV).
Die Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse heißt es, dass Fleischerzeugnisse, in deren Bezeichnung nicht auf eine besondere Tierart hingewiesen wird, aus Teilen von Rindern und/oder Schweinen hergestellt werden. Soweit sich aus den Leitsätzen nichts Gegenteiliges ergibt, sind Rindfleisch und Schweinefleisch gegeneinander austauschbar.
Die teilweise Verwendung von Teilen anderer Tiere als Rind (einschließlich Kalb und Jungrind) und Schwein wird als „Leberwurst mit Putenfleisch” oder „Leberwurst mit 20 % Putenfleisch” bezeichnet.
Bei ausschließlicher Verwendung von Teilen anderer Tiere als Rind und Schwein wird die Tierart der Bezeichnung vorangestellt, beispielsweise „Wildschweinsalami”.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Nicht alle Verbraucher werden wissen, dass Wurstwaren grundsätzlich aus Schweine- und Rindfleisch bestehen dürfen. Sie können einen Hinweis auf eine spezielle Tierart irrtümlicherweise so verstehen, dass das Fleischerzeugnis aus dieser Tierart hergestellt wurde. Aus unserer Sicht ist deshalb eine Änderung der Leitsätze erforderlich. Wird auf der Schauseite und/oder in der Bezeichnung auf eine besondere Tierart hingewiesen, sollten alle weiteren verwendeten Tierarten ebenfalls genannt werden, zum Beispiel „Schinkenwurst vom Schwein mit Kalb“.

Fazit:

Aus Sicht der Verbraucherzentrale sollten bei Auslobung einer Tierart auf der Schauseite alle anderen für das Fleischerzeugnis verwendeten Tierarten im Hauptsichtfeld genannt werden.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
25. Juni 2019